Bücher, Videos, Internetseiten, Blogs, Artikel, Kolumnen, Organisationen
und Veranstaltungen, die neben zeitgemäßer Aufklärung
auch konstruktive Religions- und Glaubenskritik betreiben, werden
inzwischen immer zahlreicher. Auch ich habe mich in diesem
Buch diesen brisanten Themen verschrieben, da ich die feste Überzeugung
vertrete, dass die Inhalte und Ideologien der Religionen
mit ihren so genannten ‚Heiligen’ Schriften aus ethischen
Vorstellungen verbannt gehören. Der religiöse Glaube wirkt trotz
seiner kulturevolutionären Teilanpassung archaisch und passt
definitiv nicht in das 21. Jahrhundert, obgleich er im Grunde Privatsache
ist. Jeder muss allerdings zugeben, dass diese Art von
Glauben stets einen zu starken Einfluss auf Politik, Wirtschaft,
Kunst und Kultur hatte und noch immer hat, um tatsächlich als
Privatsache angesehen werden zu können.
Eine jede Ideologie, die gesellschaftlich großen Schaden angerichtet
hat, wurde stets auf das Schärfste kritisiert und bekämpft,
während sich die Religionen, von denen bislang schließlich die
größten Schäden hinterlassen wurden, seit jeher gegen jegliche
Kritik immunisieren. Bei Religion und religiösem Glauben ist (aus
meiner Sicht) Toleranz nicht angebracht, Akzeptanz gesellschaftsschädigend
und Respekt eine wirkliche ‚Todsünde’. Es kann beim
besten Willen nicht angehen, dass Menschen, welche die Vorstellungen
einer vorzeitlichen Kultur vertreten, die Technologie des
neuen Jahrtausends zur Verfügung steht. Immerhin eine Technologie,
die mit Hilfe der Wissenschaft entwickelt wurde, welche ausgerechnet
von diesen Menschen über Jahrhunderte hinweg so
vehement ‚verteufelt’ wurde.
Ich werde hier kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern meine
Einschätzungen und Kritikpunkte unverblümt darlegen. Eine Kuschelaufklärung
überlasse ich anderen. Wer sich also an irgendeiner
Stelle in seinen religiösen Empfindungen gekränkt fühlt sollte
wissen, dass es weder in meiner Absicht lag, eine Kränkung hervorzurufen,
noch dass meine verbalen ‚Angriffe’ persönlich gemeint
sind.
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Oben: Blinder Idiot! Scheißkerl! Perverser! Kommunist! Gotteslästerer! Unmoralisches
Scheusal und Abschaum der Erde!
Unten: He! Lassen Sie uns hier ein wenig Respekt haben!
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Ein nicht ungewichtiger Teil in diesem Buch basiert auf jahrelangen
Recherchen. Ich war stets bemüht die Hintergründe gewisser
Dinge aufzudecken, mit dem Ziel, auf Wahrheit zu stoßen.
Nun, jeder kommt sicherlich irgendwann an einen Punkt, an
dem er meint, die Wahrheit über etwas oder jemandem gefunden
zu haben. Nur was ist Wahrheit? Gibt es verschiedene Versionen
von Wahrheit, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man sie
betrachtet? Auch wenn es oft so anmutet, die Antwort ist NEIN!
Tatsächliche Wahrheit kennt keine ‚Versionen’. Allerdings gibt es
prozentuale Abstufungen, da nicht immer sämtliche Bestandteile
eines Sachverhaltes überprüfbar sind. In solchen Fällen greift man
auf Philosophie, Logik, Erfahrungswerte und ‚gesundem Menschenverstand’
(Vernunft) zurück. Wahrheit muss mit der Wirklichkeit
übereinstimmen. Aber was ist Wirklichkeit? An diesem
Punkt halte ich mich an das, was wir Menschen allgemein als
Wirklichkeit wahrnehmen. Die Wirklichkeit, die mit unseren fünf
Hauptsinnen erfassbar ist (zumindest innerhalb der Beschränktheit
jener Sinne), die obendrein aber auch einer wissenschaftlichen,
logischen und rationalen Überprüfung standhalten kann. Wahrheit
lässt sich nicht immer hundertprozentig beweisen. Wie in den
Naturwissenschaften hängt die Überprüfbarkeit der Wahrheit immer
vom Stand des Wissens, des Verstandes, des Fortschritts, der
Erkenntnis, der Technik, des Verständnisses für die Naturgesetze
sowie dem Stand der Forschung ab. Der menschliche Verstand ist
im Vergleich zur Komplexität und Größe des Universums nicht in
der Lage, und wird es vielleicht auch nie sein, die absolute Wahrheit
zu wissen. Eine solche Behauptung wäre sogar ungeheuer
vermessen. Wahrheit ist immer limitiert durch den Entwicklungsstand
des menschlichen Gehirns und kann somit jederzeit revidiert
werden. Lässt sich in gewissen Fällen keine Antwort als Wahrheit
beweisen, zählt das, was am wahrscheinlichsten ist. Wohingegen
Wahrheit, welche von einer Autorität präsentiert wird, in den meisten
Fällen konstruiert ist, um die Interessen und die Macht dieser
Autorität zu wahren. Autorität repräsentiert keine Wahrheit, denn
Wahrheit ist die Autorität.
Menschen sind stets bemüht, auf Fragen die dazugehörigen
Antworten zu finden. Jedoch das Ego, die Arroganz und der innere
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Stolz dulden es meistens nicht, zuzugeben, die Antwort auf eine
Frage nicht zu kennen. Die Verwendung eines höheren Wesens,
einer höheren Macht bzw. eines Gottes als ‚Lückenfüller’, ist in so
einem Fall zwar gang und gäbe, aber weder eine Antwort, noch
von Intelligenz und Vernunft geprägt.
Eines ist sicher: Glaubensinhalte, Spekulationen und Vermutungen,
welche unhaltbar, nicht nachvollziehbar oder unbeweisbar
sind, da meistens nicht einmal Indizien vorliegen, basieren definitiv
nicht auf Wahrheit, sondern sind bestenfalls Thesen. Ich werde
in diesem Buch ebenso Vermutungen anstellen, jedoch verkaufe
ich sie nicht als absolute Wahrheit. Auch wünsche ich nicht, dass
den von mir hier präsentierten Zusammenhängen und Thesen blind
Glauben geschenkt wird. Ich möchte zum Nachdenken anregen,
die Neugier entfachen und sicher auch Interesse wecken, manche
Dinge einmal von einer anderen Perspektive her zu betrachten.
Da ich hier auf mehrere Themen und verschiedene Teilbereiche
eingehe, habe ich versucht, alles so kurz und kompakt wie möglich
zu halten. Dieses Buch sollte schließlich kein Wälzer werden. Wer
sich bestimmte Themen näher zu Gemüte führen möchte, findet
Empfehlungen zu ausführlicherer Lektüre am Ende dieses Buches.
Ich sehe mich selbst als Skeptiker aber gleichermaßen auch als
Wissensforscher, welcher seine Überzeugungen auf logische
Denkweisen stützt, sowie stets bemüht ist, nach Regeln der Vernunft
zu handeln. Auf der Suche nach immer neueren Erkenntnissen
und dem Streben, mein bereits erlangtes Wissen zu erweitern,
bin ich ausschließlich an der Wahrheit und Wirklichkeit interessiert.
Ich gehörte nie einer organisierten Religion an, wurde weder
getauft noch konfirmiert. Allgemein bezeichnet man jemanden wie
mich als Atheisten. Ich werde jedoch in diesem Buch nebenbei
aufzeigen, dass ich weitaus mehr bin, als nur ein Atheist.
Die Verhaltensgrundlage in meinem Leben: Sei fair so oft es
geht und halte dich von jeglichen Einflüssen, Impulsen und Gefühlen
negativer Art weitestgehend fern.
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1 DIE KRONE DER SCHÖPFUNG
1.1 Schöpfung ?
Es ist schon irgendwie erstaunlich, dass, seitdem der Mensch in
der Lage ist, sich und seine Umwelt bewusst wahrzunehmen, sowie
im Laufe der Zeit sich sein Gehirn dermaßen hat weiterentwickeln
können, um komplexe und bewusste Gedankengänge zu
vollziehen, er die Vorstellung entwickelte, kreiert bzw. erschaffen
worden zu sein. Die „Entwicklung“, denn nichts anderes bedeutet
das Wort „Evolution“, eines neugeborenen Babys zu einem erwachsenen
Menschen, war jederzeit präsent und beobachtbar. Es
ist schon kurios anzunehmen, der Mensch kann nicht durch Evolution
(Entwicklung) entstanden sein, während eben eine solch ähnliche
Entwicklung allgegenwärtig ist. Nun die Evolution beschreibt
im Grunde eine etwas andere Entwicklung, als die zuvor
genannte, aber das Prinzip ist das gleiche. Bei der Entwicklung
eines Babys zum ausgewachsenen Menschen geschieht es durch
Zellteilung, während sich Evolution, so wie sie definiert ist, auf die
Teilung und Verbindung der elterlichen Erbinformationen bezieht.
Eine Mutation der in der DNA enthaltenen Erbinformationen wird,
wenn sie sich vorteilhaft auf die betroffene Spezies auswirkt, an
die nächsten Generationen weitergegeben, wohingegen eine Mutation
bei Zellteilung lediglich Auswirkungen auf den einzelnen
Organismus haben kann.
Der ausschlaggebende Punkt für die Annahme, Tiere und
Pflanzen wurden erschaffen, stellt wohl deren Komplexität dar.
Etwas so komplexes kann sich doch nicht einfach entwickelt haben,
oder? Doch! Ich werde an dieser Stelle nicht näher darauf
eingehen, da dieses Thema viel zu umfangreich ist, um es in wenigen
Sätzen zu erklären. Es gibt viele Bücher, die sich näher damit
befassen. Empfehlen würde ich das Buch „Der blinde Uhrmacher“
von Richard Dawkins oder für diejenigen, die der englischen Sprache
mächtig sind, die Videoreihe „Growing Up in the Universe“
von und mit Richard Dawkins (noch zu finden unter Google Videos).
Ich werde später im Unterkapitel 6.2 Evolution noch einmal
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zu dieser Thematik zurückkehren, um gewisse andere Sachverhalte
zu klären.
Die Annahme einer Schöpfung setzt zwangsläufig einen Schöpfer
voraus, der noch komplexer ist als dessen ohnehin schon komplexe
Schöpfung. Dies ist aber keine Antwort auf unsere Herkunft,
sondern verlagert die Problematik lediglich um eine Stelle nach
hinten. Die Komplexität von etwas damit zu erklären, dass etwas
noch komplexeres es erschaffen hat, nun ja, das grenzt schon an
Wahnwitz.
Wie falsch die Annahme einer Schöpfung durch einen ‚intelligenten’
Schöpfer ist, macht die Behauptung deutlich, der Mensch
sei die ‚Krone der Schöpfung’.
1.2 Krone ?
Kurz noch mal zurück zur Frage: Schöpfung – ja oder nein? Gäbe
es tatsächlich so etwas wie einen Schöpfer, so hätten wir es definitiv
mit einem Stümper zu tun. Vielleicht würde ein solch unfähiger
Schöpfer ja der Schöpfungsthese nicht unbedingt widersprechen,
aber er wäre eindeutig der Beweis, der gegen die Existenz eines
„Intelligenten Designers“ spricht.
Anhand folgender Beispiele möchte ich kurz aufzeigen, dass bestimmte
Formen des Lebens keineswegs Perfektion aufweisen,
geschweige denn intelligent erschaffen worden sind.
· Die größten derzeit lebenden Landsäugetiere der Erde, die
Elefanten, sind mit ihren bis zu 6 Tonnen Gewicht
schlechte Futterverwerter, was sie dazu ‚verdammt’ vier
Fünftel des Tages mit Nahrungsaufnahme zu vergeuden.
150 bis 200 Kilogramm an pflanzlicher Nahrung benötigt
ein ausgewachsenes Tier jeden Tag. Dieses Dauerfressen
hat zur Folge, dass sich die Backenzähne der Elefanten
trotz ihrer Größe sehr schnell abnutzen. Wenn der Zahnschmelz
zu weit abgenutzt ist, kann die Nahrung nicht
mehr zerkaut werden und der Elefant verhungert jämmerlich.
Oft wird noch nicht einmal das Alter erreicht, was
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Elefanten erreichen könnten, nur weil ihre Zähne nicht
mehr ‚mitspielen’. Wie ‚intelligent’ ist das denn?
· Mit einer Spannweite von über drei Metern gehört der
Albatros zu den besten Fliegern der Vogelwelt. Nur
macht er leider keine so gute Figur wenn es darum geht,
zu starten und zu landen. Nicht selten brechen sich die
rund 10 Kilogramm schweren Vögel bei der Landung die
Flügel oder Beine, was den sicheren Tod bedeutet. Für
ein Aufsteigen vom Boden aus benötigen sie Gegenwind,
ohne den sie keine Möglichkeit haben, ihr Gewicht in die
Luft zu bekommen. Auch hier wieder ‚sehr intelligent’.
Es gibt unzählige solcher Beispiele und es kommen ständig neue
Entdeckungen hinzu.
Aber nicht nur in der Tierwelt finden sich Hinweise, die gegen
eine intelligente Schöpfung sprechen.
· Die Umlaufbahnen der meisten Planeten sind instabil.
· Der Großteil des Universums lässt kein Leben zu bzw. tötet
Leben augenblicklich.
· Erdbeben, Vulkane, Fluten, Tornados, Hurricanes – auf
einem nicht geringen Anteil der Erdoberfläche ist kein
Leben möglich.
· Über 90% allen Lebens, was je existiert hat, ist inzwischen
ausgestorben.
· Massensterben aufgrund von Krankheiten, klimatischen
Veränderungen und interplanetarischen Ereignissen
(Asteroideneinschläge).
· Die Photosynthese der Pflanzen ist uneffektiv, da ein Teil
des aufgenommenen Kohlendioxids wieder abgegeben
wird, ohne es in Sauerstoff zu wandeln.
Auch bei der Primatenart Mensch finden sich Hinweise, die einer
‚intelligenten’ Schöpfung widersprechen.
· Der Großteil des eingeatmeten Sauerstoffs gelangt nicht
in die Blutbahn, sondern wird wieder ausgeatmet.
· Im Alter lässt unsere Sehkraft nach.
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· Wir verlieren unsere Zähne, Haare, Mobilität und Hautintegrität.
· Wir sind nicht in der Lage magnetische Felder, ionisierende
Strahlungsfelder, Radon (Rn) bzw. überhaupt Radioaktivität,
Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2),
Methan (CH4) und vieles andere, was uns schaden und
töten kann, aufzuspüren.
· Wir müssen als Warmblüter ununterbrochen Nahrung zu
uns nehmen, während beispielsweise Krokodile mit einem
Huhn pro Monat auskommen.
Das unintelligenteste am Menschen jedoch ist, dass die Aufnahme
von Atemluft durch dieselbe Öffnung geschieht, wie das Essen
und Trinken. Diese Form des ‚Designs’ kostet jährlich unzähligen
Menschen das Leben, die durch Aspiration (Verschlucken) ohne
rechtzeitige Hilfe einfach ersticken.
Wir sehen, dass es um den Menschen nicht besser bestellt ist,
wie um die anderen Tiere. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall.
Wenn man sich nämlich mal umschaut, schneidet der Mensch,
zumindest was den Bereich Sinne angeht, ziemlich miserabel ab.
Bei einer göttlichen Schöpfung, wären wir als Krone sicherlich mit
besseren Sinnen ausgestattet worden.
· Warum besitzen wir beispielsweise nicht das Sehvermögen
eines Falken? Wäre ein Falke in der Lage menschliche
Buchstaben egal welcher Sprache zu entschlüsseln, so
könnte er aus 30 Meter Entfernung Zeitung lesen.
· Warum verfügen wir nicht über den Tastsinn eines Seehundes?
Mit Hilfe seiner Barthaare ist der Seehund in der
Lage, den Flossenschlag eines Fisches noch aus 40 Kilometer
Entfernung wahrzunehmen.
· Warum haben wir nicht das Gehör einer Fledermaus? Sie
orientiert sich durch ein beeindruckendes Sonarsystem
anhand von Ultraschallwellen. Damit kann sie im Dunkeln
‚sehen’.
· Und warum hat kein Mensch die Fähigkeit, Duftstoffe bei
einer Verdünnung von mehr als 1:10.000.000 wahrzu-
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nehmen? Über einen solchen Geruchssinn verfügt nämlich
ein Hai.
Und der Mensch soll nun die Krone dieser Schöpfung sein? Ich
muss zugeben, dass ich mich beim Schreiben dieses Kapitels vor
lachen kaum noch halten konnte. Allein der Ausspruch „Krone der
Schöpfung“ ist so lächerlich. Er war Anlass für das kommende
Unterkapitel – „Artenkrankheit“.
1.3 Artenkrankheit
Was ich mit Artenkrankheit meine, ist die von Größenwahn durchsetzte
Selbstüberschätzung (Anthropozentrismus). Dabei handelt
es sich um eine besonders ausgeprägte Form des Übermuts (griechisch:
Hybris). Bei der Art, auf die sich diese ‚Krankheit’ bezieht,
handelt es sich, wie kann es auch anders sein, um den Menschen.
Allein schon dessen lateinische Bezeichnung mit der doppelten
Charakterisierung (Homo sapiens sapiens) sagt bereits eine ganze
Menge aus.
Homo = Mensch sapiens = verständig, weise
Auch wenn inzwischen die doppelte Charakterisierung in der Regel
nicht mehr verwendet wird und man den lateinischen Namen
„Homo sapiens“ allgemein mit „vernunftbegabter Mensch“ übersetzt,
bleibt der Nachgeschmack der Hybris haften.
Wenn wir uns die Natur einmal genau betrachten, so sind wir eigentlich
gar nicht so erfindungsreich und damit anderen Spezies
überlegen. Wir können nur deshalb fliegen (mit Hilfsmitteln), weil
wir es uns in der Natur abgeschaut haben. Radar- und Sonartechniken
wurden bereits von Tieren verwendet, lange bevor der
Mensch sie ‚erfunden’ hat. Noch vor ein paar Jahrhunderten kannten
wir keine Elektrizität, während Tierarten wie der Zitteraal oder
Zitterrochen Elektrizität eigenständig erzeugen konnten.
Ich könnte jetzt ausschweifen und das Verhältnis von uns Menschen
zur Größe des Universums aufzeigen, allerdings werde ich
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stattdessen aus einem Buch zitieren, in dem genau das bereits
getan wurde. Der Wortlaut täte sich dermaßen mit meinem ähneln,
dass es wie kopiert erscheinen würde. Bei dem Buch handelt es
sich um Dr. Michael Schmidt-Salomon’s „Jenseits von Gut und
Böse“ aus dem Jahre 2009. Er gibt darin eine Einschätzung über
die Menschen ab, wie sie treffender nicht hätte sein können.
…Wir sollten uns dringend von der Hybris befreien, etwas
ganz besonderes zu sein oder gar im Mittelpunkt des kosmischen
Weltgeschehens zu stehen. Diese anthropozentrische
Vorstellung ist angesichts der realen Verhältnisse im
Kosmos von einer solch grandiosen Lächerlichkeit, dass
mir die Worte fehlen, sie auch nur annähernd adäquat zu
beschreiben.
Bedenken wir, dass die Sonne, um die wir uns drehen und
auf deren lebensspendende Energie wir angewiesen sind,
nur ein unauffälliger Stern in einem unbedeutenden Spiralarm
am Rande der Milchstraße ist. Allein unsere Heimatgalaxie
umfasst zwischen hundert und zweihundert Milliarden
weiterer Sterne. Die Andromeda-Galaxie, die sich mit etwa
120 Kilometern pro Sekunde auf die Milchstraße zu bewegt
und in rund zwei Milliarden Jahren mit ihr kollidieren wird,
umfasst weitere tausend Milliarden Sterne. Schon dies allein
sprengt jede Vorstellungskraft. Doch neben der Milchstraße
und der Andromeda-Galaxie gibt es in dem von uns
einsehbaren Universum etwa hundert Milliarden weitere
Galaxien, die im Mittel aus bis zu Hunderten Milliarden
Sternen bestehen. Das ergibt insgesamt eine unvorstellbare
Anzahl von Sternen…
…Und damit nicht genug: Möglicherweise ist unser gigantisches
Universum nur Teil eines noch gigantischeren
Multiversums, das unendlich viele Universen umfasst.
Ruft man sich diese ungeheuren Dimensionen ins Bewusstsein,
so weiß man, dass die Erde in der Tat nichts weiter
ist als ein Staubkorn im Weltall. Was soll man angesichts
dieses Faktums nun davon halten, wenn eine affenartige
Lebensform, die sich zufällig auf diesem Staubpartikel
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entwickelt hat, eine Spezies, die es vor schlappen zwei Milliarden
Jahren längst noch nicht gab und die es in zwei Milliarden
Jahren wohl längst nicht mehr geben wird, Geschichten
erfindet, die davon handeln, dass das gesamte Universum
letztlich nur für sie geschaffen wurde? Ist es nicht
Ausdruck eines kaum noch steigerungsfähigen Größenwahns,
wenn sich diese Trockennasenaffen-Art, die ihre
Existenz dem zufälligen Überleben rattengroßer Ursäuger
nach dem Einschlag eines zehn Kilometer großen Asteroiden
vor fünfundsechzig Millionen Jahren verdankt, sich einen
imaginären Schöpfer des Universums (Gott) einbildet,
der nichts Besseres zu tun hat, als sich ausgerechnet in Gestalt
dieser Affenart zu inkarnieren (Christentum) oder aber
mit Argusaugen darüber zu wachen, ob diese vorübergehende
Lebensform auf ihrem unbedeutenden Planetchen
Schweinshaxen isst oder nicht (Judentum, Islam)?!
Man hat Richard Dawkins sehr dafür kritisiert, dass er
den Begriff „Gotteswahn“ gebrauchte, aber ich bitte Sie:
Gibt es irgendeinen Begriff, der diese alle Dimensionen
sprengende Selbstüberschätzung besser treffen würde? Im
Grunde ist der Begriff „Wahn“ fast schon zu harmlos, um
diesen atemberaubenden Blödsinn zu fassen! Und sagen Sie
bloß nicht, dass es nicht sein kann, dass Millionen, ja Milliarden
von Menschen einem Wahn unterliegen. Werfen Sie
nur einen Blick in unsere Geschichte, diese entsetzliche Orgie
der Gewalt, des Hasses, der Rache, der Niedertracht!
Vergegenwärtigen Sie sich, welche Nichtigkeiten genügten,
um Menschen dazu zu bringen, andere zu demütigen, zu
foltern, vor den Augen ihrer Liebsten abzuschlachten! Gäbe
es einen kosmischen Psychiater, würde er dem Patienten
„Menschheit“ angesichts seiner klinischen Vorgeschichte
zweifellos eine extrem hohe Anfälligkeit für soziopathische
Wahnideen attestieren. Eine lebenslange „Sicherheitsverwahrung“
wäre uns gewiss…
Der auch von Dr. Schmidt-Salomon zu Recht als Wahn bezeichnete
Anthropozentrismus umfasst ganz offensichtlich nur die Ober-
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grenze der menschlichen Vermessenheit. Im etwas kleineren Maßstab
findet sich dieses Prinzip auch im Androzentrismus, Rassismus
und Speziesismus wieder. Mit dem Androzentrismus und dem
Rassismus muss der Mensch letztlich allein fertig werden, aber der
Speziesismus, welcher auch in den so genannten ‚Heiligen’ Schriften
verankert ist, stellt eine artübergreifende Diskriminierung lebender
Organismen dar. Alle vier, der Anthropozentrismus, der
Androzentrismus, der Rassismus und der Speziesismus, ach ja und
nicht zu vergessen der Sexismus – also diese fünf gehören zu den
Grundfesten der großen Religionen, was sie zu gesellschaftsschädigende
und lebensfeindliche Organisationen macht. Halten können
sie sich nur durch den blinden Glauben und der Autoritätshörigkeit
ihrer Anhänger. Dieser Glaube ist es, mit dem ich mich im
folgenden Kapitel befassen werde.
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2 DER GLAUBE
2.1 Einführung
Glauben beschreibt im Allgemeinen das Gegenteil von Wissen.
Bei dem Wort „Wissen“, ein ähnliches Problem hatte ich bereits
im Vorwort mit dem Wort „Wahrheit“, stellt sich eine Frage, mit
der sich seit Jahrhunderten auch die Philosophie beschäftigt. Mathematiker
und Philosoph Bertrand Russell widmete sich diesem
Thema in seinem Buch „The Problems of Philosophy“ (Die Probleme
der Philosophie). Darin fragt er, wie wir überhaupt irgendetwas
wissen können.
Die Antwort ist, das können wir nicht. Zu wissen bedeutet hundertprozentige
Bestimmtheit. Aber es gibt Gewissheitsstufen.
Russell meinte, es gäbe zwei Sachen, welche wir mit Bestimmtheit
wissen.
1. Charakteristiken, welche über die Sinnesorgane wahrgenommen
werden.
2. Idealistische Formen von gewissen Dingen in unserem Gehirn.
Bei Punkt 1 ist beispielsweise das Ertasten von harten oder weichen
Gegenständen gemeint oder das Erkennen einer Farbe. Im
zweiten Punkt geht es darum, Formen in unserem Hirn zu assoziieren.
Wir erkennen einen Kreis, wenn wir einen sehen. Betrachtet
man nun Krakelei auf einem Stück Papier, so können wir daraus
Kreise und andere Formen erkennen (vorausgesetzt sie sind wirklich
vorhanden). Einfacher lässt es sich beschreiben in dem man
sagt, wir können gewisse Dinge in Wolken erkennen, da wir die
Form der Wolken mit uns bekannten Dingen assoziieren.
Prof. Richard Dawkins argumentiert in seinem Buch „Der entzauberte
Regenbogen“, dass wir alle in einer Art ‚virtuellen Realität’
leben. Wir haben kein komplett akkurates Verständnis davon,
was wirklich in der Welt vor sich geht. Dawkins, wie viele Philosophen
vermutlich auch, würde sagen, dass es tatsächlich eine
reale Welt da draußen gibt, wir aber lediglich einen beschränkten
Teil davon wirklich wahrnehmen. Von den Protonen, welche in
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unsere Augen gelangen, können wir nur eine sehr kleine Menge
verarbeiten, unsere Ohren registrieren verschwindend wenig
Schallvibrationen und wir besitzen einen im Gegensatz zu anderen
Tieren sehr dürftigen Tastsinn. Dazu kommt, dass unser Gehirn im
Grunde nur ein schwerfälliger Computer ist, welcher Dinge in
unserer Vorstellung erschafft, damit wir uns ein Bild von der Welt
machen können.
Ebenso gibt es Wege, wie das Gehirn uns austrickst, weil es auf
bestimmte Dinge nicht reagiert. Wenn ich beispielsweise jemandem
sagen würde, er solle sich einen rosafarbigen Elefanten vorstellen,
dann würde ein solches Bild in seinem Hirn auftauchen
und er könne sagen: „Es ist definitiv wahr, dass ich gerade an
einen rosa Elefanten denke.“. Aber nachdem der Elefant in Wirklichkeit
nicht da ist und er das Bild mit nichts sichtbarem assoziieren
kann, ist es unmöglich zu behaupten, einen rosafarbigen Elefanten
tatsächlich zu sehen.
Beim Glauben muss nun vorab deutlich unterschieden werden,
welche Art von Glauben gemeint ist. Im Englischen gibt es hierfür
zwei Begriffe.
· Faith (Glaube) – bezeichnet den religiösen Glauben und
bedeutet soviel aus wie Vertrauen, Gehorsam, Treue, gut
heißen, loben und begehren. Mit diesem Wort unterstellt
man eine absolute Wahrheit, die nicht einer Wahrscheinlichkeitsrechnung
unterliegt.
· Believe (Glaube, glauben) – wird vorwiegend im Alltag
verwendet, obwohl dieses Wort auch, je nach dem in welchem
Zusammenhang, mit dem religiösen Glauben assoziiert
werden kann. Man drückt damit aus, dass man etwas,
was vermutet wird, für wahr hält. Eine solche Annahme
unterliegt einer Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Im Deutschen gibt es diesen so offensichtlichen, linguistischen
Unterschied leider nicht, was erklärt, warum so genannte ‚Ungläubige’
ständig gefragt werden, warum auch sie das Wort „glauben“
im Alltag verwenden.
- 21 -
So unwirklich wie es aber klingt, ‚Ungläubige’ glauben auch. Im
täglichen Sprachgebrauch verwenden sie das Wort "glauben" nicht
weniger häufig als Gläubige, nur mit dem Unterschied, auf was
sich dieser Glaube bezieht.
Wenn jemand mir sagst, er besitze ein Haus, ist verheiratet, hat
zwei Kinder und einen Hund, dann glaube ich das, auch wenn ich
denjenigen nicht kenne. Der Grund ist, aus Erfahrung weiß ich,
dass es möglich ist, all dies zu haben. Ich weiß es gibt Häuser und
ich weiß, man kann sich Hunde als Haustier halten.
Wenn jemand mir sagt, er hätte einen Elefanten als Haustier,
wäre ich mir nicht so sicher, ob ich es glauben würde. Ich weiß
zwar, dass es Elefanten gibt, aber sie als Hautiere zu halten, besonders
in unseren Breiten, ist eher ungewöhnlich.
Wenn jemand mir nun aber sagt, dass er einen Schneemenschen
(Yeti) als Haustier hält, dann glaube ich es nicht. Die Existenz des
Yetis konnte bislang nicht nachgewiesen werden und ist somit
noch immer ein Mythos. Es gäbe also aus Sicht der Vernunft, aus
Sicht der Logik und gemäß einer Wahrscheinlichkeitsrechnung
keinerlei Anlass dies zu glauben.
Jedoch auch ‚Ungläubige’, wie Atheisten, Naturalisten, Humanisten
u.v.a., glauben (sprich: halten für wahr) an Dinge, die naturwissenschaftlich
schwer zu erklären sind, wie beispielsweise
Glück oder Liebe.
Liebe ist nach wie vor ein Streitpunkt beim Thema Glauben.
Die Wissenschaft kann sie, momentan zumindest, noch nicht greifen.
In der Biologie ist Liebe nicht definiert. Es gibt daher keine
Kategorie in der Wissenschaft. Emotionale Prozesse der Biochemie
sind noch nicht ausreichend erforscht, um aus wissenschaftlicher
Sicht eine vernünftige Hypothese aufstellen zu können.
Grundlegend betrachtet ist Liebe ein Gefühl, eine innere positive
Haltung. Sie ist darüber hinaus der Ausgangspunkt vieler anderer
Gefühle, wie Hass (in gewissen Formen), Eifersucht, Mitleid etc.
Die Aussagen vieler Gläubigen, Liebe ist der Beweis für die
Existenz Gottes oder Liebe ist Gott, widerspricht der Gottesdefinition,
denn Liebe ‚stirbt’ mit dem Organismus, der sie empfindet.
Diese Aussagen sind nichts als Wortspielerei, da man ansonsten
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den Begriff Gott für so gut wie alles hernehmen könnte (Natur,
Bewusstsein, Gewissen, ...).
Obwohl ich denke, dass Liebe überbewertet wird, steht eines
jedenfalls fest. Sollte der Mensch irgendwann in der Lage sein,
Liebe exakt definieren zu können, wird sie vermutlich viel von
ihrer Macht verlieren.
Was bringt Menschen nun dazu zu glauben, dass beispielsweise
Jesus, nachdem er starb, wieder auferstanden ist oder dass er übers
Wasser gehen konnte? Man hört von Wunder und Magie, Prophezeiungen
und geschichtlichen Hinweisen. Aber mal objektiv betrachtet,
was weist wirklich darauf hin, dass so etwas geschehen
sein könnte?
Was Gläubige haben, ist ein altes Buch, geschrieben von unbekannten
Leuten unter Verwendung von Texten unbekannter Herkunft
und unbekannter Daten. Nichts ist nachweisbar und es gibt
keinerlei erhärtende Untermauerungen außerhalb des Buches.
Wenn das alles ist was man braucht um etwas zu glauben, ist es
meines Erachtens nicht weit her mit der menschlichen Intelligenz.
Sorry.
Würde ich behaupten, meine Schwester war Augenzeugin bei
der Wiederauferstehung ihrer Freundin, würde man mir das glauben?
Vermutlich nicht. Aber es wären Informationen aus zweiter
Hand?
Ich bin fest davon überzeugt, dass Niemand etwas von dem was
in der Bibel steht glauben würde, stünde es irgendwo anders.
Geht es nun darum, was die Menschen glauben wollen, oder ist es
ist mehr oder weniger die Frage, was sie glauben zu sehen, zu
hören oder zu fühlen? Das Gehirn ist ein sehr komplexes Organ,
welches Abläufe nicht immer korrekt verarbeitet. Auch Augen und
Ohren können sehr leicht getäuscht werden, bzw. deren Wahrnehmung.
Solcher Sinnestäuschungen bedienen sich zum Beispiel
Magier und Illusionisten. Man sieht David Copperfield wie von
Zauberhand über das Publikum hinwegschweben und obwohl man
insgeheim ‚weiß’, dass es sich hierbei lediglich um eine Illusion
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handelt, sieht man es trotzdem mit eigenen Augen. Aber niemand
glaubt wirklich, dass er fliegen kann.
Schlafentzug, Nahrungsentzug oder ähnliches können Halluzinationen
hervorrufen, sprich, man sieht nicht immer wirklich das, was
man meint oder glaubt zu sehen.
Ein anderes Beispiel wäre der Diamant. Es stellt die härteste
Verbindung dar, die bisher auf der Erde gefunden wurde und dennoch
besteht er zum größten Teil aus leerem Raum. Seine Atome
sind ziemlich weit voneinander entfernt angeordnet, aber trotzdem
meinen wir, etwas mit immenser Dichte zu betrachten.
Ich habe noch eine Anmerkung in punkto Wahrnehmung. Man
schaue sich mal einen Film an, welcher ziemlich beängstigend
inszeniert wurde, wie beispielsweise „Schatten der Wahrheit“ mit
Harrison Ford und Michelle Pfeiffer. Sieht man einen solchen Film
nun ohne Ton, wobei es reichen täte ihn ohne Musik und Soundeffekte
zu sehen, ist er auf einmal gar nicht mehr so beängstigend.
Die Assoziation mit Erfahrungen in Bezug auf Ängste wird nämlich
im Verstand kreiert.
Wenn jemand behauptet, er hätte einen Geist gesehen, dann
glaube ich ihm, dass er glaubt einen Geist gesehen zu haben. Wenn
jemand sagt er glaube an Gott, glaube ich ihm, dass er an Gott
glaubt. Das bedeutet aber nicht, dass ich auch an Gott glaube oder
dass es so etwas wie einen Gott wirklich gibt.
Wir etablieren in unserem Verstand einen Standard für Anhaltspunkte
und Nachweise. Jede Behauptung, basierend darauf,
welcher Art diese Behauptung entspricht, erfordert eine unterschiedliche
Menge an Nachweisen. Wie ich zuvor bereits ausgeführt
habe, ist es durchaus glaubhaft wenn man mir sagt, man halte
sich einen Hund als Haustier. Ich hätte keinen Grund anzunehmen,
dass das gelogen ist, zumal es für mein Weltbild und meine Zukunft
keinen Unterschied macht, ob es nun eine Lüge war oder
nicht. Anders sieht es allerdings aus, wenn man behaupten würde,
es gäbe so etwas wie einen Gott, der mich von Haus aus als ‚Sünder’
sieht und mich erlösen müsse, damit ich nach meinem Tod
keine ewigen Höllenqualen erleiden muss. Mit einer solchen Aussage
würde man eine völlig andere Art von Behauptung aufstellen,
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welche eine völlig andere Art oder zumindest eine größere Menge
an Nachweisen erfordert.
Was nicht verwundert, ist die Tatsache, dass spirituelle Erfahrungen
religiöser Menschen stets mit deren Glauben und deren Weltanschauung
koordiniert sind. Christen sehen zum Beispiel nicht
Buddha, ebenso wie Hindus nicht Jesus sehen. Sie sehen nur das,
was deren Glauben entspricht. All das ist somit äußerst wahrscheinlich
nur eine Methode des Gehirns, mit der jeweiligen Situation
und dem erzieherischen Hintergrund umzugehen, und persönliche
Beziehungen zu einem Gott oder zu jenem ‚Jesus’ sind ziemlich
sicher nur persönliche Beziehungen mit dem eigenen
Verstand.
Jeder muss lernen mit gewissen Situationen fertig zu werden. Ist
man verwirrt oder sogar verzweifelt, spricht im Grunde nichts
dagegen, sich mit einem Gebet an einen Gott zu wenden. Man
sollte sich selbst allerdings mal fragen: Wann hat es jemals wirklich
geholfen? Worin besteht der Unterschied zwischen „Oh Gott,
bitte hilf mir“ und „Oh lass mich kurz nachdenken“? Genau das ist
es, was man tut – denken/nachdenken. Zugegebenermaßen haben
Gebete beruhigende Effekte auf den Körper, aber es bestehen
keine Unterschiede zur Meditation, einem tiefen Atemzug oder
einer Entspannung. Lediglich das Konzept des Hinzufügens eines
übernatürlichen Wesens macht daraus eine Art Wunschdenken.
Wie oft hört man bei Fußballspielen, dass beide Seiten dafür beten,
Gott möge helfen, dass ihr Team gewinnt. Wie absurd ist das,
wenn man weiß, dass letztlich nur ein Team siegen kann. Wo
bleibt der Sinn in einem solchen Gebet?
Warum beten Menschen? Diese Frage hat mich schon des Öfteren
beschäftigt. Was bringt Menschen dazu, zu beten und was erhoffen
sie sich davon?
Nun, als jemand, der noch nie gebetet hat, kann ich nur versuchen,
aus Erzählungen anderer eine Antwort zu finden. Natürlich
kann man sich darüber lustig machen, indem man sagt, beten sei
einfach nur eine Methode, Selbstgespräche zu führen. Aber ich
denke, so einfach ist die Sache dann doch nicht. Es ist sehr leicht
- 25 -
nachzuvollziehen, dass Gebete nicht wirklich so wirken, wie sie
gemeint sind. Hinzu kommt, dass nicht alle Gebete dem gleichen
Schema zuzuordnen sind.
Wenn jemand zum Beispiel seinen Schlüssel verlegt hat und er
nun für einen Moment betet „Oh bitte Gott, ich werde zu spät
kommen. Hilf mir bitte, wenigstens dieses eine Mal, meinen
Schlüssel zu finden.“, ist das, was er in diesem Moment wirklich
tut, sich auf das Problem zu konzentrieren, sich zu beruhigen und
aktiv nach einer Antwort zu suchen. Es wäre für mich überhaupt
keine Überraschung, wenn er sich aufgrund dessen plötzlich an
den Platz erinnern würde, wo er den Schlüssel hingelegt hatte. Es
war nie wirklich so, dass er vergessen hat, wo der Schlüssel ist. Er
versetzte sich einfach nur selbst in eine Art Panik, die es ihm unmöglich
machte, darüber nachzudenken.
Anders sieht es aus, wenn jemand für andere betet, für seine
Lieben oder einen Freund, weil die bestimmte Person gerade an
einer Krankheit leidet oder eine schwere Zeit durchmacht. Mit
einem Gebet sucht derjenige in so einem Fall nach Trost in der
Unbehaglichkeit. Morgengebete, Abendgebete, Gebete vor dem
Essen oder ähnlichem, sind eher Traditions- bzw. Ritualgebete.
Was mich allerdings irgendwo stutzig macht, ist einerseits die
Annahme, Gott habe einen Heilsplan, in dem für jeden das
‚Schicksal’ vorbestimmt sein soll, man andererseits aber mit Gebeten
versucht, diesen Heilsplan zu beeinflussen, oder zumindest
glaubt, ihn beeinflussen zu können. Wenn es nun einen Gott geben
würde und er einen Heilsplan hätte, welchen er nicht ändert, warum
Gott dann überhaupt mit Gebeten belästigen? Man stelle sich
vor, ich würde einen Brief an die Regierung schreiben, in dem ich
darum bitte, sie mögen ihre Agenda zu meinen Gunsten ändern,
wäre das nicht ziemlich vermessen von mir?
Um verstehen zu können, warum Menschen beten, ist es wichtig
zu wissen, wer wir sind und woher wir kommen. Religiöse
Geschichte, Psychologie, Philosophie, Soziologie und Anthropologie
können die Hintergründe wohl eher aufdecken. Menschen
besitzen bestimmte Eigenschaften und haben unterschiedliche
Bedürfnisse. Wir sind des Öfteren selbstsüchtig, verwirrt, werden
beeinflusst und belehrt, sind manchmal unglaublich arm dran, was
- 26 -
die Fähigkeit angeht, Logik einzusetzen und das schlimmste, wir
werden von klein auf dazu getrimmt, Instruktionen von Autoritäten
Folge zu leisten. Als Kind vertrauen wir unseren Eltern, weil wir
davon ausgehen, dass sie die Welt kennen und uns vor Gefahren
schützen wollen. Was einerseits unbestreitbar positive Auswirkungen
hat, führt andererseits dazu, dass viele Dinge nicht mehr hinterfragt
werden und sich auf diese Weise als Traditionen manifestieren,
welche von Generation zu Generation weiter gegeben werden.
„Traditionsblindheit“ (Dieser Begriff wurde von Dr. Michael
Schmidt-Salomon geprägt und trifft den Nagel auf den Kopf) ist
nirgendwo so deutlich zu spüren wie im religiösen Glauben. Es
gibt eine Kurzgeschichte, welche die Entstehung von Traditionsblindheit
recht gut verdeutlicht. Woher die Analogie ursprünglich
stammt, weiß ich leider nicht. Ich fand sie auf einer englischsprachigen
Internetseite und habe sie sinngemäß ins Deutsche übersetzt.
„Beginne mit einem Käfig, der fünf Affen enthält. Hänge innerhalb
des Käfigs eine Banane an einer Schnur auf und platziere einen
Satz Stufen unter ihr. In Kürze wird ein Affe zu den Stufen gehen
und beginnen, sie in Richtung Banane zu erklimmen. Sobald er die
Stufen berührt, bespritze alle anderen Affen mit kaltem Wasser.
Nach einer Weile unternimmt ein anderer Affe ebenfalls einen
Versuch, mit dem gleichen Ergebnis - die anderen Affen werden
mit kaltem Wasser bespritzt. Recht schnell werden, sobald ein Affe
einen Versuch unternimmt die Stufen zu erreichen, die anderen
Affen versuchen, ihn daran zu hindern.
Jetzt stelle das kalte Wasser beiseite. Entferne einen Affen aus
dem Käfig und ersetze ihn durch einen Neuen. Der neue Affe sieht
die Banane und geht hin, um die Stufen hinaufzuklettern. Zu seinem
Entsetzen greifen die anderen Affen ihn an. Nach einem weiteren
Versuch weiß er, dass wenn er die Stufen berührt, er angegriffen
wird.
Als Nächstes entferne einen weiteren der ursprünglichen fünf
Affen und ersetze ihn durch einen Neuen. Der Neuling geht zu den
Stufen und wird angegriffen. Der vorherige Neuling schließt sich
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der Bestrafung mit Begeisterung an! Dann ersetze den dritten
Affen durch einen Neuen, dann den Vierten und schließlich den
Fünften. Jedes Mal wenn sich ein Neuling zu den Stufen begibt,
wird er angegriffen. Die meisten Affen, die ihn schlagen, haben
keine Ahnung, warum sie einst nicht die Erlaubnis gehabt haben,
die Stufen zu erklimmen, oder warum sie am Schlagen des neuesten
Affen teilnehmen. Nachdem alle ursprünglichen Affen ersetzt
worden sind, ist keiner der verbliebenen Affen überhaupt je mit
kaltem Wasser bespritzt worden. Trotzdem nähert sich keiner der
Affen je wieder den Stufen.
Warum nicht?
Nun, soweit sie wissen, wurde es hier schon immer so gemacht.“
Ich wünsche mir manchmal, es gäbe keinen Grund für mich, ein
Buch über Glaube und Religion zu schreiben. Es geht im Grunde
auch nicht um den einzelnen privaten Glauben, den viele haben.
Wenn jemand glaubt, dass es einen Gott gibt und er ihn in seinem
Leben spürt, dann habe ich kein mögliches Argument dagegen.
Das Einzige, was ich tun kann, ist zu sagen, ich fühle das
nicht oder ich fühle diesen Gott nicht. Selbst wenn ich so denken
und fühlen würde wie derjenige, könnte ich es nicht demonstrieren.
Wenn man nun daran glaubt, weil man meint, persönlichen
Kontakt zu haben, ist das eine Sache. Aber zu versuchen andere
von der ‚Wahrheit’ jenen Glaubens zu überzeugen ist so absurd, -
ich möchte es gern anhand eines Beispiels erläutern.
Ich behaupte folgendes (Konjunktiv): Es lebt ein kleiner weißbärtiger
Kobold in meiner Garage. Und ich weiß, dass es wahr ist,
weil ich ihn getroffen und mich mit ihm unterhalten habe. Noch
dazu ist er nicht unsichtbar, denn ich habe ihn berührt, seine Hand
geschüttelt, zusammen mit ihm zu Abend gegessen und er reparierte
meinen platten Reifen.
Nun wäre es jedoch absolut naiv von mir zu denken, dass wenn
ich anderen diese Geschichte erzähle, müssen die mir das glauben,
nur weil ich ihnen mein Wort gebe.
Es gibt für manche vielleicht einen guten Grund an einen Gott
zu glauben, aber wenn nicht mit etwas mehr aufgewartet wird als
dem eigenen Wort, basierend auf persönliche ‚Erfahrungen’, wird
- 28 -
es nichts bringen, andere vom Wahrheitsgehalt des ‚Erlebten’ zu
überzeugen. Wenn man erwartet, dass andere Menschen ihren
Glauben auf schwächere Hinweise stützen, als jene, die man einfordert,
um zu glauben, dann ist das einfältig und töricht.
Sollte da draußen wirklich so etwas wie ein Gott sein, welcher
manchen Leuten mehr Hinweise liefert als anderen, sie dann aber
alle gleichermaßen richtet, wäre er ein ungerechter Gott. Warum
bekommen manche Menschen eine Sonderbehandlung? Warum
bekommen nur einige wenige eine klare Offenbarung? Das sind
Fragen, welche die Gläubigen stellen müssen. Und man komme
mir bitte nicht von wegen man braucht Glauben um zu erkennen.
Erstens ist das Erpressung und zweitens wird so Wahn definiert,
frei nach dem Motto: Nimm erst Drogen, dann werden sich die
kunterbunten Geister zeigen.
Wenn man nun, aufgrund welcher Umstände auch immer, gläubig
geworden ist, wie kann man sicher sein, dass der eigene Glaube
der einzig ‚wahre’ ist? Nun, für den Fall, dass er es ist, würde das
nicht alle anderen Menschen auf der Erde zu ‚Sünder’ machen?
Aber andererseits, sollte der eigene Glaube nicht der einzig ‚wahre’
sein, dann wäre man selbst ein ‚Sünder’, nicht wahr? Und wenn
man nun ein ‚Ungläubiger’ ist, bedeutet das, dass man nach seinem
Tod einen ewigen Preis für seinen Unglauben zahlt, nur weil
man nicht geglaubt hat?
Nach Jahrhunderten des Glaubens, ist nie jemand mit unwiderlegbaren
Hinweisen, dass es da etwas über den Tod hinaus gibt,
aus dem ‚Jenseits’ zurückgekehrt, was bedeutet, dass unzählige
Menschen, die ihr Leben damit verbringen, sich auf ein nächstes
Leben vorzubereiten, höchstwahrscheinlich einfach nur ihre Zeit
verschwenden. Und selbst wenn man sich einfach einmal vorstellt,
dass der Tod nicht das Ende ist, obwohl niemand wirklich weiß, ob
es ein ‚Danach’ überhaupt gibt und was es beinhaltet, wie könnte
man sich auch nur im Entferntesten auf eine absolut unbekannte
Situation vorbereiten?
- 29 -
2.2 Entstehung und Ursachen
Der Glaube entstand aus Unwissenheit, Ignoranz und vor allem
Angst
Für ein besseres Verständnis, müssen wir erst einmal auf unsere
Herkunft zurückblicken. Wir stellen uns die Erde vor, wie es auf
ihr zu prähistorischen Zeiten aussah. Ein Platz, angehäuft mit unzähligen
Gefahren. Raubtiere, Erdbeben, Vulkane, Tornados, Meteoriten
u.v.m. Was für eine unfreundliche Umgebung zum Leben
das wohl gewesen sein mag. Selbst wenn man als Zeitreisender mit
all dem heutigen Wissen, das man hat, in jene antike Welt reisen
täte, muss man zugeben, dass man sich zu Tode ängstigen würde.
Ich weiß ich würde es tun. Jetzt versuche man sich einmal vorzustellen,
wie es für diese Menschen damals gewesen sein mag und
das ohne das ganze Wissen, aus dem in diesen Tagen Nutzen gezogen
wird. Ein Vulkanausbruch zerstört alles auf dessen Weg.
Der Himmel erbebt im Donner, während sich elektromagnetische
Entladungen in Form von hellen Blitzen mit rasendem Tempo der
Erde nähern. Tornados wirbeln Menschen und Tiere durch die
Lüfte. Die Erdkruste öffnet sich und verschlingt alles was sich in
der Nähe der Spalte befindet. Ziemlich beängstigend, nicht wahr?
Das ist es heute immer noch. Aber man bedenke, dass man absolut
keine Ahnung hat, warum diese Dinge geschehen.
Ob erdacht oder nachgewiesen, Fragen erfordern stets Antworten.
Der Mensch hatte schon immer Probleme damit, auf etwas
keine Antwort zu haben. Er konnte sich noch nie damit zufrieden
geben, sich etwas nicht erklären zu können. Noch immer wird die
Idee eines Gottes als Lückenfüller verwendet, anstatt zuzugeben,
die Antwort auf bestimmte Fragen nicht zu kennen. So ist es nicht
wirklich verwunderlich, dass die Menschen damals mächtige,
unnahbare und unsichtbare Wesen erschufen (um die sich im laufe
der Zeit immer mehr Mythen rankten), sowie Objekte und Ereignisse
personifizierten. Beispielsweise hatte der mächtige germanische
Himmelsgott „Thor“ Blitz und Donner in seiner Gewalt. Oder
man denke nur an den Gott des Waldes mit dem Namen „Pan“.
Befand man sich allein in einem dunklen Wald, bekam man sehr
- 30 -
schnell Angst (oft auch heute noch), woher der Ausdruck „Panik“
stammt.
Und nachts, wenn alles in Dunkelheit gehüllt war, herrschte der
‚Herr der Finsternis’. Er wurde erst am nächsten Morgen vom
Licht der Sonne vertrieben. Im Indogermanischen zum Beispiel
hieß die Sonne svê(n) [Aussprache: sun], woraus mit der Zeit, wie
bei vielen anderen Völkern auch, „Gottes Sonne (sun)“ – „Gottes
Sohn“ wurde, das „Licht der Welt“.
Der Mensch ist vermutlich (meines Wissens) das einzige Lebewesen
dieses Planeten, welches fähig ist, sich etwas vorzustellen. Die
Verwendung dieser Vorstellungskraft (Fantasie) verhalf ihm, sich
Antworten zu erschaffen, um sich bestimmte Dinge erklären zu
können. Aus solchen Legenden wurden im Laufe der Zeit Mythen,
Mythen wurden zu Traditionen und Traditionen wurden Autorität
verbunden mit Macht. Eine autoritäre Macht, die sich auf den
Glauben ihrer Anhänger stützt nennt sich Religion.
Der Mensch bildet sich ein, den anderen Tieren gegenüber
erhaben zu sein. Er liebt anscheinend diesen speziesistischen Gedanken,
sich als ‚Herrscher’ über die Erde zu sehen. Unser Hirn
soll weiter entwickelt sein, als das anderer Tiere? Warum vergießen
wir dann noch immer Unmengen an Blut, vielleicht mehr als
je zuvor, und warum noch immer im Namen desselben Gottes oder
derselben Götter sowie derselben alten Mythen? Haben wir denn
nichts gelernt?
Ein Großteil der Glaubensvorstellungen entstanden durch die
Angst vor dem Tod und dem Nichts bzw. der Leere danach. Die
diesseitige Welt gilt als Wertlos, denn man hofft auf ein besseres
‚Leben’, wenn man sein armseliges Dasein, eingesperrt in fleischlicher
Hülle, endlich hinter sich lässt. Irdisches, wie Sex, Leidenschaft,
Spaß, Verstand, Intelligenz, Wissenschaft, Kunst, Kultur
und natürlich in erster Linie das weibliche Geschlecht, wird verachtet,
gehasst oder als Sünde bezeichnet. Im Vergleich zu den
Einstellungen und Überzeugungen des Christentums ("Der Mensch
ist von Natur aus schlecht und muss errettet werden." oder "Menschen
werden bereits als 'Sünder' geboren.") zeigt sich recht deut-
31 -
lich die positive Grundhaltung des atheistischen Existenzialismus
gegenüber der eigenen Art.
Apropos Art, im gesamten Tierreich ist der Mensch die einzige
Tierart, die ihre eigenen Unzulänglichkeiten bewusst von sich
weist. All die anderen Tiere kennen keinen Gott oder Götter, keine
Religion, keine ‚Sünde’, keinen ‚Freien Willen’, kein ‚Himmel’
und ‚Hölle’ und kein ‚Gut’ und ‚Böse’, was die Schlussfolgerung
nahe legt, dass diese Dinge Nebenprodukte ausschließlich des
menschlichen Gehirns sind, um seine möchte-gern aber nicht vorhandene
‚Perfektion’ zu rechtfertigen. Transzendente Kreationen
als Ausdruck neurophysiologischer Substitution. Einem Gott werden
die Eigenschaften zugesprochen, die der Mensch selbst nicht
besitzt.
Alles was wir denken, fühlen, wahrnehmen und tun beruht auf
neuronalen Prozessen im Gehirn. Zu denen zählen auch Wahrnehmungen,
Erfahrungen und Überzeugungen in Bezug auf Glauben
und Religiosität. Während einfache Religiosität ein Kulturprodukt
ist, welches durch Prägung im Kindesalter, sowie durch gesellschaftliche,
soziale und psychische Einflüsse entsteht, kann
Mensch
unvollkommen
wenig wissend
wenig mächtig
örtlich gebunden
begrenzt
endlich
befleckt
auf Erden
sterblich
nichts
Gott
vollkommen
allwissend
allmächtig
omnipräsent
grenzenlos
unendlich
rein
im Himmel
unsterblich
alles
- 32 -
daraus schnell und nicht selten eine psychiatrische Krankheit
(Neurose, Psychose) werden.
Hat Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni genau das ausdrücken
wollen, als er Anfang des 16. Jahrhunderts „Die Erschaffung
Adams“ an die Decke der „Sixtinischen Kapelle“ malte?
Warum hat das Tuch vor dem Gott und die Putten schweben die
Form des menschlichen Gehirns?
- 33 -
Wenn Glaubensinhalte und -vorstellungen für Kritik nicht mehr
zugänglich sind, Widersprüche einfach ausgeblendet werden, die
Selbstreflexion gestört ist, Überzeugungen unbeirrt verfochten und
propagiert werden, obwohl sie keiner Prüfung standhalten, falsche
Vorstellungen trotz gegenteiliger Belege aufrechterhalten werden
und man sich selbst vielleicht obendrein nur noch als Marionette
Gottes betrachtet, dann handelt es sich um Wahn. Leider ist Wahn
unter Gläubigen keine Seltenheit und er beschränkt sich auch keineswegs
nur auf den Islam und auf Psycho-Sekten.
Letzten Endes sei noch einmal die Traditionsblindheit erwähnt.
Der französische Philosoph Michel Onfray schrieb dazu:
„…Der Aufbau ihrer Religion, das Führen von Debatten
und Kontroversen, die Aufforderung zum Nachdenken, Analysieren
und Kritisieren, die Gegenüberstellung widersprüchlicher
Aussagen, polemische Debatten ... All das
glänzt in der Glaubensgemeinschaft durch Abwesenheit.
Statt dessen triumphieren papageienhaftes Nachplappern
und die ständige Wiederkehr bereits bekannter Geschichten,
und zwar mit Hilfe einer gut geölten Mechanik, die
hervorragend repetieren und das Gedächtnis trainieren
kann, aber nicht mit Neuerungen aufwartet und keinerlei
Anforderungen an die Intelligenz stellt. Herunterleiern,
Aufsagen und Wiederholen hat mit Denken wenig zu tun.
Das Beten auch nicht. Bei weitem nicht!
Zum x-ten Mal einen Paulus-Text hören, aber nicht wissen,
wer Gregor von Nazianz ist; jedes Jahr die Weihnachtskrippe
aufstellen, aber keine Ahnung haben, worum es bei
der Grundsatzdiskussion des Arianismus oder auf dem Bilderstreit-
Konzil geht; am Abendmahl mit ungesäuertem
Brot teilnehmen, aber das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit
nicht kennen; die Christmette besuchen und nicht
wissen, dass die Kirche dieses Festdatum von der heidnischen
Wintersonnenwendfeier übernommen hat, wo eigentlich
der unbesiegbare Sonnengott gefeiert wurde; kirchlichen
Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen beiwohnen,
- 34 -
ohne jemals etwas von den Apokryphen des Alten und Neuen
Testaments gehört zu haben; sich mit Kruzifixen umgeben
und nicht darüber informiert sein, dass die Jesus zur
Last gelegte Tat eigentlich nicht mit Kreuzigung, sondern
mit Steinigung bestraft wurde: Die Zahl kultureller Lücken
zugunsten bestimmter Riten und Praktiken ist groß…“
2.3 Argumentationen
Als erstes muss festgehalten werden, dass es schwierig ist, einer
Überzeugung mit Argumenten gegenüberzutreten, zu der man
nicht durch Argumente gelangt ist. Religiöses ‚Denken’ beruht auf
‚höhere’ Vorstellungen, welche sich immun gegen irdische Argumentationen
zeigen. Widersprüchlichkeit wird somit unangreifbar
und religiöses ‚Denken’ glänzt durch Abwesenheit von Vernunft.
Ungeachtet dessen möchte ich an dieser Stelle mit Hilfe von
(irdischen) Argumenten auf verschiedene Sachverhalte eingehen.
Vielleicht dringt ja doch das ein oder andere Argument durch.
Sinn des Lebens
Jeden Tag, wenn ich nach der Arbeit Heim fahre, komme ich auf
der Rolltreppe der U-Bahnstation „Sendlinger Tor“ in München an
einem Aufkleber vorbei, auf dem steht: „Es gibt einen Gott – Denn
ohne ihn wäre das Leben sinnlos“. Es ist zwar nicht von belang,
aber die Schrift und die Farbgebung des Aufklebers ähnelt stark
den Slogan-Produkten der atheistischen Buskampagne des Jahres
2009.
Viele Menschen denken, dass das Leben ohne Gott sinnlos sei.
Nun, Leben an sich ist im Grunde sinnlos oder eigentlich besser
„sinnleer“. Wo läge denn der Sinn im Leben, wenn ich das mal
fragen darf? Außerdem sucht man ja wohl den Sinn des Lebens
nicht außerhalb des Lebens.
Die Erde benötigt kein Leben, um weiterhin ihre Bahnen um
die Sonne zu drehen. Bräuchte unser Sonnensystem Leben? Wohl
kaum. Und unsere Galaxie schon gar nicht, geschweige das Universum.
- 35 -
Leben verfolgt kein Ziel. Ein Sinn (oder auch Zweck) ist nur
gegeben, wenn er letztlich auf ein Ziel, das es zu erreichen gilt,
hinausläuft. Welchen Zweck sollte nun das Leben für diesen Planeten
haben? Richtig, keinen. Eine Bereicherung für das Universum
könnte man sich vielleicht eventuell vorstellen, na ja zumindest
eine Bereicherung für dieses Sonnensystem, aber dafür
bräuchte es einen außenstehenden Beobachter, der es gutheißen
würde und sich daran erfreuen könnte. Genau da kommt dieser
Gott ins Spiel. Gäbe es ihn nicht (was sehr wahrscheinlich ist),
wäre das Leben keine Bereicherung, erfülle somit keinen Zweck
und hätte deshalb keinen Sinn.
Hätte Leben an sich einen Sinn und somit ein Ziel, so wäre
jedes Leben bemüht, jenes Ziel zu erreichen, koste es was es wolle.
Eventuell gibt es ja deshalb unter den Gläubigen so viele Auseinandersetzungen,
weil jede Glaubensgemeinschaft ein anderes
Ziel verfolgt, um deren Sinn gerecht zu werden?
Individuelles Leben besitzt allerdings innerhalb des „Kreislaufs
des Lebens“ sehr wohl einen Sinn. Das eine Leben stellt die
Grundlage für ein anderes Leben dar (Nahrung). Einen weiteren
wenn auch etwas anderen Sinn (bzw. Zweck) findet man bei Symbiosen.
Aber auch hier nicht außerhalb des Lebenskreislaufs. Der
Mensch nimmt bei dem Ganzen eine Sonderstellung ein. Er ist
nicht mehr Teil der Nahrungskette (jedenfalls nicht auf einer
zweckmäßigen und nützlichen Basis) und er kann generell nicht
als symbiotische Lebensform bezeichnet werden. Auch die Überreste
menschlichen Lebens dienen, im Gegensatz zu anderen Tieren
die die Spitze einer regionalen Nahrungskette bilden, nicht
mehr als Nahrungsgrundlage für anderes Leben (Aasfresser, Pflanzen,
Insekten). Durch die nahezu vollständige Abkapselung des
Menschen von der Nahrungskette und damit aus dem großen
Kreislauf des Lebens, nahm er sich auch diesen Sinn. Trotz alledem
ist der Mensch ein Teil der Natur und wir dürfen uns nicht
gegen sie stellen. Schließlich sind wir auf die Natur mit ihrer Vielfalt
des Lebens angewiesen. Die Flora und Fauna der Erde braucht
uns Menschen nicht, wir aber brauchen sie. Hier können wir ansetzen,
unserem Leben einen Sinn zu geben, indem wir versuchen,
uns unsere Lebensgrundlage zu erhalten, anstatt sie auszubeuten
- 36 -
und zu zerstören. Weitergehend bleibt noch die individuelle Sinnstiftung
jedes einzelnen.
Das Nichtvorhandensein eines metaphysischen Sinns widerspricht
jedenfalls nicht der Bejahung des Lebens und dem Streben
nach Glück.
Das Problem des ‚Bösen’
Das Problem des ‚Bösen’ ist das Argument überhaupt - ein klassisches
Argument gegen die Existenz eines Gottes. Sogar religiöse
Menschen empfinden dies als sehr unbehaglich.
Also das Argument ist einfach. Gott ist dazu bestimmt, ein
Wesen zu sein, welches allwissend, allmächtig und gut ist. Wie
kommt es also, dass es Leiden und Schmerz in der Welt gibt?
Warum lässt Gott das zu? Wie jede anständige Person sollte Gott
es als schlecht erachten, käme so etwas vor, aber dennoch lässt er
es geschehen. Das wäre in Ordnung, wenn er nicht die Macht hätte,
es zu ändern. Aber er ist dazu bestimmt, allmächtig zu sein und
religiöse Menschen erzählen, dass er die ganze Zeit auf verschiedene
Art und Weise eingreift. Warum greift er aber nicht ein, um
den Tod eines Kindes oder die Folter eines Gefangenen zu verhindern?
Gläubige sagen dann gern: „Die Wege des Herrn sind unergründlich.“
(Damit lässt sich wohl so ziemlich alles erklären, was
Ungereimtheiten verursacht.) Wie kann man als Mensch mit
Verstand zu einem Gott beten, ihn um eine Gehaltserhöhung bitten
oder um Beistand in einer schwierigen Lebenssituation, mit dem
Wissen, dass dieser Gott sich nicht einmal um das Leben unschuldiger
Kinder schert? Sollte man wirklich vor einem solchen Wesen
Respekt haben?
Das Rätsel des Epikur:
Ist Gott willig böses zu verhindern, aber nicht fähig?
Dann ist er nicht allmächtig.
Ist Gott fähig, aber nicht willig?
Dann ist er boshaft.
Ist er beides, fähig und willig?
- 37 -
Woher kommt dann das Böse?
Ist er weder fähig noch willig?
Warum ihn dann Gott nennen?
Epicurus (341 - 270 BCE)
Man schließt daraus, dass die Kombination dieser zwei Merkmale
widersprüchlich ist. Er ist gut und allmächtig und allwissend natürlich
auch, weil er ja wissen muss, was vor sich geht. Im Grunde ist
es der Konflikt zwischen gut und allmächtig und die gleichzeitige
Existenz des Bösen.
Die Standardantwort, welche die Verteidiger des Glaubens
geben werden, ist: "Gott schuf den Menschen mit Freiem Willen."
An dieser Stelle hätte ich eine Frage: Warum tat er das, wissend,
die Ergebnisse wären entsetzlich? Bedeutet es, dass Gott an allem,
was auf Erden geschah, geschieht und geschehen wird, die Schuld
trägt? Als allmächtiges Wesen hätte er vorhersehen müssen, was
der Mensch mit einem ‚Freien Willen’ anstellt.
Jedoch wird nicht all das Leiden in der Welt durch das Handeln
des Menschen verursacht. Naturkatastrophen, Krankheit, Unfälle
etc. können ungeheures Leiden im Menschen verursachen. Wenn
ein unschuldiges Kind nun mit einer genetischen Krankheit geboren
wird, spielte kein Mensch wie auch immer eine Rolle bei ihrer
Entstehung. Krankheiten sind Bestandteil der Natur und Natur, so
wird uns gesagt, ist Gottes ‚Schöpfung’. Demzufolge schuf Gott
eine Welt, in der es unvermeidlich ist, dass es ungeheures Leiden
für einen Teil von völlig unschuldigen Menschen gäbe? Jaaa ich
weiß, der Mensch ist ja nicht unschuldig (Erbsünde), oder doch?
Steht in der Bibel nicht etwas von einem ‚Sohn Gottes’, der sich
selbst ‚geopfert’ hat, damit die Menschheit auf ewig von ihren
‚Sünden’ befreit wird? Wenn der Mensch nun doch noch mit
‚Sünde’ behaftet ist, ‚starb’ Gottes Sohn dann umsonst?
Wie dem auch sei, das gesamte Glaubenskonstrukt basiert auf
Konzepte, welche lediglich in menschlichen Vorstellungen existieren.
Es gibt nämlich kein ‚Böse’. Es gibt keinen ‚Freien Willen’,
kein ‚Himmel’ (im religiösen Sinn), keine ‚Hölle’ und es gibt auch
keine ‚Sünde’. Auf diese Konzepte, welche dem religiösen Glauben
entsprungen sind, gehe ich im Unterkapitel 5.2 „Ethik statt
- 38 -
Moral“ näher ein. Vorerst möchte ich nur den Evolutionsbiologen
Prof. Richard Dawkins zitieren.
„Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften,
mit denen man rechnet, wenn dahinter kein Plan, keine Absicht,
kein Gut oder Böse steht, nichts außer blinder,
erbarmungsloser Gleichgültigkeit.“
Pascalsche Wette
Dieses Argument gilt als allgemein fehlschlüssig, da es eine Menge
Täuschungen und Trugschlüsse verbirgt. Trotzdem wird es
noch immer vorgebracht.
Der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise
Pascal (1623-1662) argumentiert wie folgt:
„Angenommen es sei sicher, dass es Gott gibt oder ihn
nicht gibt, und dass es keinen Mittelweg gibt. Für welche
Seite werden wir uns entscheiden?...
…Lassen Sie uns ein Spiel spielen, bei dem es zu einer Entscheidung
für ‚Kopf oder Zahl‘ kommt. Mit Vernunft können
wir weder das eine noch das andere versichern; mit
Vernunft können wir weder das eine noch das andere ausschließen.
Verfallen Sie also nicht dem Irrtum, dass hierbei
eine richtige Wahl getroffen werden könnte, denn Sie wissen
nicht, ob Sie falsch liegen oder schlecht gewählt haben…
… Sowohl wer sich für ‚Kopf‘ entscheidet, als auch wer
sich für ‚Zahl‘ entscheidet, beide liegen falsch: Die Wahrheit
kann nicht durch eine Wette entschieden werden, aber
es muss gewettet werden. Es gibt keine Freiwilligkeit, Sie
müssen sich darauf einlassen. Wenn Sie nicht wetten, dass
es Gott gibt, müssen Sie wetten, dass es ihn nicht gibt. Wofür
entscheiden Sie sich? Wägen wir den Verlust dafür ab,
dass Sie sich dafür entschieden haben, dass es Gott gibt:
Wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlie-
39 -
ren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu zögern
darauf, dass es ihn gibt.“
Zusammengefasst lautet das Argument:
- Wenn Du an Gott glaubst, Gott aber nicht existiert, verlierst Du
auch nichts.
- Wenn Du aber nicht an Gott glaubst, und Gott aber existiert,
dann kommst Du in die Hölle.
- Daher wäre es dumm, nicht an Gott zu glauben.
Die erste Frage wäre: "Welcher Gott?" Es existieren unzählige
verschiedene Glaubensrichtungen mit mindestens ebenso vielen
verschiedenen Göttern.
- Was, wenn man an den falschen Gott glaubt, er daraufhin zornig
wird und einen dafür in die Hölle steckt?
- Was ist, wenn es einen Gott gibt, aber kein ‚Leben nach dem
Tod’?
- Was, wenn Gott diejenigen bestraft, die nur deshalb an ihn glauben,
um sich einen Platz im Himmel zu sichern?
- Was, wenn Gott nur diejenigen in den Himmel lässt, die ihr Leben
auf produktive und sinnerfüllte Weise geführt haben, unabhängig
davon, ob sie geglaubt haben?
- Was, wenn es keine Hölle gibt und Gott lässt alle in den Himmel?
- Was, wenn es keinen Himmel gibt und Gott schickt alle in die
Hölle?
- Was, wenn Gott all diejenigen bestraft, die keinen Gebrauch von
ihrer Vernunft gemacht haben und trotz mangelnder Hinweise
einfach blind geglaubt haben?
Diese Liste ließe sich immer weiter fortführen, aber ich denke das
Wesentliche wurde verstanden. Das wichtigste jedoch ist, dass
wenn es keinen Gott gibt, man bei der Wette, je nach Einsatz
(Menge der Gebete, Riten und ähnlichem), auf jeden Fall wertvolle
Lebenszeit verlöre.
- 40 -
Eine gute Invertierung der Pascalschen Wette (welche obendrein
schwerer zu widerlegen ist) fand ich auf
„www.dittmar-online.net“:
"Es ist besser, sein Leben so zu leben, als ob es keinen Gott gäbe
und zu versuchen, aus dieser Welt einen besseren Platz zum Leben
zu machen. Wenn es keinen Gott gibt, so hat man nichts verloren
und wird von den Menschen stets in guter Erinnerung behalten.
Wenn es doch einen gütigen Gott geben sollte, so wird er Dich
nach Deinen Taten beurteilen und nicht danach, ob Du an ihn
geglaubt hast oder nicht."
Anmerkung: Gäbe es tatsächlich so etwas wie einen Gott, würden
die Meinungen über dessen Natur nicht so weit auseinander gehen.
Und wären ‚heilige’ Schriften, wie die Bibel, wirklich das Wort
Gottes und somit ein Lehrbuch und Leitfaden für den Menschen,
dann sollte man meinen, ein Gott hätte genügend Intelligenz etwas
so zu lehren, das es unmissverständlich ist.
- 41 -
3 RELIGION
3.1 Einleitung und Prinzip
Aus psychoanalytischer Sicht gelang es dem österreichischen Arzt
und Neurologen Sigmund Freud (1856-1939) nachzuweisen, dass
Religion dazu führe, „den Wert des Lebens herabzudrücken und
das Bild der realen Welt wahnhaft zu entstellen, was die Einschüchterung
der Intelligenz zur Voraussetzung hat. Um diesen
Preis, durch gewaltsame Fixierung eines psychischen Infantilismus
und Einbeziehung in einem Massenwahn, gelingt es der Religion,
vielen Menschen die individuelle Neurose zu ersparen.“
Religionen halten nicht sonderlich viel von Intelligenz. Das wird
deutlich, wenn man den vehementen Kampf gegen wissenschaftliche
Erkenntnisse beobachtet, welcher in der Geschichte nicht selten
Scheiterhaufen und Bücherverbrennungen hervorrief. Die Fixierung
auf ein wie auch immer geartetes ‚Jenseits’ führt zur Verabscheuung
und Ablehnung des ‚Diesseits’. Unwissen, Unschuld,
Unterwerfung, Gehorsam und Naivität werden zu gern gesehenen
Tugenden, während alles Materielle und Immanente ‚verteufelt’
wird. Man redet dem Menschen Schuld ein, um ihm dann Erlösung
anzubieten. Eine solche Vorgehensweise ist vergleichbar mit einem
Arzt, der seinen Patienten mit einer Krankheit infiziert, um
ihm dann Medikamente verkaufen oder ein bestimmtes Wohlverhalten
einfordern zu können.
Religion ist, trotz der oft gegenteiligen Meinung ihrer Anhänger,
eine Ideologie. Sie unterscheidet sich nicht sehr von einer
politischen Ideologie, denn Religion betreibt unter Anderem auch
Politik. Zu ihren Hauptaufgaben zählt nicht die Erkenntnis der
Realität, sondern die Schaffung einer gedanklichen Geborgenheit,
gegenseitige Unterstützung und Koordinierung der Gedanken ihrer
Mitglieder. Die Aussage von Karl Marx (1818-1883), Religion „ist
das Opium des Volks“ war bereits zur damaligen Zeit eine Beschreibung,
welche den ‚Nagel auf den Kopf’ traf, auch wenn sie
leicht abgeändert und mit politischem Bezug einem Roman („Juliette“
von Marquis de Sades) entstammt. Obwohl ich die wenig
- 42 -
Später von Lenin (1870-1924) gemachte, abgeänderte Form („Die
Religion ist das Opium für das Volk“) noch zutreffender finde,
würde ich Religion eher als „Ein Placebo für das Volk“ bezeichnen.
Dies soll nicht heißen, dass es trotz desgleichen Effektes
ungefährlicher sei – ganz im Gegenteil. Eine physische Ursache
(Opium) hat eine physische Wirkung, welche psychische Nebenwirkungen
nach sich zieht (Abhängigkeit, Entzugserscheinungen).
Durch ein praktisches Absetzen der Droge kann ein Mensch von
beiden (auf Dauer gesundheitsschädigenden) Auswirkungen befreit
werden. Eine psychische Ursache (Placebo) hat in diesem Fall
eine psychische, noch dazu eingebildete, Wirkung (eingebildeter
Effekt) in Richtung Neurose oder Psychose. Allerdings ist eine
Befreiung von eben denselben gesundheitsschädigenden Auswirkungen
nicht ohne den Willen des Betroffenen möglich. Daher ist
ein Placebo speziell in diesem Falle (das Placebo ersetzt ja kein
heilendes Medikament, sondern eine Droge) weitaus gefährlicher.
„Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde.
Mit oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und schlimme
Menschen Schlimmes. Aber damit gute Menschen Schlimmes tun,
dafür bedarf es der Religion.“
Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg
in einer Rede in Washington, DC im April 1999
Religion bringt Menschen dazu Dinge zu tun, die sie unter ‚normalen’
Bedingungen nie tun würden. Die Auswirkungen, die sich wie
‚rote’ Fäden durch die Menschheitsgeschichte ziehen, sind hinlänglich
bekannt. Kreuzzüge, Sklaverei, Völkermord, Hexen- und
Ketzerverbrennungen, Inquisition, gewaltsame Missionierung,
Judenhass, Rassismus, Speziesismus und, und, und. Die Verfehlungen
und Verbrechen allein des Christentums boten dem Schriftsteller
und Kirchenkritiker Karlheinz Dreschner Stoff für ein
zehnbändiges Werk („Kriminalgeschichte des Christentums“ 9
Bände bisher erschienen) mit insgesamt über 5.000 Seiten.
Auch im Islam sieht es nicht anders aus. Man darf nicht vergessen,
dass der Islam knapp 500 Jahre jünger ist und der Grund,
warum er gegenwärtig mehr Angst schürt, als das Christentum,
liegt hauptsächlich daran, dass sich das Christentum zunehmend,
- 43 -
wenn auch widerwillig, der Säkularisierung anpasst (anpassen
muss) und die Welle der zweiten großen Aufklärung in der westlichen
Welt inzwischen eine starke Opposition darstellt. Hinzu
kommt, dass nach der Kooperation mit den Nationalsozialisten,
sich das Christentum politisch wohl eher etwas zurückhält.
Obwohl es zugegebenermaßen anerkannt werden muss, dass
auch manch Positives im Namen der Religionen getan wurde, ist
es jedoch gleichzeitig der traurigste und tragischste Aspekt, dass in
der gesamten Menschheitsgeschichte mehr Männer, Frauen und
Kinder aufgrund ihres Glaubens abgeschlachtet, gefoltert und zum
Schweigen gebracht wurden, als in allen nicht religiösen Kriegen
inklusive beider Weltkriege. Noch trauriger ist es, dass selbst im
heutigen so fortschrittlichen Zeitalter, das Morden, die Folter sowie
die Unterdrückung der so genannten ‚Grundrechte’ der Menschen,
ungemindert fortgeführt werden. Wurde uns nicht gelehrt,
Religion hätte irgendetwas mit Liebe zu tun?
Religionen wollen nicht, dass deren Anhänger denken. Vielmehr
erwarten sie blinden Glauben an uralte, unbewiesene Geschichten,
ebenso wie blinden Gehorsam nach deren moralischen Vorgaben,
Richtlinien und Gesetzen. Deren Anhänger sind gut zu vergleichen
mit Soldaten, welche ‚nur’ Befehle befolgen, ohne jegliche Erlaubnis
über die daraus resultierenden Folgen ihrer Handlungen für
sich selbst und für andere nachzudenken. Gesteuert wie Marionetten
gestalten sie entgegen jeder Vernunft ihr Leben, als Sklaven
ihrer Überzeugung, Vorstellungskraft und ihres Stolzes, zusätzlich
geblendet von Propaganda des dazugehörigen Machtapparates.
Ist es nicht seltsam, dass religiöse wie militärische Führer oftmals
gleiche Forderungen an ihre Untergebenen haben? Nicht
selten geschieht die Durchführung jener Forderungen (in beiden
Lagern) im Namen Gottes.
In Ländern, in denen Religion weitläufig praktiziert wird, gibt
es mehr soziale Probleme, mehr Verbrechen und mehr Gewalt, als
in vielen anderen Staaten, in denen Religion weniger verbreitet ist.
Somit ist die Gleichung, eine religiöse Person ist stets eine gute
Person, sehr weit entfernt von der Wahrheit und durch das studieren
der Fakten der Geschichte, erkennt man, dass es niemals auf
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diese Weise funktionierte. Selbstverständlich gibt es, wie bei allen
Regeln, Ausnahmen, jedoch sind gute Menschen eine verschwindend
geringe Minderheit im Vergleich zu all dem ‚Bösen’, was im
Namen der Religion und vor allem im Namen Gottes begangen
wird. Selbst heutzutage bekämpfen und töten sich Araber und
Juden gegenseitig im nahen Osten, ebenso wie Hindus und Moslems
in Indien und Pakistan.
Nachdem Religion der Pulsgeber für all dies ist,
kann sie unmöglich die Lösung dafür sein.
Im Jahre 1952 verfasste der Mathematiker und Philosoph Bertrand
Russell (1872-1970) für das „Illustrated“ Magazin eine Analogie,
welche auf parodierende Weise Aufzeigt, wie ein Glaubensgerüst
aufgebaut ist, das als Fundament einer Religion herhält. Diese
Analogie, obwohl nie veröffentlicht, ist allgemein bekannt unter
dem Namen „Russell’s Teekanne“ (engl. „Russell's teapot“) und
erklärt in wenigen Sätzen das Prinzip der monotheistischen Religionsinhalte.
„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und
Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer
elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte niemand
meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde
vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei,
um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt
werden zu können. Aber wenn ich nun weiterhin auf
dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung
zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung
menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen,
ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern
die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde,
dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in
die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann
würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von
Exzentrizität werden. Es würde dem Zweifler, in einem aufgeklärten
Zeitalter, die Aufmerksamkeit eines Psychiaters
- 45 -
oder, in einem früheren Zeitalter, die Aufmerksamkeit eines
Inquisitors einbringen.“
Obendrein soll diese Analogie zeigen, dass es nicht die Aufgabe
des Religionskritikers sei, den Wahrheitsgehalt der Religionsinhalte
zu widerlegen, sondern dass der Religion vielmehr die Aufgabe
zuteil wird, ihre Behauptungen stichhaltig zu beweisen.
Prof. Richard Dawkins verwendete Russell’s Analogie in seinem
2003 erschienenen Buch "A Devil's Chaplain" als ein Argument
gegen eine wie er es bezeichnet „Agnostische Aussöhnung“, eine
Politik der intellektuellen Beschwichtigung, welche philosophische
Bereiche zulässt, die sich ausschließlich mit religiösen Fragen
beschäftigen. Man kann das Gegenteil nicht beweisen und Wissenschaft
hat keine Chance die Existenz oder Nichtexistenz eines
Gottes zu ermitteln. Demzufolge, da es eine Frage des individuellen
Geschmacks ist, verdienen Glauben und Nichtglauben an ein
‚Höheres Wesen’ den gleichen Respekt und die gleiche Aufmerksamkeit,
so die Ansicht des agnostischen Schlichters. Dawkins
präsentiert die Teekanne als eine Reductio ad absurdum dieser
Haltung. Wenn der Agnostizismus für den Glauben und den
Nichtglauben an ein ‚Höheres Wesen’ den gleichen Respekt einfordert,
dann muss er diesen Respekt auch dem Glauben an eine
orbitale Teekanne zugestehen, zumal die Existenz einer solchen
Teekanne wissenschaftlich ebenso plausibel ist, wie die Existenz
eines ‚Höheren Wesens’. Gegen ein solches Dilemma hilft in der
Wissenschaft nur noch das Sparsamkeitsprinzip „Ockham’s Rasiermesser“
(näher erklärt im Kapitel 6 Wissenschaft).
Davon abgesehen haben der Glaube und der Nichtglaube keineswegs
den gleichen Respekt verdient. Folgende Zeilen aus
Dawkins Buch verdeutlichen, worin im Wesentlichen der Unterschied
besteht.
„Der Grund, wieso organisierte Religion offene Feindschaft
verdient, ist, dass Religion, anders als der Glaube an
Russells Teekanne, mächtig, einflussreich und steuerbefreit
ist und systematisch an Kinder weitergegeben wird, die zu
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jung sind, sich dagegen zu wehren. Kinder sind nicht gezwungen,
ihre prägenden Jahre damit zu verbringen, verrückte
Bücher über Teekannen auswendig zu lernen. Staatlich
subventionierte Schulen schließen keine Kinder vom
Unterricht aus, deren Eltern das falsche Aussehen der Teekanne
bevorzugen. Teekannen-Gläubige steinigen keine
Teekannen-Ungläubigen, Teekannen-Renegaten, Teekannen-
Ketzer und Teekannen-Lästerer zu Tode. Mütter warnen
ihre Söhne nicht davor, Teekannen-Schicksen zu heiraten,
deren Eltern an drei Teekannen statt an eine glauben.
Leute, die ihre Milch zuerst einschenken, schießen nicht jenen,
die den Tee zuerst einschenken, die Kniescheiben
weg.“
Das Konzept von Russell's Teekanne wurde in humoristische,
mehr explizite Religionsparodieformen, wie das "Unsichtbare
rosafarbene Einhorn", „Der Drache in meiner Garage“ oder das
"Fliegende Spaghettimonster", extrapoliert.
Anmerkung: Jede einzelne der weltweit über tausend verschiedenen
Religionen behauptet die eine Wahrheit zu repräsentieren. Das
beinhaltet selbstverständlich, dass all die anderen es demzufolge
nicht tun. Das lässt nur einen Schluss zu: Religionen können nicht
alle wahr sein, aber sie können alle irren.
3.2 Herkunft und Zusammenhänge
Viele wissen vielleicht, dass die Grundlagen und Wurzeln der
christlichen Religion im Judentum zu finden sind. Um das Christentum
korrekt verstehen zu können, muss man also erst einmal
dessen Herkunft, das Judentum, genauer betrachten. Allerdings ist
es auch damit nicht getan. Mit dem jüdischen Glauben entwickelte
sich zwar die ‚erste monotheistische’ Religion, obwohl anfangs
noch polytheistisch, jedoch ist ein wirklich genaues Verständnis
nur denjenigen vorbehalten, die noch viel weiter in die Antike
zurückgehen - zurück zu den Grundbausteinen moderner Religio-
47 -
nen, zurück zu den Entstehungen der biblischen Geschichten und
Mythen, weit, weit zurück in das antike Ägypten.
Ägyptische Erzählungen, Legenden und Ereignisse bildeten die
Grundlagen des Alten und des Neuen Testaments. Symbole und
namentliche Zusammenhänge sind sogar bis heute nachvollziehbar.
„Ra“ (manchmal auch Ré) ist der Name des altägyptischen Sonnengottes.
Bereits im frühen Zeitalter der Antike erkannten die
Menschen die Kraft der Sonne. Man sah, dass sie die Grundlage
allen Lebens ist. Deshalb wurde die Sonne schnell zum meist verehrten
Himmelskörper der Vorzeit.
Die Gottheit Ra war Erhalter und Beherrscher der geschaffenen
Welt. Man verschmolz ihn später mit „Amen“ (Der Verborgene,
auch Amon, Amoun, Amun), dem Wind- und Fruchtbarkeitsgott
Thebens. Aus beiden wurde der Hauptgott Ägyptens, der Sonnengott
„Amen-Ra“ (heutzutage meist auch „Amun-Ra“ oder „Amun-
Re“ geschrieben). [Das Gebetsabschlusswort „Amen“ hat hier
seinen Ursprung.]
Wie in allen Religionen, weichen auch im alten Ägypten die
Mythen voneinander ab. So wurde zum Beispiel der ägyptische
Himmelsgott „Horus“ (Der Ferne) auch mit „Amen-Ra“ in Verbindung
gebracht. Einer Legende zufolge war Horus der Sohn von
„Isis“ und „Osiris“, während eine andere erzählt, dass Isis von
einem göttlichen Feuer geschwängert wurde, um einen göttlichen
Sohn zur Welt zu bringen (Eine Geschichte, die sich in vielen
heidnischen Religionen, die auf Sonnenkult basierten, wieder findet
- letztlich die Figur Jesus).
Geraume Zeit später kapselte sich aus dem aramäischen Volk,
dessen Verbreitung sich vom heutigen Syrien, Libanon und Palästina,
Teilen Mesopotamiens bis nach Tunesien (Karthago) erstreckte,
eine Volksgruppe ab, die wie die Aramäer nicht die Sonne,
sondern den Planeten Saturn als Gott verehrten. Diese Menschen
bezeichneten sich selbst als Juden. Hebräisch, die so genannte
Sprache der Juden, ist genau genommen ein leicht abweichender
Dialekt des Aramäischen und war somit zu jener Zeit
keine eigene Sprache. Das Wort Gott, ebenso wie der Name des
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Planeten Saturn, heißen im Aramäischen und somit auch im Hebräischen
„EL“ (oder auch Elohim). Auch die arabische Bezeichnung
für Gott, „Allah“ (Ilah), stammt daher. Elohim ist eine Mehrzahlform
und bedeutet Götter, nicht Gott. In Tanach- und Bibelübersetzungen
findet man jedoch die Singularform vor, was das
Judentum als Monotheismus erscheinen ließ. Es handelt sich allerdings
auch nicht um einen ‚richtigen’ Polytheismus, da mit der
Bezeichnung Elohim eine Trinität (Dreifaltigkeit) gemeint ist.
Während die von den Christen übernommene Trinität „Gott“,
„Gottes Sohn“ und „Heiliger Geist“ beinhaltet, bezieht sich die
Trinität im Judentum auf „ISis“ (Gottesmutter), „Amen-RA“ (Gottessohn)
und „ELohim“ (Gottesvater bzw. Gottesgeist/
Gott/Götter). Auf diese Weise entstand die Bezeichnung „ISRA-
EL“. Es heißt nicht „Der Gott Israels“, sondern „Die Götter Is-
Ra-El“.
Dreieinigkeit gab es bereits im Sonnenkult des alten Ägypten
(Osiris, Isis, Horus) und in anderen Urreligionen, was sich noch
heute in Vielem widerspiegelt. Da wäre nur mal als Beispiel die
häufige Verwendung des Dreiecks für Pyramiden, Spitzen von
Obelisken oder in doppelter bzw. mehrfacher Ausführung im hinduistischen
„Shatkona“-Symbol (heute bekannt als Davidstern).
Die Juden übernahmen ebenso viele ihrer noch heutzutage
verwendeten Bezeichnungen, Symbole und Geschichten von anderen
Kulturen und Völkern. So vor Allem natürlich aus der ägyptischen
Mythologie, denn im 2. Jahrtausend BCE befand sich Kanaan
(Wiege des Judentums, welches annähernd dasselbe Gebiet
umfasst, wie das heutige Israel) für mehrere Jahrhunderte größtenteils
unter ägyptischer Herrschaft, was deren Einfluss auf die jüdische
Kultur und Religion erklärt.
Beim Christentum, dem Islam und den Latter-day Saints (Mormonen)
ist es nicht viel anders. Alle hängen irgendwie zusammen,
bekämpfen sich trotzdem mehr oder weniger gegenseitig und beschimpfen
einander als ‚Ungläubige’.
Anmerkung: Die wohl widersprüchlichste Auseinandersetzung war
aus meiner Sicht der Kampf um Rassengleichheit und Gleichbe-
49 -
rechtigung im Amerika der 1950er und 1960er Jahre. Afroamerikanische
Christen unter der Führung des Baptistenpastors Martin
Luther King, Jr. (1929-1968) im friedlichen ‚Kampf’ gegen die
soziale Unterdrückung ihrer von Vorurteilen und Hass zerfressenen
weißen Glaubens’brüder’. Gewaltfreie Protestmärsche und
Gebete gegen Bombenanschläge und brennende Kreuze. Christen
gegen Christen, denn es wird herausgepickt, wer Christ sein darf.
Auch ist nicht jeder ein ‚wahrer’ Christ, der sich als solches
bezeichnet. Christen, die Schlimmes tun bzw. getan haben, sind
nach Aussagen der anderen Christen keine ‚wahren’ Christen
(Mitglieder des Ku-Klux-Klans, Adolf Hitler und seine Gefolgschaft,
Serienmörder etc.). Atheisten allerdings, die schlimmes tun
oder taten, wie Josef Stalin, Kim Jong-il oder Mao Tse-tung, sind
in den Augen der Christen ‚wahre’ Atheisten. Man macht sich halt
die Welt, wie sie einem gefällt.
3.3 ‚Heilige’ Schriften
„Da eine ‚Heilige’ Schrift angeblich alles enthält,
verhindern diejenigen, die sie für heilig erachten,
alles, was nicht in ihr steht.“
Was für das Judentum die „Tora“, für den Islam der „Qur’an“
(Koran), ist für das Christentum die „Bibel“. Unabhängig davon,
dass etwas Materielles wie ein Buch wohl kaum ‚Heilig’ sein
kann, sind alle drei Bücher voller Widersprüche, die vehement
bestritten werden. Nach belieben wird aus diesen Büchern das
herausgepickt, was gerade benötigt wird. Es lassen sich vermeintlich
altruistische Handlungen erklären, während man gleichermaßen
Rechtfertigungen für einen Krieg in ihnen finden kann. Sie
enthalten Aufrufe und Maxime für Gleichheit und Gerechtigkeit,
strotzen an anderen Stellen aber nur so vor Rassismus, Frauenhass
und Menschenverachtung.
Niemand, und ich wiederhole, niemand würde mir erlauben
seinen Kindern aus einem der Bücher vorzulesen, wenn ich mir die
Stellen aussuchen dürfte.
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Im Jahre 2009 gab der Bundespräsident Horst Köhler während
einer Festveranstaltung zu verstehen, dass die Bibel das „wichtigste
Buch“ sei und er empfiehlt, Kindern daraus vorzulesen. Dies
wäre angeblich ein „wertvoller Beitrag für die frühkindliche Erziehung“.
Hier der Beweis:
„Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat,
der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und
wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört, dann
sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und
die Torversammlung des Ortes führen und zu den Ältesten der
Stadt sagen: Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er
hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker.
Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben.
Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen.“
5.Mose 21,18-21
Oder wie wäre es hiermit:
„In der Not der Belagerung, wenn dein Feind dich einschnürt,
musst du die Frucht deines eigenen Leibes essen, das Fleisch deiner
Söhne und Töchter, die dir der Herr, dein Gott, geschenkt hat.
Der weichlichste und verwöhnteste Mann blickt dann bei dir missgünstig
auf seinen Bruder, auf die Frau, mit der er schläft, und auf
den Rest der Kinder, die er noch übrig gelassen hat, und möchte
niemandem etwas abgeben von dem Fleisch seiner Kinder, das er
isst, weil ihm keine Nahrung mehr übrig geblieben ist in der Not
der Belagerung, wenn dein Feind dich in allen deinen Städten
einschnürt. Die weichlichste und verwöhnteste Frau, die noch nie
versucht hat, ihren Fuß auf die Erde zu setzen vor lauter Verwöhntheit
und Verweichlichung, blickt missgünstig auf den Mann,
mit dem sie schläft, auf ihren Sohn und ihre Tochter, auf die
Nachgeburt, die zwischen ihren Beinen hervorkommt, und auf die
Kinder, die sie noch gebären wird; denn sie will sie heimlich essen,
weil sie nichts mehr hat in der Not der Belagerung, wenn dein
Feind dich in allen deinen Städten einschnürt. Wenn du nicht auf
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alle Worte dieser Weisung, die in dieser Urkunde aufgezeichnet
sind, achtest und sie hältst, aus Furcht vor diesem herrlichen und
Furcht erregenden Namen, vor Jahwe, deinem Gott, wird der Herr
die Schläge, die er dir und deinen Nachkommen versetzt, über
alles Gewohnte hinaus steigern zu gewaltigen und hartnäckigen
Schlägen, zu schlimmen und hartnäckigen Krankheiten.“
5.Mose 28,53-59
Die Bibel ist voll mit solchen Texten. Nun wie wäre es dann mit
dem Qur’an?
„Der Lohn derer, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten
und Unordnung im Lande zu erregen trachten, wäre der,
dass sie getötet oder gekreuzigt werden sollten oder dass ihnen
Hände und Füße abgeschlagen werden sollten für den Ungehorsam
oder dass sie aus dem Lande vertrieben würden. Das würde
eine Schmach für sie sein in dieser Welt; und im Jenseits wird
ihnen schwere Strafe;…“
Sure 5:33
…oder…
„Kämpfet wider diejenigen aus dem Volk der Schrift, die nicht an
Allah und an den Jüngsten Tag glauben und die nicht als unerlaubt
erachten, was Allah und Sein Gesandter als unerlaubt erklärt
haben, und die nicht dem wahren Bekenntnis folgen, bis sie
aus freien Stücken den Tribut entrichten und ihre Unterwerfung
anerkennen.“
Sure 9:29
…oder…
„Und wenn die verbotenen Monate verflossen sind, dann tötet die
Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie,
und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt. Bereuen sie aber und
verrichten das Gebet und zahlen die Zakat, dann gebt ihnen den
Weg frei. Wahrlich, Allah ist allverzeihend, barmherzig.“
Sure 9:5
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Wie man sieht, enthält der Qur’an dasselbe in ‚Grün’. Obwohl
jedes der 3 Bücher angeblich für Frieden und Nächstenliebe steht,
beweisen deren Inhalte eindeutig das Gegenteil. Der Islam ist
keineswegs eine friedliche Religion, auch wenn sich viele seiner
Anhänger friedlich verhalten. Das Christentum ist auch nicht per
se Judenfreundlich, nur weil sich die meisten Christen seit 1945
gegen Antisemitismus (s. Anmerkung) aussprechen. Die Verehrung
(Straßennamen, Städtebezeichnungen) Martin Luthers, einer
der größten Antisemiten…
„Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes
Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage,
Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa,
wir haben rechte Teufel an ihnen.“
„Wenn ich könnte, wo würde ich ihn (den Juden) niederstrecken
und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren.“
„Jawohl, sie halten uns (Christen) in unserem eigenen Land gefangen,
sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut
gewinnen, sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen
und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm
erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen
durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an,
das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein … sind also
unsere Herren, wir ihre Knechte.“
„Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke
und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte,
das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich
Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu
ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien. – Zum anderen, das
man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn
sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben
Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die
Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem
Lande. – Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und
Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung
geleret wird. – Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und
- 53 -
leben verbiete, hinfurt zu leren. – Zum fünften, das man die Jüden
das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe. – Zum sechsten,
das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft
und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren. –
Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in
die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse
sie jr brot verdienen im schweis der nasen.“
Aus Martin Luthers Pamphlet "Von den Jüden und ihren Lügen" 1543
…und der Antijudaismus im Neuen Testament…
„Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich
geworden, die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren
Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden. Diese
haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch
uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller
Menschen; sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu
verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie
unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist
schon über sie gekommen.“
1.Thessalonicher 2,14-16
…sprechen da eine ganz andere Sprache.
Anmerkung: Die Verwendung des Begriffes Antisemitismus für
Judenfeindlichkeit ist in sofern falsch, als dass er allgemeine
Feindlichkeit gegenüber semitischen Völkern suggeriert. Nachdem
aber Ägypter, Araber, Syrer u.v.m. auch zu den Semiten gehören
und viele von ihnen judenfeindlich eingestellt sind, ist es ein Widerspruch
in sich.
Neben Poesie, ein paar guten moralischen Ansätzen, aber vor Allem
Beschreibungen von Gewaltexzessen, Genozide, Hinweisen
auf Inzucht, Sklaverei und Menschenhandel, sowie teilweise wirklich
perversen Geschichten, sind die Bücher ebenfalls bestückt mit
Vorschriften, Forderungen und Verbote.
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Die Bibel
Es ist unglaublich, dass ein Buch wie die Bibel als Lebensleitfaden
angepriesen wird. Abgesehen davon, dass das meiste darin mit
Sicherheit durch das „Stille Post“-Prinzip bereits Verfälschungen
aufwies, bevor es niedergeschrieben wurde, wird sie noch immer
korrigiert, um sie weniger grausam erscheinen zu lassen.
Ein Beispiel von vielen:
"… Und er schlug des Volks fünfzigtausend und siebzig Mann. …"
Lutherbibel von 1912; 1. Samuel 6,19
"… Und der HERR schlug unter ihnen siebzig Mann. …"
Lutherbibel von 1984; 1. Samuel 6,19
Das nächste, was beim Lesen der Bibel vielleicht nicht so unmittelbar
auffällt, ist die Todesstatistik eines angeblich ‚gütigen’ und
‚barmherzigen’ Gottes. Eine genaue Zahl ist nicht zu ermitteln, da
niemand weiß, wie viele Menschen bei der ‚Sintflut“ und in Sodom
und Gomorrha umkamen. Auch wird die genaue Anzahl der
von Gott getöteten erstgeborenen Ägypter nicht spezifiziert. Bei
einigen Erzählungen fehlt zudem die Angabe von Opfern, die es
unter den Frauen und Kindern gab.
Die folgende Auflistung enthält ausschließlich Opfer, die von
Gott selbst getötet, oder deren Tötung von ihm direkt in Auftrag
gegeben wurden.
[Anzahl: Opfer, Grund (Quelle)]
* 1: Lots Weib, weil sie Rücksicht zeigte (1. Moses 19:26)
* 1: Er, weil er böse vor dem Herrn war (1. Moses 38:7)
* 1: Onan, wegen eines Coitus interruptus (1. Moses 38:10)
* 3.000: Israeliten, wegen zuchtlosen Tanzens um ein Goldenes Kalb (2. Moses
32:27-28)
* 2: Nadab und Abihu, wegen eines Räucheropfers, das dem Herrn fremd war (3.
Moses 10:1-3, 4. Moses 3:4, 4. Moses 26:61)
* 1: Ein ägyptisch-israelitisches Mischlingskind, wegen Lästern des Namens des
Herrn (3. Moses 24:10-23)
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* 1: Ein Mann, wegen Holzsammelns am Sabbat (4. Moses 15:32-36)
* X + 12: Korach, Datans und Abiram nebst Angehörigen, wegen Aufruhrs gegen
Moses (4. Moses 16:27)
* 250: Gemeindevorsteher, wegen Aufruhrs gegen Moses (4. Moses 16:35, 4.
Moses 26:10)
* 14.700: Mitglieder der israelitischen Gemeinde, wegen Aufruhrs gegen Moses (4.
Moses 17:14)
* 24.000: Israeliten, wegen Hurerei mit Moabiterinnen (4. Moses 25:9)
* 6: Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba (die fünf Könige der Midianiter) sowie Bileam,
wegen Rachsucht der Israeliten (4. Moses 31:8)
* 32: Midianiter, als Opfergabe an den Herrn (4. Moses 31:40)
* X + 5: Achan nebst Söhnen und Töchtern, wegen Diebstahls (Josua 7:10-12,
Josua 7:24-26)
* 12.000: Die gesamte Bevölkerung der Stadt Ai, weil der Herr es einfach so wollte
(Josua 8:1-25)
* 10.000: Kanaaniter und Perisiter, weil der Herr es einfach so wollte (Richter 1:4)
* 1: Eglon, den König der Moabiter, wegen Wankelmütigkeit des Herrn (Richter
3:12-22)
* 10.000: Moabiter, weil der Herr es so wollte (Richter 3:8-29)
* 120.000: Midianiter, weil der Herr es so wollte (Richter 7:2-22, Richter 8:10)
* 30: Bewohner der Stadt Aschkelon, weil der Geist des Herrn über Simson geriet
(Richter 14:19)
* 1.000: Philister, weil der Geist des Herrn über Simson geriet (Richter 15:14-15)
* 3.000: Philister, indem Simson Gott um Unterstützung bei seinem Selbmordattentat
bat (Richter 16::27-30)
* 50.100: Benjaminiter, weil sie die Bewohner der Stadt Gibea nicht den Israeliten
übergeben wollten (Richter 20:35-37, Richter 20:44-46)
* 70: Jechonjas Söhne, weil sie sich nicht mit den Leuten von Bet-Schemesch
freuten, als sie die Lade des Herrn sahen (1. Samuel 6:19)
* 20: Philister, weil der Herr sie in die Hände Israels gegeben hat (1. Samuel 14:12)
* 1: Agag (König von Amalek), nachdem er von Saul nur lebendig gefangenen
genommen worden, was dem Herrn nicht genügte (1. Samuel 15:32-33)
* 1: Nabal, weil er David gegenüber nicht genügend Respekt zollte (1. Samuel
25:38)
* 1: Usa, weil er die Lade vor dem Entgleiten rettete (2. Samuel 6:6-7, 1. Chronik
13:9-10)
* 1: Der Sohn Davids und Batseba, weil David Batsebas Ehemann einem Todeskommando
zuteilte (2. Samuel 12:14-18)
* 7: Söhne und Enkel Sauls, weil Saul die Gibeoniter getötet hat (2. Samuel 21:6-9)
* 70.000: Israeliten und Judäer, weil David - auf Geheiss des Herrn - eine Volkszählung
durchführen ließ (2. Samuel 24:15, 1. Chronik 21:14)
* 1: Ein Prophet, weil er die Lüge eines anderen Propheten glaubte (1. Könige 13:1-
26)
* 100.000: Aramäer, weil ... der Herr, wie so häufig, auf Seiten der Israeliten war
(1. Könige 20:28-29)
* 27.000: Amamäer, weil ... der Herr immer noch auf Seiten der Israeliten war (1.
Könige 20:30)
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* 1: Ein Mann, weil er einen Prophetenjünger nicht (!) schlug (1. Könige 20:35-36)
* 1: Ahasja, weil er den falschen Gott nach seinen Genesungsaussichten befragen
wollte (2. Könige1:2-4, 2. Könige 1:17)
* 102: Soldaten, weil Elia nicht zum König kommen will (2. Könige 1:9-12)
* 42: Knaben, weil sie Elias Kahlkopf verspotteten (2. Könige 2:23-24)
* 1: Isebel, weil ...? (2. Könige 9:33-37)
* X + 2: Gastarbeiter, weil sie den Herrn nicht fürchteten (2. Könige 17:25-26)
* 185.000: Schlafende assyrische Soldate, weil der Herr die Stadt Jerusalem beschirmte
(2. Könige 19:35, 2. Chronik 32:21, Jesaja 37:36)
* 1: Saul, weil er eine Wahrsagerin befragte (1. Chronik 10:13-14)
* 500.000: Israeliten, weil ... der Herr diesmal nicht auf Seiten der Israeliten war (2.
Chronik 13:15-17)
* 1: Jerobeam, weil der Herr ihn schlagen wollte (2. Chronik 13:20)
* 1.000.000: Kuschiter, weil ... der Herr wieder auf Seiten der Israeliten war (2.
Chronik 14:9-14)
* 1: Joram, weil er den Herrn verlassen hatte (2. Chronik 21:14-19)
* 1: Hesekiels Frau, weil der Herr wollte, dass Hesekiel keine Zeichen von Trauer
zeigt (Hesekiel 24:15-18)
Das ergibt eine Gesamtopferzahl von 2.130.398.
Wenn man dagegenhält, dass der ach so ‚böse’ Satan laut der Bibel
gerade einmal 10 Menschen tötete, und das mit Gottes Einverständnis,
dann fragt man sich, warum nicht Satan in den Kirchen
verehrt wird. Aber mit Logik darf man an diese Sache wohl nicht
herangehen.
Die Qumran-Rollen
Die Schriftrollen vom Toten Meer, auch Qumran-Rollen, beinhalten
bekannte Biblische Schriften des Alten Testaments bzw. des
Tanach. Die Rollen wurden 1947 in Qumran bzw. Khirbet Qumran,
einer Ruinenstätte im Westjordanland am Toten Meer entdeckt
und stammen vermutlich aus der Zeit zwischen 300 BCE
und 70 CE.
Nachdem der Staat Israel, sowie viele andere Institutionen mit
autoritärem Machtpotential, diese Rollen unter Beschlag nahmen
um eine vollständige Publizierung zu vermeiden, begann eine sich
ausbreitende Kontroverse, die nach wie vor ihre Kreise zieht. Es
gibt Befürchtungen, dass das Examinieren dieser Rollen Fragen
aufwerfen könnte, welche die Authentizität der jüdisch-
57 -
christlichen Religionen anzweifeln würde. Israel will nicht, dass
jemand die Rollen liest. Vielmehr wird ein sozusagen vorlesen
angestrebt. Die Weltakademische Gemeinde möchte sie aber selbst
lesen und studieren. Um das zu verhindern, beruft sich Israel auf
das Urheberrecht.
Das wirft eine interessante Frage auf. Wessen Urheberrecht?
Das Urheberrecht derer, die diese Rollen verfasst haben und mittlerweile
seit vielen, vielen Jahren tot sind? Oder wenn es die Worte
Gottes sind, dann liegt das Urheberrecht bei Gott. Sollten es
allerdings wirklich Gottes Worte sein, dann gehören sie selbstverständlich
jedem und es gäbe die Frage des Urheberrechtes gar
nicht erst. Wenn dem so ist, warum unterdrückt die israelische
Regierung die Veröffentlichung?
John Strugnell, für viele Jahre Chefbearbeiter der Qumran-
Rollen, beauftragt von der Israelischen Regierung, die Rollen zu
studieren, wandte sich nach forensischen Analysen und detaillierten
Studien mit einem Interview an die Öffentlichkeit, worauf hin
er im jüdischen Tagesblatt „Ha’aretz“ zitiert wurde.
„…Judentum ist eine ‚schreckliche’ Religion
mit ‚rassistischer’ Herkunft,
welche prinzipiell überhaupt nicht existieren sollte.“
Zitat aus dem TIME Magazin vom 14.01.1991
Nachdem die Aussage Strugnells für ziemlich viel Aufregung
sorgte, wurde vereint von mehreren Stellen dafür gesorgt, ihn als
psychisch instabil darzustellen. Man denunzierte ihn erst als Antisemit
und Rassist. Nachdem das nicht half, stellte man ihn schließlich
als Alkoholiker hin.
Bis heute sind nur Teile der gefundenen Schriften veröffentlicht
worden, während der Rest nach wie vor unter Verschluss gehalten
wird.
Nag-Hammadi-Schriften
Bei den Nag-Hammadi-Schriften handelt es sich um eine Sammlung
frühchristlicher Texte, die 1945 in der Nähe des Ortes Nag
- 58 -
Hammadi in Ägypten gefunden wurden. Zu der Sammlung gehören
unter anderem das „Thomasevangelium“, das „Protevangelium
des Jakobus“ und das „Apokryphon des Johannes“.
Weitere Informationen sind unter der Internetadresse
http://de.wikipedia.org/wiki/Nag-Hammadi-Schriften
erhältlich.
Apokryphen
Apokryphen sind Texte, die im Entstehungsprozess der Bibel nicht
in deren Kanon aufgenommen wurden.
Weitere Informationen unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen
- 59 -
4 ASTRO-THEOLOGIE ?
"Würdest du in Erwägung ziehen, dein Geschäft mit Hilfe eines
Instruktionshandbuchs, welches vor etwa 3000 - 4000 Jahren
geschrieben und mehr als 20-mal anders übersetzt wurde, bevor
du es gelesen hast, zu führen?"
Ohne zu hinterfragen, richten viele Menschen ihr Leben nach
einem solchen Handbuch aus. Eine Sammlung von Geschichten,
genannt „Die Bibel“.
Seit ich vor mehr als 15 Jahren das erste Mal die Bibel las, ließ
mich ein Gedanke nicht mehr los. Was, wenn ihre Geschichten
mehr oder weniger genauso entstanden sind, wie die Geschichten
der griechischen, ägyptischen, babylonischen, keltischen, germanischen,
sumerischen und römischen Mythologie? Was, wenn keine
der Geschichten einen Bezug zu tatsächlich geschehenen geschichtlichen
Ereignissen aufweist? Ich denke keiner glaubt heute
noch, dass es das Göttergeschlecht der Titanen wirklich gab. Vermutlich
geht ebenso niemand davon aus, dass Danaë, Tochter des
Akrisios, dem König von Argos, vom Göttervater Zeus in Form
eines Goldregens geschwängert worden ist, um als Jungfrau ihren
Sohn Perseus zu gebären. Es lässt sich ja noch nicht einmal klären,
ob es mythische Gestalten wie König Arthus oder den keltischen
‚Zauberer’ Merlin wirklich gegeben hat, obwohl diese Geschichte
wesentlich jünger ist.
Viele heidnische Religionen basieren auf Sonnen- und Sternenkult.
Festlichkeiten, wie die Saturnalien, Samhain, das Julfest und
viele andere, beziehen sich auf astronomische Ereignisse, wie den
Sonnenwenden oder Tagundnachtgleichen. Seit nunmehr fast 15
Jahren recherchiere ich, was die biblischen Geschichten angeht, in
dieser Richtung und entdeckte so manch erstaunliche Parallelen.
Klar könnte man mir vorwerfen, diese Zusammenhänge zu suchen
und wenn man lange genug sucht und tief genug gräbt, findet man
sie auch. Ich will nicht behaupten, im Laufe meiner Recherchen
meine Objektivität zur Gänze aufrechterhalten zu haben. Dennoch
erachte ich es als ein wichtiges Puzzleteil, moderne Religionen
- 60 -
auch einmal aus dieser Warte zu betrachten und sie diesbezüglich
mal unter die Lupe zu nehmen. Als ich vor einigen Jahren auf die
nicht unumstrittene Dokumentation „Zeitgeist“ stieß, befürchtete
ich in das Lager der Verschwörungstheoretiker abgedriftet zu sein,
da viele darin enthaltenen Behauptungen sich mit meinen ‚Erkenntnissen’
deckten. Der Film Zeitgeist (ich beziehe mich ausschließlich
auf den 1. Teil des 1.Films) enthält leider zu viele Fehler.
Ich war aufgrund dessen lange verunsichert, inwiefern ich
meine Recherchen in diesem Buch hier mit einfließen lassen solle,
entschied mich letzten Endes doch dafür.
Eine Einschränkung möchte ich jedoch noch vorweg nehmen.
Die Ausführungen in diesem Kapitel sind lediglich Thesen und
auch nur ein paar Beispiele. Es gibt unter dem Gesichtspunkt der
Astro-Theologie weitaus mehr Zusammenhänge, allerdings dauern
bei vielen davon meine Recherchen noch an. Inwiefern die hier
präsentierten Zusammenhänge auf Tatsachen beruhen, das entzieht
sich meiner Kenntnis. Einem jeden Leser steht es frei zu entscheiden,
was davon nachvollziehbar oder glaubhaft ist. Der Inhalt
dieses Kapitels präsentiert keine unanfechtbare Wahrheit, obwohl
die Formulierungen es vielleicht vermuten lassen.
4.1 Astro-Theologie im Alten Testament
Entgegen aller Annahmen, die Bibel sei ein Leitfaden, das Leben
zu bestreiten oder eine Art Enzyklopädie über die Entstehung der
Welt, ist sie nicht mehr und nicht weniger ein Sammelsurium uralter,
teils astronomischer und astrologischer Geschichten, gepaart
mit Poesie, welches sich aufgrund vielfacher, größtenteils falscher
Übersetzungen, zum unverständlichsten, literarischen Werk der
Menschheit entwickelte.
Das Alte sowie auch das Neue Testament repräsentieren Geschichten
des Tierkreises (Zodiak), oder besser ausgedrückt, ‚Astro-
Theologie’.
Die von Menschen entwickelte Zeitrechnung basiert auf astronomische
Zyklen. Eine vollständige Drehung der Erde um ihre
eigene Achse stellt einen „Tag“ dar, die Umrundung der Sonne
durch die Erde ein „Jahr“, der vollständige Umlauf des Frühlings-
61 -
punktes um die Ekliptik infolge der Präzession ein „Platonisches
Jahr“ und der Umlauf unseres Sonnensystems um das Zentrum der
Milchstraße ein „Galaktisches Jahr“. Wie ein Erdenjahr, so ist
auch das Platonische Jahr in zwölf Abschnitte unterteilt. Jeder
dieser "Platonischen Monate" wird auch als „Haus“, „Haus Gottes“
oder „Königreich Gottes“ bezeichnet, welche die Sonne auf
ihrer scheinbaren Bahn durchwandert.
„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.“
Johannes 14,2
Ein Satz, der falsch übersetzt wurde. Er lautet richtig: „In meines
Vaters (himmlischem) Wohnsitz sind viele Häuser.“ Nun, das sind
sie. Zwölf um genau zu sein. Es handelt sind um die zwölf Häuser
des Tierkreises (Die Zahl 12 hat in vielen Religionen eine besondere
Bedeutung: „Gottes Sonne“ hat 12 Helfer nach ägyptischer
Mythologie und Jesus Christus 12 Jünger im Neuen Testament).
„Knüpfst du die Bande des Siebengestirns (Plejaden im Sternbild
Stier) oder löst du des Orions Fesseln? Führst du heraus des Tierkreises
Sterne zur richtigen Zeit, lenkst du die Löwin samt ihren
Jungen?“
Hiob 38,31-32
Der Tierkreis beschreibt den kompletten Präzessionszyklus. Viele
antike Völker, darunter auch die alten Ägypter, erkannten, dass
sich etwa alle 2150 Jahre der Sonnenaufgang am Morgen der
Frühlings- Tagundnachtgleiche in einem anderen Tierkreiszeichen
ereignet. Das ‚Eiern’ der Erdachse durch ihre periodische Lageänderung
ist hierfür die Ursache. Im Gegensatz zum Erdenjahr werden
Sternbilder in umgekehrter Reihenfolge durchwandert. Die
Zeit eines Präzessionszyklus beträgt ca. 26.000 Jahre.
Im alten Testament wird nun von Moses berichtet, welcher sich
vom Berg Sinai herab begibt, nachdem er die Gesetze (Zehn Gebote)
von Gott erhielt. Er fand die gesamte Nation vor, wie sie ein
goldenes Kalb verehrten.
- 62 -
Das goldene Kalb war eine
Personifizierung der Sonne,
demzufolge auch das
„goldene…“, eine poetische
Umschreibung für Pracht. Ein
Kalb wegen des astrologischen
Sternzeichens „Stier“ (Taurus),
in dessen Zeitalter bzw.
Zeitepoche sich die Menschen
zu jener Zeit befanden. Das
Zeitalter des Stiers dauerte von
4460 BCE – 1840 BCE. Taurus
oder „Die heilige Kuh“ wurde ebenso in Indien verehrt, fand Erwähnung
im „Gilgamesch-Epos“ und war eine der Erscheinungsformen
des „Zeus“ und der „Hathor“.
Moses repräsentierte jedoch das neue Zeitalter, das Zeitalter des
„Widder“ (Sternbild Aries). Dieses dauerte von 1840 BCE – 70
BCE. Er war erzürnt, dass sein Volk das Symbol der alten Zeit
verehrte. Er zerschlug den Götzen und die Steintafeln mit den
Geboten, woraufhin laut Überlieferung im Anschluss auch noch
3.000 Menschen erschlagen wurden.
„Als nun Mose sah, dass das Volk zuchtlos geworden war - denn
Aaron hatte sie zuchtlos werden lassen zum Gespött ihrer Widersacher
-, trat er in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer
dem HERRN angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levi.
Und Moses sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels:
„Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch
das Lager hin und her von einem Tor zum andern und erschlage
seinen Bruder, Freund und Nächsten“. Die Söhne Levi taten, wie
ihnen Mose gesagt hatte; und es fielen an dem Tage vom Volk
dreitausend Mann.“
Exodus 32,25-28
Das Blasen des Widderhorns „Schofar“ gehört nach wie vor zu
den Traditionen im jüdischen Glauben. Allgemein wird angenommen,
dieser Brauch erinnere an die Opferung eines Widders, nach-
63 -
dem die Opferung Isaaks durch Gott verhindert wurde. Ich zweifle
jedoch stark an diesem Zusammenhang.
Die Sage vom „Goldenen Vlies“ aus der griechischen Mythologie
fällt ebenfalls in diese Epoche. Dabei handelt es sich um das
Fell des goldenen Widders Chrysomeles, der fliegen und sprechen
konnte. Übrigens bedeutet Vlies übersetzt Schaffell.
Anmerkung: Die Statue der Sphinx in Ägypten zeigt das Konzept
der Zeitepochen des Tierkreises ganz deutlich. Sie hat den Kopf
einer Frau und den Rumpf eines Löwen. Diese merkwürdige Darstellung
symbolisiert den Tierkreis (Zodiak). Die antiken Kalender
begannen das Jahr nicht im Januar wie wir heute, sondern mit dem
Erscheinen bestimmter Sternenkonstellationen. Im alten Ägypten
und bei den Sumerern war es das Sternbild der Jungfrau. Er beginnt
also mit der „Jungfrau“ (Virgo) und endet mit dem „Löwen“
(Leo).
4.2 Astro-Theologie im Neuen Testament
"Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
Matthäus 28,20
Das vorstehende Zitat aus der Bibel ist, wie vieles andere auch,
falsch übersetzt worden. Das Wort „Welt“ lautet richtig übersetzt
„Zeitalter“, „Zeitepoche“ oder „Ära“. Sehr häufig wird in der Bibel
vom Ende der Welt* erzählt, aber es geht stets um das Ende
des Zeitalters, genau genommen um das Zeitalter der „Fische“
(Pisces). Die Bibel gibt deutlich die symbolische Bewegung durch
drei Zeitepochen wieder, während eine vierte angedeutet wird.
* Das Konzept vom „Ende der Welt“ ist eine fatale Fehlinterpretation
aufgrund falscher Übersetzungen, welche wieder einmal die
Menschen fehlleitet und damit großen Schaden anrichtet.
- 64 -
Die Zeitalter des „Stiers“ und des „Widders“ im Alten Testament,
das Zeitalter der „Fische“, in welchem wir uns derzeitig befinden,
sowie das des „Wassermanns“ (Aquarius), in das wir circa im
Jahre 2600** eintreten werden. Die heidnisch astrologische Symbolik
für das Sonnenkönigreich in der Ära der Fische ist allgegenwärtig.
Jesus’ vermeintlicher Geburtstag, stellt den Start dieser Ära
dar.
Auf vielen Autos befindet sich der Jesus-Fisch (ICHTHYS),
obwohl die meisten Besitzer dieser Fahrzeuge nicht wissen, wofür
dieser Fisch wirklich steht. Die Kirchenoberhäupter scheinen diese
Zusammenhänge zu kennen, denn es gibt nicht wenige Kirchen, an
denen astrologische Symbole vom wahren Fundament des christlichen
Glaubens zeugen.
** Laut astronomischer Berechnung dauert der derzeitige platonische
Monat, also das Zeitalter der Fische, 2670 Jahre. Begonnen
hat er 70 BCE. Eine Tabelle mit Daten des Platonischen Jahres
findet sich auf der deutschen Wikipedia-Seite:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zyklus_der_Präzession
Das astrologische Symbol für das Sternbild der Fische (Pisces) in
buntem Kirchenfensterglas.
- 65 -
Dieses Fensterstück gehört zur Kathedrale „Notre-Dame de Paris“
"Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch
begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus in
das er hineingeht."
Lukas 22,10
Dieser Absatz ist wohl mit Abstand eine der deutlichsten Bezugnahmen
auf Astro-Theologie. Der Mensch, der einen Wasserkrug
trägt, ist Aquarius der Wassermann. Er repräsentiert die Ära nach
den Fischen. Gottes Sonne (Gottes Sohn) wird sich demnach in das
„Haus des Wassermanns“ begeben.
„Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben
werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem
wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt
(Ära).“
Matthäus 12,32
„…die Ernte ist das Ende der Welt (Ära); die Arbeiter bei dieser
Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im
Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt (Ära)
sein…“
Matthäus 13,39-40
- 66 -
Ich könnte noch mindestens 20 weitere Bibelstellen zitieren. All
diese Textpassagen waren Anstoß für die „New Age“ - Movement
(Neues Zeitalter – Bewegung), die „Age of Aquarius“ (Zeitalter
des Wassermanns).
Anmerkung: Auch die vermeintliche ‚Weltuntergangs-Prophezeiung’
der Maya ist wenn überhaupt, dann lediglich eine Anspielung
auf das Ende einer Zeitepoche. Das Datum, um das es dabei
geht (sofern es korrekt errechnet wurde), der 21. Dezember 2012,
ist der Tag der Wintersonnenwende in diesem Jahr. Die Maya
betrieben, wie viele andere Vorzeitkulturen auch, einen Sonnenkult.
Das „Haab“, auf das sich die Berechnungen stützen, ist ein
Sonnenkalender mit einer Interkalation von fünf Tagen. Die ‚Vorhersagen’
eines Weltuntergangs oder eines Aufstiegs der Menschheit
in eine neue spirituelle Dimension, stammen aus den Lagern
der Esoteriker und sind daher alles andere als ernst zu nehmen.
4.3 Sonnenkult Jesus
Es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, dass sich die monotheistischen
Religionen aus heidnischen Religionen entwickelt
haben. Dass die meisten heidnischen Religionen, vielleicht sogar
alle, auf Sonnen- bzw. Sternenkult basieren, ist hinreichend belegt.
Ich frage mich, warum allgemein die Vermutung verworfen wird,
dass eine Religion wie das Christentum in dessen Urform, nicht
auch auf einen Sonnenkult basiere.
Historisch ist die Hauptfigur des Christentums, Jesus Christus
(Jesus von Nazareth), in keinster Weise erwiesen. Es existieren
Schriften, Papyrusrollen, Statuen, Artefakte und ähnliches von
Philosophen, Mathematikern, Gelehrten, Astronomen und Künstlern,
die lange vor diesem Jesus gelebt haben. Die Existenz einfacher
Menschen, welche zugegebener Maßen Außergewöhnliches
leisteten, lässt sich belegen, die Existenz eines vermeintlich Wunder
vollbringenden Gottessohns hingegen nicht? Das ergibt irgendwie
überhaupt keinen Sinn. Die so genannten ‚Heiligen’
Schriften sind als Beweis unzulässig, denn wenn der Inhalt eines
Buches, welcher außerhalb des Buches nicht untermauert wird
- 67 -
(außer in dessen Nachfolgebänden), als Nachweis ausreichend
wäre, dann würden die drei Bücher der „Herr der Ringe“ -Reihe
die Existenz von Hobbits, Orks und Mittelerde beweisen, würden
Comics die Existenz von Superman, Spiderman und Co. beweisen,
und dann würden Nieder’schriften’ des alten Ägypten in Form von
Hieroglyphen die Existenz von Humanoiden mit Falkenköpfen
beweisen.
Auch ein Stück Stoff (Grabtuch von Turin) kann nicht als
Nachweis gelten, denn man müsste dafür die DNA-Kodierung von
Jesus kennen, um es durch eine entsprechende Analyse eindeutig
zuordnen zu können. Was bleibt, sind nur Behauptungen und
Vermutungen.
Die Möglichkeit, dass Jesus ein Mensch war, welcher wirklich
gelebt hat, ist sehr groß. Jesus ist die lateinische Übersetzung des
aramäischen Namens "Jeshua", welcher laut allgemeiner Annahme
zur damaligen Zeit sehr verbreitet war. Der Name Christus kommt
aus dem Griechischen und ist eigentlich ein Titel. Ausgesprochen
wird es Christós und bedeutet so viel wie "Der Gesalbte". Es mag
demnach einen Menschen namens Jesus gegeben haben, der diesen
Ehrentitel trug, aber sicherlich ist er weder aufgrund einer unbefleckten
Empfängnis zur Welt gekommen, noch war er jemand, der
über das Wasser gehen konnte. Bestenfalls ist es vorstellbar, dass
er mit magischen Tricks a la Houdini durch die Lande zog.
Ich schließe daraus, dass das Christentum lediglich auf einer
fixen Idee aufgebaut ist und überlasse die Spekulationen um Jesus’
Existenz an dieser Stelle den Theologen mit ihren teils absurden
Argumenten.
Bei den Christen geht es nicht um historische Tatsachen, sondern
um die Bedeutung hinter den Deutungen. Damit man die in der
Bibel enthaltenen Geschichten zumindest ansatzweise begreifen
kann, ist eine Denkweise in allegorischen und symbolischen Kategorien
von Nöten. Die Leser der Bibel sollen bekehrt werden.
Dafür spielt eine geschichtliche Übereinstimmung keine Rolle,
solange der Text Wirkung zeigt. Wenn über Jahrhunderte hinweg
immer wieder die gleichen Geschichten erzählt werden, und seien
sie auch noch so fern der Wirklichkeit, so hält man deren Inhalte
- 68 -
schließlich für wahr. Sobald diese ‚Wahrheiten’ allgemein anerkannt
werden, gelten sie bereits als erwiesen.
Die Parallelen der Figur „Jesus Christus“ zu heidnischen Figuren,
wie „Mithra“ (Persien), „Odin“ (Skandinavien), „Dionysos“ (Griechenland),
„Prometheus“ (Kaukasien) und zahlreichen anderen,
sind beachtlich. Bei all den so genannten ‚Messiasse’ bzw. ‚Rettern
der Welt’ handelt es sich um Personifizierungen der Sonne,
die die Welt von der nächtlichen Dunkelheit ‚errettet’.
Die Figur Jesus wird auch als „Das Licht der Welt“ bezeichnet.
Nun, was ist wohl das Licht der Welt? Richtig, die Sonne, Gottes
Sonne, Gottes Sohn.
„Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand.“
Johannes 19,5
Die Dornenkrone beschreibt nichts anderes als die Korona der
Sonne oder besser, die Sonnenstrahlen. Und das Purpurgewand
spricht meines Erachtens für sich selbst.
Das ‚Wunder’ vom übers Wasser gehen. Na ja, ich denke jeder
weiß, wie es aussieht, wenn die Sonne über dem Meer auf- bzw.
untergeht und ihr Spiegelbild dabei auf den Wellen ‚tanzt’. Wie
bereits erwähnt, enthält die Bibel auch Poesie und dies hier ist ein
gutes Beispiel für eine Metapher.
Jesus lässt Blinde wieder sehen? Nachts ist der Mensch aufgrund
der Dunkelheit ‚blind’. Die Sonne bereitet dem im Morgengrauen
ein Ende. Jesus heilt Kranke? Nun, die Wärme der Sonne
vermag Krankheiten (zumindest gewisse) zu heilen. Jesus hatte 12
Jünger? Ja, die Sonne und ihre 12 Sternbilder des Tierkreises.
Durch diese Sternbilder verläuft die Ekliptik, die scheinbare Bahn
der Sonne um die Erde (inzwischen sind es 13, da durch die Verlagerung
der Ekliptik das Sternbild „Schlangenträger“ dazukam).
Das ewige Leben, was sich viele Christen versprechen, bezieht
sich auf die Erde, nicht auf ein individuelles Leben. Solange die
Sonne Tag für Tag aufgeht, geht das Leben auf der Erde weiter.
Da alles Leben auf Erden von der Sonne Energie in irgendeiner
- 69 -
Form absorbiert (nicht jedes Lebewesen absorbiert direkt, manche
sind von anderen abhängig, die dies tun), gibt sie ihr ‚Leben’. Sie
gibt ihr ‚Leben’, sprich sie ‚opfert’ sich, für ‚uns’.
„Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen…“
Offenbahrung 1,7
Natürlich gibt es nur ein „Licht der Welt“, welches mit den Wolken
kommt und jeder sehen kann - die Sonne.
Hat Leonardo da Vinci mit seinem Bild „Das letzte Abendmahl“
(1495-1498) den Bezug zum Tierkreis ausdrücken wollen?
Jesus nachfolgen? Auch hier, man folge der Sonne nach. Sei aktiv
bei Tage und schlafe des Nachts.
Es gibt so viele Textpassagen, die ich jetzt hier anführen könnte,
aber ich denke, dass ich es deutlich gemacht habe, worauf ich
hinaus wollte.
Auf zwei Dinge möchte ich gerne noch kurz eingehen, weil gerade
bei denen die Fehler im Film „Zeitgeist“ zu finden sind. Es geht
- 70 -
um die Geburts- und um die Todessequenz des christlichen Gottessohns.
Die Geburtssequenz
Er wurde am 25. Dezember* von der Jungfrau Maria in Bethlehem
geboren. Ein Stern im Osten kündigte seine Geburt an, welchem
drei heilige Könige folgten.
Der Stern im Osten ist „Sirius“ (auch Hundsstern) im Sternbild
„Großer Hund“. Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel, welcher
mit den drei Sternen des Gürtels des Orion „Alnitak“, „Alnilam“
und „Mintaka“ eine gedachte Linie bildet. Diese drei Sterne
werden heute, wie zur damaligen Zeit, „Die drei Könige“ genannt.
Stets zur Zeit der Wintersonnenwende, also einschließlich der
Tage zwischen dem 21. und 25. Dezember, zeigt diese gedachte
Linie (am Abend, sobald der Stern “Sirius“ aufgegangen ist) ziemlich
exakt auf den Punkt am Horizont (Abb. Seite 72), an dem am
darauf folgenden Tag die Sonne aufgehen wird (Abb. Seite 73).
Daher ‚folgen’ die drei Sterne dem Stern im Osten, um diesen Ort
zu finden, den Ort der Geburt der Sonne, „Gottes Sonne“ bzw.
„Gottes Sohn“, sprich Jesus Christus. Nur wenige Stunden nachdem
das Sternbild Jungfrau an diesem Ort aufgeht, folgt ihm die
Sonne. Daher die ‚Jungfrauengeburt’. Diese Konstellation trifft auf
das Gebiet Kanaans ebenso zu, wie auf Mittel- und Südeuropa, ja
sogar auf Indien. Unterscheiden tut sich nur die gradgenaue Himmelsrichtung,
wo die Sonne aufgeht und die Uhrzeit, wann sie
aufgeht. Ebenso spielt das Jahr keine wirkliche Rolle, da auch hier
die Abweichungen minimal sind.
* Die vermeintliche Geburt Christi wurde von der Kirche erst im
3.-4. Jahrhundert auf den 25. Dezember gelegt. Dieser Tag wurde
bereits lange vor den Christen von heidnischen Völkern gefeiert.
Die Verwendung von Lichterketten und Kerzen an einem Baum
entstammen beispielsweise dem Julfest. Theaterspiele waren ebenfalls
Bestandteil der heidnischen Feierlichkeiten, dem wurden
christliche Krippenspiele entgegengesetzt. Weihnachten war also
das Ergebnis christlicher Herrschaftssicherung.
- 71 -
Bei der Jungfrau handelt es sich um Sternbild “Jungfrau“ (Virgo).
Wie zuvor bereits erwähnt, werden die Sternbilder des Tierkreises
auch „Häuser“ genannt. Das Sternbild Jungfrau nennt man auch
das „Haus des Brotes“, bildlich dargestellt durch eine Frau, welche
ein Bündel Weizen hält.
Es repräsentiert die Monate August und September, die Zeit der
Ernte. Der vermeintliche Geburtsort Jesu, „Bethlehem“, bedeutet
wörtlich übersetzt „Haus des Brotes“ und bezieht sich damit auf
das Sternbild Jungfrau. Der Geburtsort ist demnach ein Ort am
Himmel und nicht auf der Erde.
- 72 -
Ort: Jerusalem * Zeit: 24. Dezember 4 BCE * 17:00 Uhr
- 73 -
Ort: Jerusalem * Zeit: 25. Dezember 4 BCE * 05:00 Uhr
- 74 -
Die Todessequenz
Ab der Sommersonnenwende werden die Tage wieder kürzer. Der
Punkt des Sonnenaufgangs am Horizont wandert immer weiter
Richtung Süden (hier in Bezug auf die nördliche Himmelsphäre).
Zum Ende des Jahres hin, wird der Tagesbogen der Sonne immer
kleiner, was in vielen vorzeitlichen Kulturen den ‚Tod’ der Sonne
symbolisierte. Am 21. bzw. manchmal am 22. Dezember (schaltjahrabhängig**)
bewegt sich der Aufgangspunkt (natürlich auch
der Untergangspunkt) der Sonne nicht weiter südlich. Das ‚Ableben’
der Sonne ist damit erreicht. In den Nächten des 22., 23. und
24. Dezember zieht das Sternbild „Kreuz des Südens“ (Crux) seine
kurzen Bahnen dicht über dem südlichen Horizont (Standort Jerusalem).
(Abb. Seite 76 und 77)
Ab dem 25. Dezember bewegt sich die Sonne wieder Richtung
Norden und sagt damit längere und wärmere Tage voraus. Diese
Zeit nennt sich Wintersonnenwende, welche den nahenden Frühling
‚einläutet’. Jesus mit diesem Ereignis ebenfalls in Verbindung
zu bringen, liegt auf der Hand. Die Sonne (also Jesus) starb ‚am
Kreuz’, war für drei Tage tot und ist dann wieder auferstanden.
** Diese Daten beziehen sich auf die heutige Zeit. Zur Einführung
des Julianischen Kalenders und in den Zeiten davor, lag die Wintersonnenwende
noch auf dem 25. Dezember und die heidnischen
Feste (Saturnalien, Julfest, Brumalien, Sol Invictus) dauerten
mehrere Tage.
Die Geburtssequenz von Jesus basiert mit hoher Wahrscheinlichkeit
auf dem Ereignis der Wintersonnenwende, da erstens dessen
vermeintliche Geburt im 3.-4. Jahrhundert mit den heidnischen
Feierlichkeiten zusammengelegt wurde, um die Feste als christlich
rechtfertigen zu können, und da sich zweitens viele solcher (weitaus
älterer) ‚Retter’-Figuren verschiedener anderer Kulturen dieselbe
Geschichte mit ihm teilen. Inwieweit auch die Todessequenz
mit der Wintersonnenwende in Verbindung gebracht werden kann,
- 75 -
weiß ich ehrlich gesagt nicht. Dafür spricht, dass weder Geburtsnoch
Todesdaten bekannt sind und beide somit schon auf ein und
denselben Zeitraum fallen können (es geht schließlich um eine
fiktive Gestalt). Es spricht auch dafür, dass die meisten der zuvor
erwähnten anderen ‚Retter’ am Kreuz starben, für drei Tage tot
waren und dann auferstanden sind. Dagegen spricht lediglich das
Auferstehungsfest „Ostern“, welches nicht drei Tage später gefeiert
wird. Allerdings wurde Ostern erst durch das Konzil von Nizäa
im Jahre 325 auf die Zeit der heidnischen Feierlichkeiten zur Frühlings-
Tagundnachtgleiche gelegt, was wiederum dafür spricht.
Die Figur „Jesus“ ist im Grunde eine Nachahmung viel älterer
Märtyrer, wie zum Beispiel der des ägyptischen Sonnengottes
„Ra“ (Horus). Vor ca. 3500 Jahren wurden auf den Wänden des
Tempels von Luxor in Ägypten Bilder der Verkündung der unbefleckten
Empfängnis, der Geburt und der Verehrung von Ra eingraviert.
Die Bilder beginnen mit „Thoth“, dem Gott des Westens, welcher
der Jungfrau „Neith“ verkündet, dass sie Ra empfangen wird. Mit
Hilfe des „Anch“, um die Jungfräulichkeit zu erhalten, vollzieht
sich die Empfängnis durch „Chnum“, dem Gott der Nilquellen und
Schöpfer von Menschen und Göttern, und „Hathor“, der Göttin der
Liebe (der Name Hathor bedeutet „Haus des Horus“). Es folgen
schließlich die Bilder der jungfräulichen Geburt und der Verehrung.
Dies ist so ziemlich identisch die wundersame Geschichte
von Jesus.
Tatsache ist, dass die Parallelen zwischen christlichem und
altem ägyptischen Glauben frappierend sind.
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- 77 -
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Anmerkung 1: Im Zuge der Christianisierung Europas, übernahm
das Christentum eine Reihe heidnischer Feste. So wurde aus „Sol
Invictus“ „Weihnachten“; aus „Samhain“ (Halloween) wurde
„Allerheiligen“; aus „Haustblot“ wurde das „Erntedankfest“ und
aus „Lupercalia“ wurde der „Valentinstag“.
Anmerkung 2: Stellen wir uns mal für einen Moment vor, Jesus
hätte tatsächlich gelebt, war der Sohn Gottes (davon ausgehend es
gäbe einen), vollbrachte Wunder und starb schließlich für die Sünden
der Menschen am Kreuz. Wir stellen uns ebenfalls vor, er
würde, gemäß zahlreicher Annahmen und Behauptungen von
Gläubigen, irgendwann als der Erlöser auf die Erde zurückkehren.
Ich bin der festen Überzeugung, dass das letzte, was er sehen will,
ein Kreuz ist.
Vielleicht ist ja die Verbreitung des Christlichen Kreuzes, bzw.
die Tatsache, dass es kaum Orte gibt, wo man es nicht findet, der
Grund dafür, dass Jesus nicht zurückkommt.
4.4 Leuchtfeuer der Vorzeit
Wer bei kristallklarer Nacht und fern der Lichter einer Großstadt
seinen Blick nach oben richtet, meint unzählige Sterne zu sehen.
Von den Milliarden Sternen aber, die es allein in unserer Galaxie,
der Milchstraße, gibt, sind lediglich circa 2 ½ Tausend mit bloßem
Auge zu erkennen. Über kurz oder lang wird nahezu ein jeder
wohl versuchen, bekannte Sternbilder in diesem Chaos wieder zu
finden. Dieses Chaos hat es leicht, ein ungeübtes Auge zu verwirren
und die Sinne zu täuschen. Ohne eine Sternenkarte sind die
Sternbilder kaum auszumachen und entdeckt man schließlich das
eine oder andere, so sind die Formen und Anordnungen irgendwie
so gar nicht mit den dazugehörigen Namen vereinbar. Es braucht
schon eine gehörige Portion Fantasie, um sich aus einer sich
schlängelnden Linie von Sternen einen Walfisch vorzustellen.
Sternbilder sind Produkte des menschlichen Geistes und jedes
Sternbild ‚erzählt’ eine bestimmte Geschichte. Wie aber sind diese
Geschichten entstanden? War das vorzeitliche Firmament eine
- 79 -
Kinoleinwand der Steinzeitastronomen? Wie sind die Anordnungen
der Sterne zu Sternbildern zu erklären? Handelt es sich vielleicht
um Symbole und wenn ja, wofür? Wurden sie willkürlich
erschaffen? Und wer genau hat sie eigentlich erschaffen und warum?
Viele Kulturen erkannten schon früh eine wichtige Rolle der
Sternbilder. Mit ihrem steten Auftauchen zu bestimmten Jahreszeiten
sind sie ein idealer Kalender, etwa für Aussaat und Ernte. Und
auch der Zusammenhang mancher Sternbilder mit den Bahnen von
Sonne, Mond und Planeten ist von alters her bekannt. Die Babylonier
benannten vor über 4000 Jahren bereits die ersten Tierkreisbilder.
Waage und Skorpion finden sich auch auf sumerischen
Keilschrifttafeln, die vor 2200 BCE entstanden. Eine besondere
Bedeutung fanden sie jedoch in der Navigation. Seefahrer nutzten
früher die Sterne, um sich zu orientieren. Nautische Instrumente
machten es möglich, aus der Position der Gestirne die eigene zu
ermitteln. Sterne stellten schon immer Wegweiser dar. Sie waren
die Leuchtfeuer der Vorzeit und haben bis in unsere heutige Zeit
nur wenig von ihrer Nützlichkeit verloren. Auch wenn inzwischen
Global Positioning System (GPS), Radar- und Sonartechnik die
Navigation anhand von Sternenkonstellationen nahezu vollständig
abgelöst haben, so wäre moderne Astronomie und Raumfahrt ohne
sie kaum denkbar. Orientierung und Kommunikation waren seit
jeher wichtige Bestandteile des modernen Menschen. Seine Neugier
kennt keine Grenzen, weder damals noch heute. Meere und
Ozeane, sowie weite Strecken zu Lande wurden bereits von steinzeitlichen
Kulturen überwunden. Australische Aborigines fanden
einst den Seeweg nach Südamerika. Urasiaten erreichten Nordamerika
lange vor den ersten neuzeitlichen ‚Entdeckern’, den Wikingern.
Was besonders fasziniert, sind die Bauwerke und Kultstätten
der Menschen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Die Überreste
der Megalithkultur sind über ganz Europa, Teilen von Nordafrika
bis hin zum Kaukasus verteilt. Megalithreihen wie die bei Carnac
(Bretagne, Frankreich), Steinkreise wie der der „Merry Maidens“
(Cornwall, England) oder das bekannteste Beispiel „Stonehenge“
- 80 -
(Salisbury, England), zeugen von handwerklichem Geschick jener
Vorzeitkulturen.
Ich bin davon überzeugt, dass wenn die Sternbilder lediglich
Sagen- und Poesiegestalten widerspiegeln würden, sich deren
Verbreitung und signifikanter Einfluss über kulturelle Grenzen
hinaus kaum so hätte durchsetzen können. Demnach scheint es
wohl auf der Hand zu liegen, dass Sternbilder eine weitaus tiefgründigere
Bedeutung hatten, als bisher angenommen.
Ich beschäftige mich seit früher Kindheit mit Astronomie, war
stets von den kosmischen Ausmaßen fasziniert und habe nie aufgehört,
mir auf diesem Gebiet Wissen anzueignen und zu vervollständigen.
Trotzdem blieb die Frage, was es mit den Sternbildern
auf sich hat. Niemand konnte mir je eine zufrieden stellende Antwort
darauf geben. Geschichten und Mythen einfach als gegeben
hinzunehmen, das hat schon bei den religiös geprägten Sagen der
so genannten ‚Heiligen Schriften’ nicht gefruchtet.
Vor weniger als zwei Jahren stieß ich dann zufällig auf eine
These, die all das plötzlich in einem anderen Licht erscheinen ließ.
Das Buch „Der Ursprung der Sternzeichen“ von dem deutschen
Geografen Kai Helge Wirth beschreibt Zusammenhänge geografischer
Bezugspunkte und Koordinatenverläufe mit den abstrakt
anmutenden Sternbildern des Nachthimmels. Wirths These zufolge
sind die ältesten Sternbilder der Nordhalbkugel eine in den Himmel
projizierte Landkarte. Die chaotisch angeordneten Gebilde als
vorzeitliches Orientierungssystem? Sind Sternenkonstellationen
Verewigungen geografischer Kenntnisse? Was wussten die Menschen
damals von Geografie und Astronomie?
Der Bernsteinfluss „Eider“ in Schleswig-Holstein spiegelt laut
Wirth das Sternbild „Eridanus“ wider. Eridanus bedeutet „Fluss
namens Eri“. Die Deckungsgleichheit des Sternbildes mit dem
Fluss Eider ist verblüffend, obwohl oder gerade weil die heutige
Form des Sterbildes überhaupt nicht passt. Die Änderungen im
Verlauf wurden vermutlich erst im Mittelalter vorgenommen.
Der Bernstein der Eider war Handelsgut und erreichte sogar
Griechenland und Ägypten. Die Eider ist sehr Sagenumwoben. So
- 81 -
beispielsweise strandete Odysseus in einer der Argonautengeschichten
an der Eridanusmündung. „Phaethon“, Sohn der Göttin
„Eos“, der Schwester des Sonnengottes „Helios“, stürzte in die
Tiefe und landete tot im Fluss Eridanus. Seine Schwestern, die
„Heliaden“, weinten um ihn und wurden am Ufer in Pappeln verwandelt.
Ihre Tränen fielen als Bernstein in den Fluss.
Die Eider hatte auch in Wikingerzeiten eine große Bedeutung.
Sie markierte den Übergang von einem Meer (Nordsee) zum anderen
(Ostsee).
Wie die Eider wurden auch andere Wege und geografische Routen
mit Hilfe von Sternbildern manifestiert. Das Sternbild „Walfisch“
(Cetus) beschreibt die Ostsee. Inwiefern die Insel Walfisch in der
Wismarschen Bucht damit im Zusammenhang steht, lässt sich
jedoch schwer sagen. „Arktis“ ist von dem altgriechischen Wort
ἄρκτος (Arktos) für Bär abgeleitet und bedeutet soviel wie „Land
unter dem (Sternbild des) Großen Bären“. Während die Konturen
des Sternbilds „Orion“ ziemlich genau die Küstenlinien Südskandinaviens
beschreibt, schmiegt sich die ‚Wagenachse’ des Sternbilds
„Großer Bär“ (Ursa Major) an die Nordwestküste Norwegens
und der ‚Wagen’ selbst deutet auf Eckpunkte in der Barentssee.
Das Sternbild des „Skorpions“ (Scorpius) zeigt exakt den Seeweg
von Nordwestafrika und den Kanaren entlang der westeuropäischen
Atlantikküste bis hin zur Halbinsel an der Südwestspitze
Englands (wenn die Scheren antiker Darstellungen einbezogen
werden), auf der sich auch der zuvor erwähnte Steinkreis der Merry
Maidens befindet. Die britischen Inseln werden dargestellt von
dem Sternbild „Bärenhüter“ (Boötes) und Irland wird fast umschlossen
von der „Nördlichen Krone“ (Corona Borealis). Was
hier besonders bemerkenswert ist, ist, dass die Insel Großbritannien
einst mit der irischen Insel verbunden war. Aber auch Bärenhüter
und Nördliche Krone waren bis zu ihrer Teilung durch griechische
Astronomen einst nur ein Sternbild. Die „Wasserschlange“
(Hydra) erstreckt sich von der Nordwestküste Frankreichs, entlang
der Normandie, durch den Ärmelkanal hindurch, vorbei an den
west- und ostfriesischen Inseln, um Dänemark herum bis fast in
die Ostsee hinein.
- 82 -
Inwieweit auch Sternbilder den Weg über den Atlantik nach Amerika
weisen, bleibt vorerst wohl nur Spekulation. Sicher ist, dass es
Menschen bereits in der Vorzeit gelungen sein muss, den Atlantik
zu überqueren. Nimmt man die These von Kai Helge Wirth als
Grundlage, so finden sich auch hier Übereinstimmungen. Ein Weg,
der im ersten Jahrtausend unserer Zeit von den Wikingern benutzt
wurde, um Amerika zu erreichen, deckt sich mit dem Sternbild des
„Drachen“ (Draco). Der Weg verläuft von Ostgrönland um die
Insel herum in den Labradorstrom nach Neufundland. Der Atlantik
selbst offenbart sich als gigantisches Areal unüberwindbarer Weite.
Um ein solches Gebiet abzudecken braucht es ein ebenso gigantisches
Navigationsmuster. Und siehe da, das Sternbild des
„Schlangenträgers“ (Serpentarius), eines der größten Sternbilder
am Nachthimmel. verläuft entlang der atlantischen Strömungen
und deckt dabei das riesige Gebiet zwischen den Kanaren und dem
Golf von Mexiko ab.
Waren die Menschen der Steinzeit wirklich in der Lage, lange
vor den Wikingern den Atlantik zu überqueren? Hätten die Kenntnisse
über Strömungen im Atlantik Columbus davor bewahrt, in
eine Flaute zu segeln?
Zwei weitere Sternenkonstellationen sprechen für vorzeitliche
geografische Kenntnisse der archaischen Kulturen. Westlich des
Schlangenträgers befindet sich am Sternenhimmel das Sternbild
des „Schützen“ (Sagittarius). Es beschreibt markante Punkte in der
Karibik. Über dem Schützen befindet sich das Sternbild des
„Steinbocks“ (Capricornus), welches sich exakt in den Golf von
Mexiko einfügt. Der Steinbock markiert den äußeren westlichen
Punkt des Navigationssystems.
Was aber ist mit dem Mittelmeer? Das Mittelmeer gilt als das
Handlungszentrum vorzeitlicher Seefahrerei. Babylonische und
phönizische Händler trieben nachweislich regen Handel mit den
Völkern Europas. Vor allem den Griechen, den großen Denkern
und Philosophen, haben wir mehr als nur fantasievolle Geschichten
und Mythen zu verdanken. Das Mittelmehr und auch das angrenzende
Schwarze Meer werden am Sternenhimmel dargestellt
von den Sternbildern „Jungfrau“ (Virgo) und „Löwe“ (Leo). Nach
der griechischen Mythologie hat die Mondgöttin „Selene“, die zum
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Göttergeschlecht der Titanen gehörte, auf „Hera’s“ Wunsch hin
den „Nemëischen Löwen“ geschaffen, welchem „Herakles“ das
Fell abziehen sollte. Auch das Sternbild der Jungfrau passt wie
angegossen in die Ausmaße des Mittelmeeres.
Hauptkritikpunkt des Ganzen wäre: Waren die Menschen zur damaligen
Zeit wirklich in der Lage, Hochseeschifffahrt zu betreiben?
Wenn nicht, wie wurden Inseln wie die Kanaren, Australien
und Neuseeland bevölkert? Fremde Kontinente waren dahingehend
während der letzten Eiszeit recht einfach zu erreichen, aber
Inseln? Hochseeschifffahrt hat vermutlich viel früher eingesetzt,
als bisher angenommen. Erkundung, Eroberung und Handel waren
Antriebskräfte, die die Meere und Ozeane erschlossen haben. Der
Boots- und Schiffbau basierte auf Materialien, die nach so langer
Zeit durch Verrottung keine Spuren mehr hinterlassen, was das
Sichern einer solchen Annahme schwierig gestaltet. Vielleicht
stimmt die These von der Sternennavigation ja nicht. Vielleicht
sind wir in unserer heutigen modernen Welt aber auch nur zu anmaßend,
jenen Kulturen eine solche Errungenschaft nicht zuzugestehen.
Wir dürfen schließlich auch nicht vergessen, dass es
unzählige Tierarten gibt, die sich an Gestirnen orientieren. Manche
orientieren sich an der Sonne, Insekten nutzen den Mond, Zugvögel
behalten bei Nachtflügen den Himmelspol genau im Auge und
Stockenten merken sich sogar eigene Sternbilder. Sollten wir diese
Fähigkeit unseren Vorfahren wirklich absprechen?
Bleibt zu klären, inwieweit es sich bei der These von Kai Helge
Wirth um Koinzidenz handelt. Dazu muss erwähnt werden, dass
die Sternbilder nicht willkürlich vom Firmament gepickt wurden,
sondern dass sie auch dort neben-, über-, und untereinander angeordnet
sind. Das ist weitaus mehr als ‚Zufall’. Auch handelt es sich
bei allen Sternbildern um welche, die Claudius Ptolemäus beschrieb.
In der griechischen Antike wurde astronomisches Wissen
gesammelt, erweitert und vor allem verbreitet. Und damit auch
Sternbilder. Etwa 150 CE veröffentlicht Ptolemäus einen Katalog
mit Sternbildern. 48 von ihnen sind noch heute gültig, allerdings
sehen sie etwas anders aus. Daher tragen so viele Sternbilder Na-
84 -
men aus der griechischen Mythologie, wie „Kassiopeia“ (Cassiopeia)
und „Perseus“. Die ptolemäischen Sternbilder wurden sogar
von arabischen Astronomen übernommen.
Später gelangten die Sternbilder durch Übersetzung in die lateinische
Welt und wurden von dort ins europäische Mittelalter weitergereicht.
Eine so weite, lange Reise hinterlässt natürlich Spuren.
Die verschiedenen Herrscher und Kulturen fügten immer wieder
neue Sternbilder hinzu, von denen viele auch wieder verschwanden.
Etwa der „Thron des Caesar“, den der römische Kaiser Augustus
an den Himmel setzte.
Im 17. Jahrhundert tauchte durch die Seefahrt eine neue Welt
auf - der Südhimmel. Für die Sternbilder, die man nur von der
Südhalbkugel der Erde aus sieht, gab es noch keine Namen. Ab
1603 führten daher Petrus Plancius und Johann Bayer neue Bilder
ein. Sie stützten sich auf die Beschreibungen niederländischer
Seefahrer und hielten sich an die Tradition, indem sie den Südhimmel
mit Wasserwesen bevölkerten.
Im 18. Jahrhundert folgen noch einmal 13 Sternbilder, die der
französische Astronom Nicolas Louis de Lacaille benannte, um
Lücken zwischen den bisherigen Sternbildern zu füllen. Er benutzte
wissenschaftliche Geräte als Namensgeber, weshalb es seither
auch ein „Winkelmaß“ (Norma), einen „Sextanten“ (Sextans) oder
gar eine „Pendeluhr“ (Horologium) am Himmel gibt.
Es gab zwischendurch durchaus Versuche, die Sternbilder umzubenennen.
1627 wollte Julius Schiller die heidnischen Bilder
loswerden und ersetzte sie durch biblische Gestalten. Der Tierkreis
wurde bei ihm zur Runde der zwölf Apostel. Durchgesetzt hat er
sich nicht. Auch in den folgenden zwei Jahrhunderten mühten sich
Hofastronomen immer wieder, ihre Herrscher oder deren Insignien
der Macht am Himmel zu verewigen. Die Macht verging und mit
ihnen jene Sternbilder.
Die Entwicklung von Fernglas und Teleskop ließ das Firmament
wachsen, zumindest die Anzahl der bekannten Sterne. Immer
mehr Sterne sollten einem Sternbild zugeordnet werden und benannt
werden. Der Himmel wurde unübersichtlich. Wieder wurden
neue Sternbilder eingeführt. Auf einem Kongress 1798 wurden
dann erstmals die geltenden Sternbilder festgelegt. Unter diesen
- 85 -
99 Sternbildern, drei Jahre später in einem Katalog von Johann
Elert Bode veröffentlicht, finden sich beispielsweise noch ein
„Heißluftballon“ (Globus Aerostaticus) und eine „Katze“ (Felis).
1922 schlug Henry Norris Russell 89 Sternbilder vor, jeweils
mit der lateinischen Bezeichnung und dazugehörigen Abkürzung
aus drei Buchstaben (UMa für Ursa Maior, den Großen Bären).
Der Belgier Delporte zeichnete 1925 die Grenzen dieser Sternbilder.
Die Liste wurde 1928 von der Internationalen Astronomischen
Union um ein Bild gekürzt. Das riesige „Schiff Argo“ (Argo Navis),
bei Russel noch als Ganzes und mit seinen Einzelteilen aufgeführt,
zerfiel in das „Segel des Schiffs“, das „Achterdeck des
Schiffs“ und dem „Kiel des Schiffs“. Die endgültigen Sternbildgrenzen
wurden 1930 festgelegt - und sind bis heute gültig.
4.5 Argha-Noa
Der jährliche Monsunregen in den Hochebenen Zentralafrikas
wurde von den Menschen Nordafrikas, im Nildelta Ägyptens und
der umliegenden Wüstenlandschaften, stets mit Grauen erwartet.
Durch diese sehr ergiebigen Regenfälle, wurde das Nildelta nicht
selten überflutet. Es war jedes Mal für die Bewohner dieser Region
eine Tragödie. Die große Flut. Unkontrolliert spülte das Wasser
alles davon und zerstörte Land und Heim. Aber trotz der Zerstörungskraft
des Wassers, brachte es auch neues Leben. Ohne jenes
Wasser wären die Wüstenregionen am Nil total ausgetrocknet und
nichts täte wachsen. So erkannte man, dass die jährliche Flut in
Wahrheit eher ein Segen für die Menschen war. Nachdem das
Wasser zurückging, hinterließ es frische Mineralien, woraufhin die
Pflanzen für die Nahrungsgewinnung besser wuchsen und somit
die ‚Gute Zeit’ anbrach.
Die alten Ägypter zelebrierten diese Zeit und nannten das Fest
„Argha-Noa“ (Nasser Mond). Mit diesem Fest wurde die große
Flut gefeiert, welche die alte Welt wegspült, neues Leben brachte
und somit Ägypten ‚wiederauferstehen’ ließ.
Stets zur Zeit der Flut, war der Mond am Himmel als Sichel mit
den Enden nach oben gerichtet zu sehen, so dass er aussah wie ein
schwimmendes Boot.
- 86 -
Im Laufe der Zeit wurde der
Mond in dieser Form und in
dieser Stellung bekannt als
Argha-Noa und nicht Arche
Noah. Flutgeschichten kannten
viele Völker, aber für die
biblische Geschichte stand
das altägyptische Fest Pate.
Die „Argha-Noa“ Geschichte
gilt als Vorlage vieler Flutgeschichten und Mythen, unter Anderem
auch für den Etana-Mythos, welcher das auf ca. 2100 BCE
datierte altsumerische Gilgamesch-Epos inspirierte.
Bezug nehmend auf das Wasser, welches neues Leben bringt bzw.
etwas wiederauferstehen lässt, finden sich bis heute parallelen im
Christentum. Die Taufe eines Kindes oder eines Erwachsenen zum
Beispiel, wird durch das eintauchen in Wasser, oder dem Beträufeln
des Kopfes eines Säuglings mit Wasser, vollzogen.
- 87 -
5 GEISTESFREIHEIT
"Durch den Glauben zu sehen
heißt die Augen der Vernunft zu schließen.
Der morgendliche Tag erscheint deutlicher,
wenn man die Kerze löscht."
Benjamin Franklin (1706-1790)
5.1 Der A-Theismus
Der Atheismus hat sich im Laufe der Geschichte immens geändert.
Der Begriff wurde ursprünglich von den Gläubigen kreiert, um
Nichtgläubigen bzw. Andersgläubigen einen ‚gelben Stern’ zu
verpassen. Er war stets eine linguistische Konstruktion der negativen
Brandmarkung. Noch immer gehen die Gläubigen davon aus,
dass Atheisten etwas fehlt bzw. dass sie mangelbehaftet sind. Obwohl
der Mensch ein „Natural Born Atheist“ (Natürlich Geborener
Atheist) ist, denn Gottglaube ist Erziehungssache, steht der Begriff
inzwischen für eine positive und geistfreie Oppositionshaltung all
derjenigen, die die Courage besitzen, sich trotz des Drucks der
Masse nicht den Wahnvorstellungen zu unterwerfen.
Die Gläubigen setzen alles daran, ihr Feindbild aufrecht zu
erhalten. Sie glauben tatsächlich, dass moralische und ethische
Grundsätze ausschließlich Gottgegeben sind und dass ein Mensch,
der Gott nicht als sein Alphatier anerkennt, keinesfalls ein Leben
basierend auf solchen Grundsätzen führen kann (auf dieses Thema
werde ich im nächsten Unterkapitel ausführlicher eingehen).
"Wir sind alle Atheisten was die meisten Götter angeht,
an die Gesellschaften je geglaubt haben.
Einige von uns gehen halt einen Gott weiter."
Prof. Richard Dawkins
Was ist denn nun Atheismus? Ist er ein Glaube? Ist er eine Weltanschauung?
Ist er eine Ideologie?
Die Antwort ist, er ist nichts von alledem. Atheismus ist noch
nicht einmal ein ‚Ismus’ im herkömmlichen Sinne. Um zu verste-
88 -
hen, was A-Theismus ausdrücken will, ist es wichtig zu wissen,
was Theismus bedeutet.
Theismus leitet sich von dem griechischen Wort „theós“ (Gott)
ab. Demzufolge bezeichnet der Theismus den Glauben an einen
Gott oder an Götter (Unterkategorien Monotheismus und Polytheismus)
persönlicher und/oder transzendenter Natur. Inwiefern
der Gott oder die Götter als Schöpfer des Universums gesehen
wird/werden, ist dabei nicht von Belang. Pantheismus zum Beispiel
bezeichnet oberflächlich gesehen die Natur als Gott. Natur ist
in gewisser Weise der ‚Schöpfer’ des Universums, besitzt aber
keine Transzendenz, weshalb der Pantheismus grundlegend nicht
zum Theismus gezählt werden kann. Er versteckt sich zwar hinter
der Fassade des Theismus, ist aber eine „Euphemie für Atheismus“
(so Philosoph Arthur Schoppenhauer).
Zum Theismus zählt aber der Deismus. Deismus bezeichnet
den Glauben an einen Gott, der zwar das Universum erschuf, im
Nachhinein aber keinen Einfluss mehr auf die Ereignisse ausübt.
Bezeichnet sich jemand als Theist, so gibt derjenige damit zu
erkennen, einen Glauben an Gott bzw. an Götter zu haben. Wie
stark dieser Glaube ist, lässt sich aber durch diese Bezeichnung
nicht sagen.
An dieser Stelle möchte ich zum besseren Verständnis eine
Analogie mit einbauen. Bezeichnen wir eine Person mit einem
Glauben an Gott, also ein Theist, als Raucher. Worauf ich damit
hinaus will, wird sich gleich zeigen. (Die Analogie soll keinesfalls
diskriminierend sein, denn ich selbst bin Raucher, obwohl kein
Theist.)
Der Gegenpol zum Theismus ist der Anti-Theismus. Antitheismus
nimmt gegenüber dem Theismus eine Oppositionshaltung ein.
Er reagiert auf die Ergebnisse und Auswirkungen des Theismus
mit Widerstand und Ablehnung. Anti- ist ein griechisches Präfix
und bedeutet „gegen“, „dagegen“ oder „wider“. Jemand der sich
als Antitheist bezeichnet, gibt damit zu verstehen, dass er Theismus
begründet ablehnt und sich vielleicht sogar dagegenstellt.
Bezug nehmend auf das Rauchen, wäre derjenige ein Antiraucher,
der Rauchen für gefährlich erachtet, nicht nur für den Raucher
selbst, sondern auch für dessen Umwelt.
- 89 -
A-Theismus übernimmt die neutrale Mittelstellung zwischen dem
Theismus und dem Antitheismus ein. Das griechische Präfix A- ist
eine Verneinung, die jedoch nicht gleichbedeutend ist mit einer
Ablehnung. Atheismus bezeichnet das Nichtvorhandensein des
Götterglaubens, wobei es unerheblich ist, ob die Abwesenheit des
Gottglaubens bewusst, aus Gleichgültigkeit oder Unwissenheit
heraus oder durch Anordnung entstand. Mehr (und das möchte ich
an dieser Stelle betonen) sagt der Atheismus über einen Menschen,
der sich als solcher bezeichnet, im Grunde nicht aus.
Der Atheist wäre demnach in der Analogie der Nichtraucher.
Die Bezeichnung Atheist ist eigentlich genauso sinnlos, wie die
Bezeichnung Nichtraucher, oder ist es wider die Natur, nicht zu
rauchen? Was mehrheitlich verbreitet ist, gilt in der Regel als
‚Normal’ oder Standard. Es gibt Nichtschwimmer, Nichtraucher
und eben Nichttheisten, aber niemand käme auf die Idee, linguistisch
andere gesellschaftliche Zweigschubladen zu kreieren. Wir
bezeichnen Menschen eben nicht als Nichtführerscheinbesitzer,
Nichtpolitiker, Nichtbriefmarkensammler, Nichtfußballer, Nichtkoch,
Nichtastronaut oder Nichtschriftsteller. [Beim schreiben des
vorangegangenen Satzes im Computerprogramm „Microsoft
Word“, wurde durch die integrierte Rechtschreibprüfung merkwürdigerweise
keines der Wörter mit einer roten Wellenlinie unterlegt.
Vielleicht irre ich mich ja, was die Verwendung dieser
Wörter angeht.]
Dass eine große Anzahl von Menschen gläubig ist, gibt ihnen
das Gefühl von ‚Normalität’. Sie gehen davon aus, dass wenn so
viele Menschen glauben, sie sich schließlich nicht alle irren können.
Wer so denkt, ist einem Trugschluss aufgesessen und sollte
sich das folgende Zitat eines berühmten Atheisten zu Gemüte
führen.
"Es spielte für mich nie eine Rolle, dass 30 Millionen Menschen
vielleicht denken ich liege falsch. Die Anzahl von Menschen, welche
dachten Hitler hatte recht, machten ihn nicht zu jemandem,
der wirklich recht hatte. Warum muss man unbedingt Unrecht
haben, nur weil ein paar Millionen Menschen das denken?"
Frank Zappa (1940-1993)
- 90 -
Tatsächlich gehören die meisten Menschen jedoch zu den Atheisten.
Atheismus ist Bestandteil vieler Weltanschauungen, Lehren,
Religionsparodien, politischen ‚Religionen’, Pseudo-Religionen
und sogar einer Sekte. Da hätten wir beispielsweise die Antitheisten,
Naturalisten, Humanisten, Brights, Säkularisten, Buddhisten,
Daoisten, Jainas, Rujia (Konfuzianismus), Pastafaris,
Diskordier, Marxisten, Kommunisten, Existentialisten, Pantheisten,
Panentheisten, Nihilisten, neugeborene Kinder und sogar die
Scientologen. Eine nicht gerade kleine Gruppe fehlt in der Auflistung,
die Agnostiker.
Sich als Agnostiker zu bezeichnen, ist so ziemlich das Unsinnigste,
was es gibt. Agnostizismus (altgriechisch: agnōstikismós)
bedeutet so viel wie „nicht wissen“, „unbekannt“, „unerkennbar“.
Dies bezieht sich in erster Linie auf theologische Fragen. Unsinnig
deshalb, weil man Antworten auf theologische Fragen grundsätzlich
nicht wissen kann. Alle Menschen sind Agnostiker. Wer von
sich behauptet, etwas definitiv zu wissen, ist trotzdem Agnostiker,
denn obwohl Wissen behauptet wird, ist es nicht wirklich vorhanden.
Hochmut und Vermessenheit sprechen Niemanden vom Unwissen
frei. Zudem sagt die Bezeichnung Agnostiker nichts darüber
aus, ob jemand an einen Gott glaubt oder nicht. Als Agnostiker
bezeichnen sich nur Menschen, die Konfrontationen aus dem
Weg gehen und keine Stellung beziehen wollen. Bei der Gottfrage
gibt es keine Mittelstellung. Entweder man glaubt oder man glaubt
nicht. Wie stark geglaubt bzw. nicht geglaubt wird ist irrelevant.
„Atheismus ist auch ein Glaube, denn ein Atheist glaubt, dass es
keinen Gott gibt.“ Diese Aussage bekam ich schon des Öfteren zu
hören. Zunächst einmal besteht ein fundamentaler Unterschied
zwischen den Aussagen „Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt“
und „Ich glaube, dass es keinen Gott gibt“. Außerdem kann man
sich nicht einfach etwas ausdenken an das man glaubt und dann all
jene, die nicht daran glauben, als Gläubige bezeichnen. Der Glaube
bezieht sich immer auf einen Glauben und nicht auf einen
Nichtglauben. Atheismus ist vergleichbar mit Gesundheit oder
einer Glatze. Ist Gesundheit eine Krankheit? Ist eine Glatze eine
Haarfarbe?
- 91 -
Ist der Atheismus dann zumindest eine Weltanschauung? Nein.
Wie bereits erwähnt, ist das Einzige, was der Atheismus beinhaltet,
der fehlende Gottglaube. Ich denke nicht, dass das ausreicht,
um als Weltanschauung definiert zu werden, zumal die Frage
„Gott - ja oder nein?“ ungeklärt ist und ein Gott daher nicht
zwangsläufig zur Welt gehört. Meine Weltanschauung ist der Naturalismus.
Er negiert bewusst transzendente Wesen, Wunder und
Metaphysik. Bestandteile des Naturalismus sind Realismus, Reduktionismus,
Darwinismus, Physikalismus und Existentialismus.
Eigentlich beschreibt die Definition des „Evolutionären Humanismus“
meine Weltsicht am besten. Jedoch sträube ich mich gegen
den Begriff Humanismus, da mit ihm der Mensch in den Mittelpunkt
rückt und somit ein Beigeschmack von Speziesismus hinterlässt.
Des Weiteren neige ich stark zum Antitheismus, denn ich
halte den Glauben an Transzendentes bzw. zumindest die Auswirkungen
desselben für gefährlich.
Achim Stößer, Betreiber der Website „antitheismus.de“, bezeichnet
Antitheismus als ethischen Imperativ und führt dazu folgendes
aus:
„In einer faschistisch beherrschten Gesellschaft genügt es nicht,
selbst nicht faschistisch zu sein. Vielmehr ist es zwingend erforderlich,
antifaschistisch zu sein. Ebenso ist es in einer rassistischen
Gesellschaft zu wenig, selbst nicht rassistisch zu sein, sondern
antirassistisch sein ist ethisch geboten.
Analog zur Notwendigkeit von Antifaschismus, Antirassismus,
Antisexismus, Antispeziesismus usw. - das ist angesichts der Parallelen
kaum zu leugnen - reicht es also in dieser unserer theistisch
dominierten Welt keinesfalls aus, nur atheistisch zu sein. Natürlich
ist es besser, wenn jemand im stillen Kämmerlein sein atheistisches
Süppchen kocht, statt sich selbst an religiösem Wahn zu
beteiligen, doch Atheismus ist nicht genug: vielmehr ist es notwendig,
gegen Theismus vorzugehen, Antitheismus ist für ethisch denkende
und handelnde Menschen angesichts des real existierenden
Theismus ein Muss, ein ethischer Imperativ.
Denn die Folgen des Theismus sind und waren seit jeher verheerend,
lokal wie global. Ob blutiger Bürgerkrieg zwischen Ka-
92 -
tholiken und Protestanten in Nordirland, "Gott" in der Grundgesetzpräambel,
Kreuzzüge, Indoktrination von Kindern in der Schule,
Conquista, Tendenzschutz, omnipräsent religiöse Folterszenen,
Hexenverbrennungen oder schlicht das weihnachtliche Fernsehprogramm:
- es genügt nicht, nur für das Recht, nicht davon behelligt
zu werden, zu kämpfen, für die Trennung von Staat und Kirche,
gegen Auswüchse der Religion. Mindestforderung muss sein,
dass alle von den Machenschaften der Gläubigen verschont bleiben.
[…]
[…] Wohlgemerkt bedeutet Antitheismus keine "Verfolgung"
von Gläubigen (es ist wenig verwunderlich, dass Gläubige dies in
der Regel bereits mit schlichtem Atheismus, also der Abwesenheit
eines Glaubens an irgendwelche Götter assoziieren, ist die Diskriminierung
"Andersgläubiger" religiösen Memen doch immanent).
Vielmehr bedeutet Antitheismus Aufklärung über die Realität,
sowohl naturwissenschaftlich wie politisch/historisch. So wie
es erforderlich ist, Kinder, die an den Klapperstorch glauben, über
die tatsächlichen Vorgänge aufzuklären, um ungewollte Schwangerschaften
von Teenagern zu vermeiden, so wie sie irgendwann
erfahren müssen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, so muss
darüber informiert werden, dass es kein Gott ist, der Blitze schleudert
oder ihnen auf welch wundersamem Umweg auch immer ihr
tägliches Brot zur Verfügung stellt.“
Diesen Ausführungen stimme ich voll zu.
Theismus, also der Glaube an einen Gott bzw. Götter, ist im Grunde
Privatsache. Was ein Mensch also privat glaubt, bleibt der eigenen
Entscheidung überlassen. Das Problem ist nur, dass privater
Glaube schon sehr lange nicht mehr privat ist, vielleicht war er es
sogar noch nie. Glaube und Religion haben einen zu starken Einfluss
auf Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur.
Ich sehe kein Problem darin, dass jemand daheim betet, dass
jemand im Glauben nach Trost und Beistand sucht oder dass jemand
in seinen eigenen vier Wänden ein Kreuz an die Wand
hängt. Aber ich habe sehr wohl etwas gegen die öffentliche 3D -
Darstellung einer halbnackten toten Mannesfigur, die abgemagert
und wundenübersät an ein Kreuz genagelt in jedem kleinen Dorf
- 93 -
hier in Bayern den kleinsten Kindern zur Schau gestellt wird (Wo
bleibt da der Jugendschutz? Das ist schlimmer als schwarz/weiß
Fotos aus den Konzentrationslagern). Ich habe auch etwas dagegen,
dass Märchen und Sagen im Schulunterricht (Fach Religion)
als historische Tatsachen gelehrt werden, dass Kindern erzählt
wird, sie würden auf ewig in der Hölle schmoren oder dass Kinder
(beiden Geschlechts) beschnitten werden, wenn es medizinisch
nicht notwendig ist.
Deshalb verwende ich für mich hauptsächlich die Bezeichnung
Atheist, denn sie ist so schön negativ behaftet. Eine solche Position
erweckt den Anschein von Respektlosigkeit und Intoleranz, ich
weiß. Denn genau das ist das Ziel. Egal wie verbreitet die Auseinandersetzungen
der großen Religionen untereinander auch sind
bzw. wie unterschiedlich deren Glauben auch ausfällt, sie haben
alle eines gemeinsam. Einen Feind mit dem Namen „Atheist“, der
sich den Dogmen, Vorschriften und Verboten nicht beugen will,
der das Diesseits einem fiktiven Jenseits vorzieht und der keine
Angst hat sein Leben in vollem Umfang, natürlich auch in punkto
Sex, zu genießen.
Nach Jahrhunderten voller Intoleranz, Verfolgung und Ausgrenzung,
nach unzähligen Scheiterhaufen, Höllenandrohungen
und Verachtung den Gottfreien gegenüber, hat religiöser Glaube
keine Toleranz verdient, von Respekt ganz zu schweigen. Außerdem
befindet sich verbale Intoleranz der Religions- und Glaubenskritiker
auf einer ganz anderen Ebene, wie die nonverbale Intoleranz,
die Jahrhunderte lang von den Religionen, deren Politik und
deren Anhänger praktiziert wurde. Ich erinnere noch mal an das
Bild aus dem Vorwort und denke ich habe hiermit nun aufgezeigt,
dass ich weitaus mehr bin, als nur Atheist.
Anmerkung: Der Definition nach, was ein Atheist ist, wäre ein
angeblich existierender Gott, aufgrund dessen Definition, ebenfalls
ein Atheist. Gläubige behaupten immer wieder, dass es nichts über
Gott hinaus gibt, dass Gott der Anfang und das Ende sei. Das würde
bedeuten, Gott hat Niemanden, an den er glauben kann. Ein
Glaube an sich selbst zählt nicht, denn ich denke jeder Atheist
- 94 -
glaubt in gewisser Weise an sich selbst, und wäre somit kein Atheist
mehr? Wohl kaum.
Auch wenn Gott weiß, dass er selbst Gott ist und somit an das
göttliche in sich selbst glaubt, wäre er nach wie vor ein Atheist, da
er nicht an etwas Höheres glaubt. Abgesehen davon wird so etwas
als Hochmut bezeichnet und wenn dem nicht so wäre, dann ist
jeder mit einem Gott-Komplex wirklich ein Gott, weil solche Personen
an die Göttlichkeit in sich selbst glauben, oder nicht?
5.2 Ethik statt Moral
Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Moral nur auf Gottes
Gebote, Begierden und Wünsche basiert. Sie verstehen einfach
nicht, dass Moral eine eigenständige Grundlage haben kann, es sei
denn, da ist ein Gott, um sie zu bestätigen, sie zu legitimieren.
Dies ist ein Punkt, der vor langer Zeit von Plato im Euthyphro -
Argument erörtert wurde. Sokrates macht eine völlig zwingende
Widerlegung dieses Arguments, welche lautet:
Gesetzt den Fall man nimmt, als moralisches Prinzip, "Es ist
falsch zu stehlen." Jetzt könnte die Frage aufkommen: "Warum ist
das falsch? Warum ist es falsch zu stehlen?" Antwort: Weil Gott
sagt, es ist falsch zu stehlen. Gott gebietet, dass du nicht stehlen
sollst.
Der Punkt, den Sokrates in diesem Dialog macht ist: Wie kann
Gott dieser moralischen Regel eine Grundlage geben? Entweder ist
die moralische Regel selbst an sich eine verlässliche, moralische
Regel oder es kann ihr nur von einem externen Gebot eine Fundiertheit
und Rechtmäßigkeit gegeben werden.
Nehmen wir zum Beispiel an, es gäbe die Regel: "Es ist richtig
zu töten". Viele würden nun sagen, das es ist nicht richtig ist, „Töten
ist falsch!". Nun hat Gott aber gesagt, dass es richtig ist zu
töten. Jedoch würde das nicht überzeugen. Wenn Gott sagt, dass
etwas richtig ist, was aber eigentlich nicht richtig ist, hat Gott
Unrecht. Er kann nicht etwas als richtig darstellen, nur weil er
sagt, dass es richtig ist.
Gott muss das, was richtig ist, in seinen Geboten reflektieren,
und genau dass ist es, was er wirklich tut. Es ist falsch zu stehlen,
- 95 -
und es ist falsch zu töten, also sagt Gott, dass es falsch ist, und er
hat damit Recht. Warum? Weil es in diesen zwei Fällen nun einmal
falsch ist! Er macht es nicht falsch, dadurch, dass er es sagt.
Wenn dem so wäre, hätten die Gläubigen keinen Grund, die Moral
Gottes zu respektieren.
Demnach brauchen wir keinen Gott, um unsere moralischen
Überzeugungen zu bestätigen. Seine Bestätigungen funktionieren
nur, sofern sie mit dem was moralisch richtig und dem was moralisch
falsch ist, übereinstimmen. Er kann nicht etwas dazu machen,
moralisch richtig zu sein, wenn es das nicht ist.
Was richtig und was falsch ist, kann kein Bestandteil von Gottes
freier Entscheidung oder Gottes Laune sein. Die Menschen
können sehen, dass Moral das ist, was sie ist. Sie wissen, was sie
tun sollten. Menschen sind schwach und tun deshalb nicht immer
das, was sie tun sollten, obwohl sie sehr genau wissen, was das ist.
Und das erzeugt in den meisten das Phänomen der Schuld. Schuld
stellt einen mächtigen negativen Einfluss im Verstand des Menschen
dar. Sie erzeugt ein schlechtes Gefühl. Also braucht der
Mensch etwas, um Schuld vorzubeugen. Etwas, um sich dazu zu
bringen, das zu tun, wovon man weiß, dass es richtig ist. Gott gibt
dazu, jenseits der eigentlichen Moral, einen zusätzlichen Beweggrund.
Moral gibt zwar eine Veranlassung, aber sie ist eher
schwach, momentan, sporadisch und leicht zu brechen. Aber wenn
man die Vorstellung von einem Gott hat, kann es dem ganzen
sozusagen etwas mehr Schwung geben, mehr Auftrieb und dann
kann man Dinge, von denen man weiß, dass sie richtig sind, viel
einfacher und viel regelmäßiger tun.
Es ist nicht unangemessen, jedenfalls für einen Atheisten, zu
denken, dass Menschen vielleicht Gott brauchen, weil sie ohne
Gott nicht das tun können, von dem sie wissen, dass es richtig ist.
Ich selbst glaube das nicht. Ich denke die meisten Menschen tun
unter normalen Umständen das, was richtig ist. Vielleicht nicht
immer, aber meistens. Sie brauchen Gott nicht.
Es gibt zudem einen bestechlichen Teil in dieser Gottes-
Vorstellung, in dem der Gedanke herrscht, dass man etwas Gutes
tut, weil Gott einen dafür belohnt und gut über einen denkt. Das ist
jedoch ein schlechtes Konzept. Es ist viel besser zu tun, was gut
- 96 -
ist, weil es gut ist und nur weil es gut ist. Der Gedanke, das erwärmende
Gefühl zu bekommen "Gott ist mit mir heute wirklich
zufrieden, weil ich das tat", das ist nicht Moral, wie sie sein sollte.
Die zehn Gebote sind beklagenswert unzureichend als moralischer
Kompass. Die ersten drei bzw. vier sind offenkundig religiöse
Propaganda, im Wesentlichen eine Verbindung zum hebräischen
Gott. Die verbleibenden sechs bzw. sieben werden als ‚Vollkommen’
gefährlich hochgehalten, inspiriert von jenen, die sie offensichtlich
nicht gelesen haben. Beispielsweise wundert man sich,
wie Lug und Missgunst enthalten sind, nicht aber Vergewaltigung,
Folter, Kindesmissbrauch, Rassismus oder Sklaverei.
Und sicherlich Niemand glaubt ernsthaft, dass eine Anwendung
dieser Gebote auch Grauzonen abdeckt.
· "Du sollst nicht töten." Aber was ist mit Selbstverteidigung?
· "Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinem
Nächsten." Aber wie verhält es sich mit dem Täuschen
eines SS-Offiziers, welcher fragt, ob man Juden
versteckt?
Wahre Moral erfordert individuelle Entscheidungen von Fall zu
Fall und nicht einfach die Verwendung einer plumpen moralischen
Schablone für alle Lebenslagen.
Moral, wie sie beispielsweise in der Bibel beschrieben wird,
kann ohnehin wohl kaum als Vorbild dienen. Das die ‚Moral’ des
Gottes des Alten Testaments (Einzelmord, Völkermord, Folter und
Sklaverei) mehr das Gegenteil von dem vertritt, was weitläufig als
Moral angesehen wird, ist nicht zu leugnen.
„Er rief den Mann, der das leinene Gewand anhatte und an dessen
Gürtel das Schreibzeug hing. Der Herr sagte zu ihm: Geh mitten
durch die Stadt Jerusalem und schreib ein T auf die Stirn aller
Männer, die über die in der Stadt begangenen Gräueltaten seufzen
und stöhnen. Und ich hörte, wie er zu den anderen sagte: Geht
hinter ihm her durch die Stadt und schlagt zu! Euer Auge soll kein
Mitleid zeigen, gewährt keine Schonung! Alt und jung, Mädchen,
- 97 -
Kinder und Frauen sollt ihr erschlagen und umbringen. Doch von
denen, die das T auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren.
Beginnt in meinem Heiligtum! Da begannen sie bei den Ältesten,
die vor dem Tempel standen. Er sagte zu ihnen: Macht den Tempel
unrein, füllt seine Höfe mit Erschlagenen! Dann geht hinaus und
schlagt in der Stadt zu! Sie schlugen zu und ich allein blieb übrig;
da fiel ich nieder auf mein Gesicht und schrie: Ach, Herr und Gott,
willst du deinen ganzen Zorn über Jerusalem ausschütten und
auch noch den letzten Rest Israels vernichten? Er sagte zu mir:
Die Schuld des Hauses Israel und des Hauses Juda ist groß, ja
übergroß. Das Land ist voll Blutschuld, die Stadt ist voll Unrecht.
Sie sagen: Der Herr sieht es nicht; der Herr hat das Land verlassen.
Darum zeigt mein Auge kein Mitleid und ich übe keine Schonung.
Ihr Verhalten lasse ich auf sie selbst zurückfallen. Und der
Mann, der das leinene Gewand anhatte und an dessen Gürtel das
Schreibzeug hing, (kam und) berichtete: Ich habe getan, was du
mir befohlen hast.“
Hesekiel 9,3-11
Von der zum Himmel schreienden Doppelmoral zwischen den
Aufforderungen zum Töten (Steinigung, unartige Kinder, Gottlose,
Sünder), sowie der Akzeptanz von Todesstrafen und der gleichzeitigen
Verurteilung von Selbsttötung, sowie dem 5. bzw. 6. Gebot
"Du sollst nicht töten/morden.", ganz zu schweigen. Die Moral des
Neuen Testaments ist dahingehend nicht besser, liest man Textpassagen
wie Matthäus 13,41-42 „Der Menschensohn wird seine
Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen,
die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben,
und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort
werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“, oder die sadistische
Offenbarung des Johannes.
Schimpansen besitzen weitaus mehr Moral als der biblische Gott
und Disneyfilme vermitteln weitaus mehr gute Grundsätze als die
Bibel. Diese ist das menschenverachtendste literarische Werk der
Geschichte und gehört von der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Medien“ indexiert.
- 98 -
Es ist höchste Zeit, sich von Moral zu verabschieden und sich rein
von ethischen Grundsätzen leiten zu lassen. Zu oft wird der Fehler
begangen, Ethik mit Moral gleichzusetzen. Es gibt allerdings fundamentale
und tief greifende Unterschiede, obgleich die Vorgabe
von Verhaltensregeln für ein gesellschaftliches Zusammenleben
bei beiden das Grundkonzept darstellt.
Moral steht für festgesetzte, subjektiv wertende Verhaltensregeln,
basierend auf den metaphysischen Gedankenkonstrukten „gut
und böse“, sowie „Schuld und Sühne“. Moral schafft mit ihren
Beurteilungskriterien gesunde Feindbilder, was in sozialen Gesellschaften
zu Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung und Diffamierung
führt.
Ethik beschreibt hingegen variable Verhaltensregeln, welche
dem Zeitgeist zugrunde liegen. In Bezug auf Fairness sagt sie, was
richtig und was falsch ist, gibt dabei aber keinerlei Wertung ab.
Ethisch gesehen ist es irrelevant, ob Sex vor der Ehe praktiziert
wird oder zwei Frauen eine lesbische Beziehung pflegen, während
diese Handlungen aus moralischer Sicht oft als ‚verwerflich’ missbilligt
werden.
Religiöse Moral ist nicht selten derart lächerlich, dass man sich
zwangsläufig fragt, wie Menschen mit Verstand so etwas in ihrem
Leben akzeptieren können. Neben sexuellen Verhaltensregeln, die
einem diesbezüglich frustrierten und vermutlich impotenten Paulus
entsprangen, finde ich die Essensvorschriften besonders fehl am
Platze. Dabei geht es eher weniger um den Verzicht auf Schweinefleisch,
was angesichts fehlender Kühlung zur damaligen Zeit
sicherlich zumindest ein guter Tipp war (gemäß dem Zeitgeist aber
inzwischen überholt ist), sondern vielmehr um die Aufzählung,
was nach Gottes Meinung verzehrt werden darf und was man tunlichst
meiden soll. Die ‚heiligen’ Schriften sind voll von Verboten,
Ermahnungen und Vorschriften, die, wenn sie einst vielleicht hilfreich
gewesen sein mögen (die meisten waren schon damals überflüssig),
heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß sind.
Fehltritte im Verhalten wird es immer geben. Allerdings ist
Schuld dabei irrelevant. Sünde existiert nicht, also ist die Suche
nach einem ‚Sündenbock’ unsinnig. Was macht es letztlich für
- 99 -
einen Sinn nach der Ursache zu suchen, wenn es wichtiger ist, eine
Lösung für die Auswirkungen des Fehltritts zu finden? Ursachen
bestehen zum größten Teil aus langen Kausalitätsketten. Es ist in
vielen Fällen sicherlich möglich die Kausalitätskette, die zu dem
Fehltritt geführt hat, zu ‚entschlüsseln’. Da man aber im Nachhinein
die Ursachen eh nicht mehr beeinflussen und das Fehlverhalten
nicht rückgängig machen kann, dient eine Ursachenforschung
moralisch gesehen lediglich der Schuldzuweisung und Bestrafung.
Ursachenforschung ist zwar bei gravierenden Delikten juristisch
gesehen notwendig, wird aber von selbsternannten Moralaposteln
ebenfalls betrieben, woraufhin Menschen nicht selten dreifach
bestraft werden, was eine Problemlösung oft verhindert. Schon für
so Manchen war der Suizid der letzte Ausweg. Innerlich zerfressen
vom schlechten Gewissen und der psychischen Herausforderung,
die Reuegefühle zu verarbeiten, äußerlich zermürbt von der physischen
Bestrafung in Form von Haft, kommt obendrein noch die
Schuldzuweisung der ‚moralischen’ Seite, die Genugtuung fordert.
Moral ist eine der hauptsächlichsten Ursachen für blinde Rache
und der Forderung nach Wiedergutmachung.
Das Gefühl der Reue sorgt (zumindest in den meisten Fällen)
hingegen dafür, den Verhaltensfehltritt nicht zu wiederholen, weshalb
ich Reue für wichtig erachte. Die Reue, die ich allerdings
meine, ist die psychologische Verarbeitung und das „daraus lernen“
– Gefühl und nicht das theologische „Buße tun“, um sich von
moralischer Schuld zu befreien.
Schuld basiert auf der Annahme, der Mensch besäße einen
‚Freien Willen’. Freier Wille ist jedoch eine Illusion, welche suggeriert,
dass wir über unser Gehirn ähnlich verfügen können, wie
über unsere Körperteile. Es ist jedoch keineswegs so, dass das
Gehirn in irgendeiner Weise vom "ICH" abhängig wäre, sondern
das "ICH" ist umgekehrt vielmehr eine Konstruktion des Gehirns.
Treten gravierende Fehler in den entsprechenden neuronalen
Schaltkreisen auf, verliert das Individuum seine Ich-Identität. Es
fühlt sich entweder von „fremden Kräften gesteuert“ oder entwickelt
statt eines Ichs gleich mehrere, miteinander konkurrierende
Ich-Identitäten. Auch partielle Einschränkungen der Ich-Identität
sind klinisch belegt. So erleben manche Personen eigene Körper-
100 -
teile (etwa ihr rechtes Bein) nicht als „zu sich selbst gehörig“. Die
fixe Vorstellung, Jemand habe über Nacht das Bein eines Toten an
den eigenen Körper angenäht, treibt einige dieser Patienten zu
wahren Verzweiflungstaten: Lieber amputieren sie sich eigenmächtig
ihre Gliedmaßen, als dass sie weiter „mit dem Bein eines
Fremden“ durchs Leben schreiten. Das, was uns als Personen auszeichnet,
was wir denken, wie wir empfinden, was wir heben und
verachten, was uns erfreut und abschreckt, was wir können und
was uns beim besten Willen nicht gelingt etc. - all dies ist bestimmt
von neuronalen Prozessen, die unter unserer Schädeldecke
ablaufen, ohne dass wir dies (außerhalb eines neurologischen Labors)
wahrzunehmen vermögen.
Den alten Dualismus zwischen Körper und Geist beziehungsweise
Leib und Seele, der die abendländische Geschichte so stark
prägte, hat die Hirnforschung bereits jetzt überwunden: Die Belege
sprechen eindeutig dafür, dass es keinen über den körperlichen
Prozessen schwebenden Geist gibt. Wir müssen uns daher wohl
oder übel damit abfinden, dass Gedanken, für die es keine Hirnschaltmuster
gibt, nicht gedacht und Emotionen, die neuronal nicht
abgedeckt sind, nicht empfunden werden können. Doch die Irritation
geht weiter: So täuschen wir uns bereits, wenn wir meinen,
dass unser Wollen unserem Tun vorausgeht. Auch wenn es seltsam
klingt: Die Forschung hat gezeigt, dass wir in Wirklichkeit nur
dann etwas bewusst wollen, wenn wir es auf der Basis unbewusster
Prozesse ohnehin schon zu tun im Begriff sind. Noch bevor
sich etwa ein Schüler dazu entscheidet, sich zu melden, um dem
Lehrer mitzuteilen, dass er die Toilette aufsuchen möchte, hat sein
Gehirn bereits damit begonnen, die Bewegung des Arms vorzubereiten.
Nichts anderes geschieht, wenn man auf einer Party nach
einem Sektglas greift oder mit der Fernbedienung des Fernsehers
auf ein anderes Programm umschaltet.
Wir meinen vielleicht, uns in diesem Moment bewusst für etwas
zu entscheiden, in Wirklichkeit aber hat dieser Entscheidungsprozess
schon Millisekunden zuvor auf neuronaler Basis
stattgefunden.
- 101 -
"Wer also glaubt, dass er nach freiem Entschluss
des Geistes rede oder schweige oder irgendetwas tue,
der träumt mit offenen Augen."
Baruch de Spinoza (1632-1677)
Allerdings gibt es ebenso keine wirkliche Handlungsfreiheit. Der
Philosoph Michael Pauen definiert es folgendermaßen: "Wenn wir
das Handeln einer Person als frei bezeichnen, dann setzen wir
damit in der Regel voraus, dass die Person unter den gegebenen
Umständen auch anders hätte handeln können. Besteht diese Möglichkeit
nicht, dann sprechen wir normalerweise nicht mehr von
einer freien, durch die Person zu verantwortenden Handlung ..."
Das Problem, das mit dem "Prinzip der alternativen Möglichkeiten"
verbunden ist, ist offensichtlich: Es verlangt einen Riss im
universalen Kausalgefüge der Welt. Denn für materielle Körper
(oberhalb der Quantenebene) gilt notwendigerweise, dass identische
Ursachen auch identische Folgen nach sich ziehen. Wie also
könnte sich eine natürliche Person X zum Zeitpunkt Y unter den
just zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Bedingungen anders
verhalten, als sie sich de facto verhält?
Frei sein bedeutet, tun zu können, was man will - es bedeutet
nicht, zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas anderes wollen zu
können als das, was man will. Wer für Freiheit kämpft, der versucht,
innere und äußere Zwänge zu überwinden, die Handlungsfreiheiten
einschränken. Niemand wird seine "Freiheit" ernsthaft in
der Ursachenlosigkeit seines Willens erblicken, in dessen Loslösung
von äußeren Reizen und inneren, neuronalen Verarbeitungsmustern,
also in jenen Fiktionen, die mit der Idee der Willensfreiheit
notwendigerweise verbunden sind. Literaturnachweis #1
Was besonders zu Konflikten, Ängsten, Zorn, Hass und Verachtung
führt, ist die unwissenschaftliche Wahnvorstellung vom ‚Bösen’.
Das ‚Böse’ existiert im Menschen ebenso wenig, wie in der
Natur. Alle Tiere, vielleicht abgesehen von der Gattung Mensch,
erfüllen einen bestimmten Zweck und sind wichtige Bestandteile
im Gleichgewicht der Natur. Es existiert keine Unterteilung in gute
- 102 -
und böse Tiere, sondern lediglich der rohe, aus menschlicher Sicht
teils brutale Kreislauf des Lebens mit all seinen Formen und Variationen.
Als denkende Säugetierart ist der Mensch zwar in Gesellschaft
seines Gleichen in der Lage, der Brutalität der Natur durch ethische
Wertvorstellungen und Abschätzung seines Handelns größtenteils
zu entfliehen, wird aber in vielen Situationen nach wie vor
von seinen Urinstinkten geleitet. Diese Urinstinkte zeigen eine
Seite des Menschen, die ihm nicht gefällt, weshalb er das Tier in
sich nur allzu gern auf andere Tiere projiziert, womit wieder das
Thema Speziesismus zum Vorschein kommt.
So werden beispielsweise Wölfe in einigen Märchen als ‚das
Böse’ dämonisiert, was sich letztendlich in den Köpfen von Kindern
verankert. Auch in Filmen, der Musik, sowie im alltäglichen
Sprachgebrauch wird der Wolf sehr oft als Synonym für die ‚böse
Seite’ verwendet und schafft somit ein falsches Bild von ihm, was
in verschiedenen Teilen der Erde fast zu seiner Ausrottung geführt
hat. Ein Bild übrigens, welches sich bei den meisten Menschen bis
ins Erwachsenenalter hält.
(Auf gleiche Weise werden Kinder in Bezug auf Ehrfurcht
vor dem Glauben und der Bibel geprägt. Diese Gehirnwäsche
ist aus meiner Sicht gleichzusetzen mit schwerer, geistiger
Kindesmisshandlung.)
Der Wolf ist zwar zugegebener Maßen kein ungefährliches Raubtier,
jedoch ist er eine nicht zu unterschätzende Variable des natürlichen
Gleichgewichts.
"Das Caribou (Ren bzw. Rentier) ernährt den Wolf,
aber es ist der Wolf, der das Caribou stark hält."
Sprichwort der Inuit
Es geht im Grunde darum, dass Raubtiere (in diesem Fall der
Wolf) ausschließlich die kranken und schwachen Beutetiere reißen,
da sie leichter zu fassen sind, wodurch schließlich nur Tiere
mit guten Erbanlagen überleben und in der Lage sind sich fortzupflanzen.
Ein Grundprinzip der Evolution - „Natürliche Auslese“.
- 103 -
Es sei hiermit auch erwähnt, dass es nicht nur um den Wolf geht,
sondern auch um Krähen, Raben, Schlangen, Spinnen, Eulen u.v.a.
Es dürfte wohl kaum jemanden in Deutschland geben, der den
Medienrummel um den Berliner Eisbären "Knut" nicht mitbekommen
hat. So niedlich und knuddelig der kleine Racker auch
war, bleibt es dennoch eine Tatsache, dass Eisbären, ebenso wie
Flusspferde, welche gleichermaßen verniedlicht werden, mit zu
den gefährlichsten Tieren der Erde zählen. Andererseits ‚verteufelt’
man Tiere, welche für den Menschen harmlos und friedfertig
sind, nur weil sie nach Meinung vieler vielleicht nicht putzig genug
aussehen.
Dann gibt es noch die Sache mit der Verantwortung, welche mir
bezüglich Moral und Ethik besonders aufstößt. Ich frage mich
dann immer, wann die Menschen endlich lernen, Eigenverantwortung
für ihre Taten zu übernehmen, ebenso wie Verantwortung der
Person zuzusprechen, der sie tatsächlich gebührt, anstatt sie einem
unsichtbaren Geist anzuhängen. Ich möchte hier anhand von Beispielen
gern erklären, was ich im Einzelnen, vor Allem in Bezug
auf gute Dinge, damit genau meine.
Schul-, Hochschul- oder Abiturabschluss mit Gottes Hilfe
„Ich danke Gott, dass ich in der Lage war, es zu schaffen.“ - Was
für eine armselige Aussage ist das denn? Man büffelt stunden- und
tagelang für die Abschlussprüfungen, studiert Bücher und besucht
Seminare und am Ende fällt einem nichts Besseres ein, als zum
Himmel zu zeigen und die Anerkennung, die einem zusteht, einfach
abzugeben? Eine solche Aktion ist nicht einmal mehr bemitleidenswert.
Wie stark muss das eigene Selbstwertgefühl unter
dem Druck der Glaubensdoktrinen gelitten haben?
Die Absprache von Anerkennung an andere Menschen.
Ein besonders großes Ärgernis aus meiner Perspektive ist die Aberkennung
von Errungenschaften anderer Personen.
- 104 -
Jemand muss beispielsweise am offenen Herzen operiert werden.
Nachdem die Operation durch den Einsatz sachkundiger Chirurgen
und deren Arrangement zu einem, für den Patienten, positiven
Ende gelangt ist, wird von den Familienangehörigen leider immer
noch zu oft Gott dafür gedankt, ihn oder sie am Leben gelassen zu
haben. Eine solch unethische Denkweise hat sich dermaßen eingebürgert,
dass die Menschen den Satz „Gott sei Dank“ in nahezu
allen Lebenslagen verwenden, ohne darüber nachzudenken, was er
eigentlich bedeutet. Jahrhunderte wissenschaftlich-medizinischer
Forschungen sowie das Lernen, wie die Forschungsergebnisse
einzusetzen sind, machten es den Ärzten möglich, diesem Patienten
das Leben zu retten und die Anerkennung bekommt der große
unsichtbare Freund im Himmel? Widerlich !!!
Bei schlechten Dingen sieht es jedoch nicht anders aus. Wenn man
etwas getan hast, von dem man weiß, dass es falsch war, wenn
man beispielsweise jemandem Leid oder Schaden zugefügt hat,
dann sollte man verdammt noch mal auch die Verantwortung dafür
übernehmen. Man haftet ganz allein für sein Handeln.
Suche nach Vergebung von einem Gott, ist keine Lösung, denn
man muss lernen sich selbst zu vergeben. Man wird sich auch
nicht rausreden können, wenn man sagt, dass Gott einem dieses
oder jenes aufgetragen hat, oder dass man es für Gott tat. Dies sind
nur billige und feige Ausreden, die vor keinem wirklichen Gericht
bestand hätten.
5.3 Addenda
In diesem Abschnitt antworte ich auf ausgewählte Fragen, die mir
häufig gestellt wurden, stelle Gegenfragen und reagiere auf gemachte
Aussagen von Gläubigen.
Was ist mit dem Beweis von der Existenz bzw. Nichtexistenz
Gottes?
Es ist nicht möglich, die Existenz oder Nichtexistenz Gottes zu
beweisen. Man kann grundsätzlich nichts widerlegen, was nie
belegt wurde. Man kann sich nicht einfach etwas ausdenken und
- 105 -
dann von anderen erwarten, dass sie das Gegenteil beweisen. (Russell’s
Teekanne)
Selbst Atheisten können sich nicht sicher sein, dass es keinen
Gott gibt. Aber es spricht alles gegen eine solche Existenz.
Warum ist ein Beweis erforderlich? Warum nicht einfach glauben?
Gegenfrage: Warum ist Glaube erforderlich? Wir brauchen keinen
Glauben um Schwerkraft zu verstehen, Elektrizität oder Wind.
Warum bei Gott?
Warum den Glauben benutzen, um herauszufinden, was wahr
ist? Würdest du ihn irgendwo anders auch benutzen? Sollten Doktoren
ihn benutzen, um Krankheiten zu diagnostizieren oder mit
ihm bestimmen, was zu verabreichen ist? Sollten Richter bei Verhandlungen
ihren Glauben benutzen, um zwischen Schuld und
Unschuld zu entscheiden?
Reaktionen auf Aussagen und Fragen von Gläubigen
Aber es steht in der Bibel!
Ja, na klar. In der Bibel steht auch die Erde sei Flach, Kaninchen
sind Wiederkäuer, Fledermäuse sind Vögel, die Sonne bewegt sich
um die Erde und Epilepsie wird verursacht durch dämonische
Besessenheit.
Die Bibel ist wirklich keine glaubwürdige Quelle. Ich empfehle
dringendst die Bibel komplett zu lesen, anstatt einzelne Passagen
als das Wort Gottes zu predigen.
Als Ungläubiger fährst du zur Hölle!
Schön! Mal davon abgesehen, dass ich nicht an Himmel und Hölle
glaube und es somit eigentlich unsinnig ist, darüber zu argumentieren,
ist die Hölle, der Bibel nach, circa 100 Grad kühler als der
Himmel. Also sogar das Klima wäre besser. Demnach ist es nicht
unbedingt eine Drohung, wenn du mich fragst.
Mich würde folgendes interessieren. Glaubt ihr religiösen Menschen
wirklich, dass Ungläubige ewiges Fegefeuer verdienen?
Nennt ihr das Moral?
- 106 -
Stellt euch vor, ich wäre kein Atheist und würde an einen Gott
glauben, welcher bestimmt, dass jeder Mensch mit roten Haaren,
Hölle und ewige Verdammnis verdient und erfahren wird.
Ein anständiger und moralisch erzogener Mensch würde das
mit ziemlicher Sicherheit als unmoralisch deklarieren, womit er
Recht hätte. Gottes Position wäre diesbezüglich unmoralisch und
ich wäre demnach ebenso unmoralisch, weil ich diesem Gott folge.
Auch wenn kein Gott dahinter stünde, wäre eine solche Einstellung
aus ethischer, aber ebenso aus moralischer Sicht absolut nicht
vertretbar. Aber wenn im Leitwerk vieler Millionen Menschen
dazu aufgefordert wird, dass Ungläubige zu tote gesteinigt werden
sollen, scheint das wohl in Ordnung zu sein, oder? Also wer das
denkt ist definitiv ein schlechter Mensch. Wer als Gläubiger das
nicht denkt, stellt das ‚Wort Gottes’ in Frage.
(Kategorie: Scheinheiligkeit)
Dies ist ein Beispiel für die Absurdität und die falsche Moral,
welche sich in der Bibel offenbart und wonach sich so viele ‚moralische’
Menschen richten. Wir brauchen uns über den Hass und
dessen Auswirkungen in der Welt nicht wundern, denn die so
genannten ‚Heiligen’ Schriften mit ihren Hasspredigten, sind die
Wurzel allen Übels.
Wenn du nicht an Gott glaubst, ist dein Leben sinnlos. Warum
gibst du es nicht einfach auf und stirbst?
Für mich ist es das einzige Leben und das halte ich nun einmal
hoch.
Jetzt habe ich eine Frage an dich. Wenn du wirklich glaubst,
dass es ein noch besseres Leben nach diesem hier gibt, warum
wählst du nicht den Freitod, um schneller dahin zu gelangen? Ach
ja, stimmt, es ist gegen Gottes Willen. O.K.. Warum suchst du dir
nicht einen gefährlichen Job, wie Drogenbeauftragter der Mordkommission,
Teammitglied im Bombenentschärfungskommando
oder einfach Feuerwehrmann, wenn du dir so sicher bist? Du
könntest auf deinem Weg ins ‚Jenseits’ sogar noch ein paar Leben
retten.
- 107 -
Ich werde für dich beten!
Warum betest du zu einem allwissenden Gott? Sollte er nicht stets
wissen, was du denkst? Wofür betest du, wenn du für mich betest?
Dafür, dass ich genauso denke wie du? Was ist mit meinem (‚von
Gott gegebenen’) ‚Freien Willen’?
Ich kann Gott spüren!
Hast du je im Kino geweint? Hast du je eine Gänsehaut bekommen
oder ist dir je ein Schauer über den Rücken gelaufen, wenn du
etwas Überwältigendes hörst, wie beispielsweise ein Lied mit
einem besonders ergreifenden Text?
Nun, ich erfahre diese Dinge auch, aber ich bringe sie nicht mit
einem Gott, heiligen Geist oder Ähnlichem in Verbindung. Für
mich sind es Körperreaktionen aufgrund von hirngesteuerten Signalen,
welche durch das Ansprechen gewisser Reize ausgelöst
werden.
Die Annahme, dahinter stünde etwas übernatürliches, ist eine
Fehlinterpretation des Gehirns. Oder um es mit den Worten von
Douglas Adams auszudrücken:
„Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten schön ist, ohne dass
man auch noch glauben müsste, dass Feen darin wohnen?“
Fragen an Gläubige
Wo befindet sich die ‚Seele’ des Menschen?
Seelen haben keine Schmerz-, Hitze- und Kälterezeptoren, also
wie sollen sie in der Hölle leiden? Erinnerungen und Erkenntnisse
konnten bisher nur im Hirn (durch Vorfälle wie Amnesie, Gedächtnisverlust,
Koma) nachgewiesen werden. Nach einem Hirnschaden
gehen manchmal sogar sämtliche Informationen verloren.
Beim Tod des Menschen tritt relativ gleichzeitig der Hirntod ein.
Wie kommt die Seele an die Informationen, was mit ihr im Nachleben
geschehen wird, heran? Wo speichert sie diese Informationen?
- 108 -
72 Jungfrauen im ‚Paradies’?
Was wollen muslimische männliche Seelen mit 72 Jungfrauen
anfangen ohne…?
Was glauben wohl die Christen, wer sich im Himmel befindet?
Gandhi? Nun er war ein guter Mensch, lebte in Frieden, kämpfte
und starb für die Freiheit seines Volkes. Aber er war kein Christ
und wird somit wohl in der Hölle schmoren, oder?
Was ist mit Anne Frank? Eine mutige junge Frau, die sich während
des 3. Reiches vor der SS versteckte. Aber auch sie wird wohl
als Jüdin in die Hölle gekommen sein.
Oh ich weiß, wer im Himmel auf euch wartet. Nein nicht Hitler.
Ihm wurden zwar sicherlich vor seinem Tod all seine Sünden vergeben,
weil er darum mit Sicherheit bat, aber er tötete sich selbst,
was aus ihm wieder einen Kandidaten für die Hölle machte.
Nein, Schwerverbrecher, die vor ihrer Hinrichtung Gott um
Vergebung gebeten haben und somit von ihren Sünden befreit
wurden.
Warum heilt Gott keine Amputierten?
Stellt man die Frage, warum Gott, wenn es ihn gibt, sich nicht
einmischt, wenn irgendwo ein Unrecht geschieht, bekommt man
„Freier Wille“ oder „Die Wege des Herrn…“ zur Antwort. Aber
wie oft vernimmt man Aussagen, wie „Gott hat meine Frau geheilt“
oder „Ich habe es Gott zu verdanken, dass…“. Man bekommt
das Gefühl, Gott würde trotzdem ständig irgendwo eingreifen.
Nun frage ich mich, warum heilt er keine Amputierten? Warum
lässt er amputierte Gliedmaßen nicht nachwachsen? Es ist ja nicht
so, als ob er nicht die Macht dazu hätte.
Wunder geschehen immer wieder, heißt es, doch ein Wunder
wie das Nachwachsen von Gliedmaßen bei Säugetieren (dazu zählt
auch der Mensch), ist noch nie geschehen. Lediglich bestimmte
Eidechsenarten sind in der Lage bei Gefahr ihren Schwanz abzuwerfen,
woraufhin er wieder nachwächst.
Wenn er jetzt zumindest innere Krankheiten heilt, warum heilt
er den einen Krebspatienten und den anderen nicht? Warum heilt
- 109 -
er Personen, die ihr Leben gelebt haben und lässt Säuglinge und
Kleinkinder sterben?
Ich bin davon überzeugt, dass es im Glauben auf solche Fragen
keine rationalen Antworten gibt, wodurch der Glaube an sich irrational
wird.
- 110 -
- 111 -
6 WISSENSCHAFT
6.1 Allgemein
Der Grund, warum ich an dieser Stelle auf Wissenschaft* eingehe,
ist die Tatsache, dass viele Leute anscheinend immer noch nicht
wissen, was sie eigentlich ist. Ich bin es ehrlich gesagt Leid zu
hören, Wissenschaft behaupte, sie könne alles erklären. Genau das
ist eben überhaupt nicht der Fall, zumal Wissenschaft nicht alle
Bereiche abdeckt. Wo Wissenschaft nicht anwendbar ist, beginnt
der Bereich der Philosophie. Beide gehen jedoch Hand in Hand,
um sich gegenseitig zu stützen.
Obwohl die Wissenschaft in den letzten 200 Jahren unglaubliches
ans Tageslicht gefördert hat (nachdem Forschung und Entwicklung
Jahrhunderte lang vom Christentum unterdrückt und
verhindert wurde, was zu dem Wissensloch namens Mittelalter
führte), ist das, was sie erklären kann, noch immer voller Lücken
und lediglich nur ein geringer Teil dessen, was es zu erforschen
gibt. Trotzdem gilt, dass ein Mangel an Beweisen, kein Beweis für
einen Mangel darstellt. Außerdem beanspruchen die Religionen
für sich, den Zugang zum universellen und unbestreitbaren Wissen
zu besitzen. Von Seiten der Gläubigen wird für alles, was die Wissenschaft
‚behauptet’, ein Beweis eingefordert, während umgekehrt
ihrerseits mit dem Wort „Glauben“ jongliert und ein fiktives
Wesen als Beweis angeführt wird.
* Gemeint ist hier speziell die Naturwissenschaft, da die Theologie
(die Lehre von Gott) ungerechtfertigter Weise, da sie eine Pseudowissenschaft
ist, als Teil der Geisteswissenschaft dargestellt
wird und somit auch zum Bereich Wissenschaft gehören soll.
Natürlich sind hier noch viele weitere Forschungsarbeiten
notwendig, und ich habe keinen Zweifel, dass man sie in
Angriff nehmen wird. Aber solche Arbeiten würden nicht
getan, wenn die Wissenschaftler sich faul mit einem Automatismus
wie der Theorie des „Intelligent Design“ zufrie-
112 -
den geben würden. Ein imaginärer Vertreter des „Intelligent
Design“ könnte den Wissenschaftlern ungefähr Folgendes
sagen: „Wenn ihr nicht versteht, wie etwas funktioniert -
macht euch nichts draus. Gebt einfach auf und sagt, dass
Gott es gemacht hat. Ihr wisst nicht, wie ein Nervenimpuls
zustande kommt? Gut! Ihr versteht nicht, wie Erinnerungen
im Gehirn gespeichert werden? Ausgezeichnet! Die Photosynthese
ist ein atemberaubend komplexer Prozess? Hervorragend!
Bitte arbeitet nicht weiter an solchen Fragen!
Gebt einfach auf und beruf euch auf Gott! Lieber Wissenschaftler,
steck bitte keine
Arbeit in deine Fragestellungen! Gib uns einfach deine Rätsel,
die können wir gut gebrauchen. Verspiel nicht dein
kostbares Unwissen, indem du es durch Forschung verminderst.
Wir brauchen diese prachtvollen Lücken - als letzte
Zuflucht für Gott.“
Aus dem Buch „Der Gotteswahn“ von Prof. Richard Dawkins
Wo würde der Mensch heute stehen, wenn Wissenschaft und Forschung
nicht über Jahrhunderte hinweg Zielscheibe der monotheistischen
Religionen gewesen wäre? Die Ablehnung wissenschaftlicher
Erkenntnisse als eines der Hauptmerkmale, welches zum
Wesen einer jeden Religion dazugehört, sorgt allgemein für geistige
Umnachtung. Während der italienische Physiker, Astronom und
Mathematiker Galileo Galilei zum Symbol für den Konflikt zwischen
Glaube und Vernunft wurde, stellte der Philosoph, Mathematiker
und Astronom Giordano Bruno das Paradebeispiel dar,
wie die Kirche mit Widersachern, die sich der Wissenschaft verschrieben
haben, umging.
Durch den Glauben leben die Menschen in Unwissenheit
und die Forschung wird aufgehalten durch altertümliche Mythen.
Der Vorwurf vieler Gottgläubigen, Verteidiger der Wissenschaft
seien auch nur Gläubige, denn sie glauben an die Wissenschaft, ist
nur bedingt richtig. Der „Glaube“, den man an die Ergebnisse der
Wissenschaft hat, besitzt keine Absolutheit. Wenn überprüfbare
- 113 -
gegenteilige Hinweise vorliegen, welche wissenschaftliche Erkenntnisse
widerlegen, so werden diese Erkenntnisse korrigiert.
Der Bereich der Wissenschaft geht äußerst vorsichtig mit Wörtern
wie absolut, unwiderlegbar, Fakt oder Wahrheit um. Oft basiert
Ablehnung wissenschaftlichen ‚Wissens’ nicht auf mangelndem
Glauben, sondern vielmehr auf mangelndes Verständnis, Ignoranz
oder sogar Stupidität.
Zu behaupten, etwas sei lediglich eine Theorie, zeugt von Unwissen
darüber, was in der Wissenschaft als Theorie bezeichnet
wird und wie sich eine wissenschaftliche Theorie von Alltagstheorien
unterscheidet. Zu behaupten die Sonne sehe kühl aus, heißt
noch lange nicht, dass sie auch kühl ist.
Zwei besonders gute Paradigmen zu diesem Thema fand ich in
Dr. Michael Schmidt-Salomon’s Buch „Manifest des evolutionären
Humanismus“
· Über den religiösen Glauben: Du wirst dran glauben (was
wir dir als absolute Wahrheit verkünden) oder du wirst
dran glauben müssen (eines gewaltsamen Todes sterben)!
· Über den Unterschied beim glauben: Während Wissenschaftler
wissen, dass sie nur etwas ‚glauben’ (= für
‚wahr’ halten), was heute angemessen erscheint, morgen
aber möglicherweise schon überholt ist, glauben Gläubige,
etwas zu wissen, was auch morgen noch gültig sein
soll, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist.
Es scheint ungeheuer schwer für manche zu sein, mal im Lexikon
nachzuschlagen oder auf Wikipedia das Wort "Naturwissenschaft"
einzugeben, um zu erfahren, wie sie definiert ist und wofür sie
steht. Da das Wissen und die Erkenntnisse dieses Buches zu einem
großen Teil auf wissenschaftliche Forschung basiert, halte ich es
für wichtig, diese Lehre ins rechte Licht zu rücken, um Missverständnisse
auszuschließen oder zumindest zu minimieren.
Also, speziell Naturwissenschaft ist ein System zur Erweiterung
des Wissens in den Bereichen Biologie, Chemie und Physik, und
beschreibt gleichzeitig die Gesamtheit aller Kenntnisse. Durch
- 114 -
methodisches Suchen (Forschung) wird bereits erlangtes Wissen
mit neuen Erkenntnissen komplettiert, berichtigt oder manchmal
sogar verworfen. Es existiert keine Absolutheit. Publiziertes Wissen,
welches als Erklärung dient, kann jederzeit durch neue Forschungsergebnisse
und Entdeckungen revidiert werden und so zu
einer veränderten Erklärung oder Beschreibung führen. Eine absolute
Wahrheit gibt es somit nicht.
Da das menschliche Gehirn, trotz seiner Fähigkeiten, sehr beschränkt
ist, sind auch die Kenntnisse und das Wissen, welches
erworben wird, beschränkt. Die Naturwissenschaft wächst daher
sozusagen mit den menschlichen Fähigkeiten im Laufe der Entwicklung.
Außergewöhnliche Köpfe, wie Galileo Galilei, Isaac
Newton, Charles Darwin, Albert Einstein u.v.m, sorgen von Zeit
zu Zeit für einen gewaltigen Sprung nach vorn.
In den Naturwissenschaften werden aufgrund von Beobachtungen
Hypothesen (vermutete Annahmen) aufgestellt, die es zu bekräftigen
oder zu widerlegen gilt. Oft existieren zu einem bestimmten
Sachverhalt mehrere Hypothesen. Ziel der Wissenschaftler ist es,
anhand von Experimenten, Erfahrungswerten, Vernunft und Logik,
die Schlüssigste zu ermitteln und zu examinieren und dann, anhand
der Ergebnisse, die Forschung weiter fortzuführen.
Wichtigstes Grundprinzip der Wissenschaft ist „Ockham’s Rasiermesser“.
Es handelt sich um ein Sparsamkeitsprinzip, welches
besagt, dass von mehreren Hypothesen oder Theorien, die den
gleichen Sachverhalt zu erklären versuchen, die einfachste zu
bevorzugen ist.
Ein Beispiel: Ein altes Holzhaus ist aus noch ungeklärten Gründen
in sich zusammen gestürzt.
These 1: Weil der darin wohnende Poltergeist wütend wurde und
er im Verlauf seines Wutausbruchs das Haus zerstörte.
These 2: Das Haus war von Termiten so zerfressen, dass die Stützbalken
nachgaben und das Haus einbrach.
- 115 -
Bei der 1. These wurde eine weitere (nicht zu belegende) These
(Existenz eines Poltergeistes) hinzugenommen. Die 2. These hingegen
vermutet eine Ursache (Existenz von Termiten, Termiten
zerstören Holz), die nicht erst belegt werden muss. Inwieweit der
Einsturz tatsächlich von Termiten verursacht worden ist, lässt sich
schnell und einfach Nachweisen. Bei der 1. These müsste zuerst
geklärt werden, inwiefern so etwas wie ein Poltergeist überhaupt
existiert. Erst dann könnte man sich daran machen, einen Poltergeist
als Einsturzursache nachzuweisen. Demzufolge ist die 2.
These zu bevorzugen.
Das Problem mit den wissenschaftlichen ‚Beweisen’
Wer das Wesen der Wissenschaft und ihre Arbeitsweisen verstanden
hat, weiß, dass es „wissenschaftlich bewiesen“ nicht gibt. Bis
aus einer Hypothese (Idee, vermutete Annahme) eine verlässliche
Theorie (Grundlagenfundament, Framework) wird, bedarf es einer
Menge Belege, Experimente und Wahrscheinlichkeitsrechnungen.
Das eigene Zugeständnis Beschränkungen zu unterliegen, sowie
die Anerkennung von Unwägbarkeiten, gewährleistet die Wandelbarkeit,
Anpassungsfähigkeit und vor allem die Fähigkeit zur Weiterentwicklung
wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Die Kehrseite
Egal ob in den Bereichen Physik, Chemie oder Biologie - Erkenntnisse,
Entdeckungen und Erfindungen besitzen stets das Potential
missbraucht zu werden. Alle Bereiche der Naturwissenschaften
finden beispielsweise Anwendung in der Militär- und Waffentechnologie,
der biologischen Kriegsführung und in der Zerstörung der
Natur, welche die Wissenschaft ja eigentlich erklären will.
Ebenso werfen die Vorgehensweisen bestimmter Zweige nicht
selten einen Schatten auf die Wissenschaft. Tierexperimente und
verwerfliche Zuchtergebnisse sind da nur der Gipfel des Eisbergs.
Ausbeutungen anderer Spezies für das eigene Wohlergehen ist
selbst im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts nicht Akzeptabel.
- 116 -
6.1 Evolution
Wie im ersten Kapitel angekündigt, wieder zurück zum Thema
Evolution. Ich hatte bereits erwähnt, dass Evolution nichts anderes
bedeutet als Entwicklung. Die darin enthaltenen Prinzipien sind,
denke ich, recht gut bekannt: „Natürliche Auslese“, „Überleben
des Bestangepassten“, „Eigennutz“ u.s.w. Ein Prinzip allerdings ist
besonders allgegenwärtig, und zwar das „Halten des Status Quo“.
Mit diesem Prinzip lässt sich nicht nur die enorme Größe der
Dinosaurier erklären (Herbivoren wurden größer, weil sich diejenigen
besser vermehren konnten, die an die Nahrung in großer
Höhe heranreichten - Karnivoren wurden parallel dazu größer, um
die größer gewordenen Herbivoren weiterhin jagen zu können),
sondern auch der Rüstungswettstreit des kalten Krieges, der Computerwettlauf
zwischen Softwarekomplexität und Hardwareausstattung,
aber auch die stetige Anpassung religiöser Dogmen an
eine immer mehr aufgeklärte Gesellschaft (Einbau wissenschaftlicher
Erkenntnisse in die Religions’lehren’ - Entwicklung zur Religion
Light).
Die beiden letzten Beispiele haben natürlich nichts mit der von
Charles Darwin veröffentlichten Evolutionstheorie zu tun. Es besteht
ebenfalls ein Unterschied zwischen Evolution und Evolutionstheorie.
Auch meinen vielleicht viele, Darwin’s Theorie hätte
etwas mit der Entstehung des Lebens zu tun und konfrontieren
Darwinisten deshalb mit der Schöpfungsthese.
Aus diesem Grund habe ich hier noch einmal die groben Unterschiede
zusammengefasst.
· Evolution - (setzt Leben voraus) beschreibt die Veränderung
der genetischen Merkmale einer Population von Lebewesen
von Generation zu Generation durch Mutationen
der in der DNA enthaltenen Erbinformationen. Sie ist
wissenschaftlich ‚erwiesen’ und somit Fakt.
· Evolutionstheorie - (setzt Leben voraus) erklärt die Entstehung
der Arten als Ergebnis der Evolution. Sie ist ge-
117 -
bunden an den Wissensstand des Menschen sowie dem
Stand der Forschung auf diesem Gebiet.
(Zu Missverständnissen führt häufig das Wort Theorie, da
man dabei im allgemeinen Sprachgebrauch von einer bis dato
nicht erwiesenen Annahme ausgeht. So etwas bezeichnet man
aber in der Wissenschaft als Hypothese und nicht als Theorie.
Eine wissenschaftliche Theorie stellt, im Gegensatz zu Alltagstheorien,
ein durch Beobachtungen und empirische Prüfungen
erworbenes Bild bzw. Konstrukt der Realität dar. Sie ist eine
geprüfte Grundstruktur; das höchstmöglichste Ergebnis der
Wissenschaft. Da im Laufe der Zeit neue Erkenntnisse Einfluss
finden, spricht man statt von einer unwiderlegbaren Tatsache
von einer Theorie.)
· Chemische Evolution - beschreibt die Entstehung lebender
Materie aus lebloser Materie (Abiogenese). Hierbei
handelt es sich um eine Hypothese.
· Soziokulturelle Evolution - bezeichnet Theorien der kulturellen
und sozialen Evolution, die beschreiben, wie sich
Kulturen und Gesellschaften im Laufe der Menschheitsgeschichte
entwickelt haben.
Ich möchte noch anmerken, dass Evolution hypothetisiert und
erforscht wurde, lange bevor Charles Darwin das Thema aufgriff.
Bereits im vorzeitlichen Griechenland gab es Ideen der gemeinsamen
Abstammung und Veränderung von Arten. Darwin war allerdings
der Erste, der beschrieb, wie es geschah.
Eine der häufigsten Missinterpretationen der Evolution ist die
Aussage „Der Mensch stammt vom Affen ab“.
Zunächst ist es nun einmal so, dass der Mensch selbst ein Affe
ist.
- 118 -
Systematik des Menschen:
Klassifikation: Lebewesen
Domäne: Eukaryoten
Reich: Tiere
Unterreich: Vielzeller
Abteilung: Gewebetiere
Unterabteilung: Bilateria
Überstamm: Neumünder
Stamm: Chordatiere
Unterstamm: Wirbeltiere
Überklasse: Kiefermäuler
Reihe: Landwirbeltiere
Klasse: Säugetiere
Unterklasse: Höhere Säugetiere
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Primaten
Unterordnung: Trockennasenaffen
Teilordnung: Altweltaffen
Überfamilie: Menschenartige
Familie: Menschenaffen
Tribus: Echte Menschen
Gattung: Menschen
Art: Homo sapiens
Er stammt aber nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, von
einem der derzeitig lebenden Menschenaffen ab, sondern er teilt
sich mit ihnen einen gemeinsamen Vorfahren.
Bei Gesprächen mit verschiedenen Kreationisten kam des Öfteren
die Aussage: „Wenn wir nun vom Affen abstammen, warum
gibt es dann immer noch Affen?“ Abgesehen davon, dass eine
solche Aussage das mangelnde Wissen über Evolution durchblicken
lässt, habe ich als Antwort gegeben: „Nun, wenn der Amerikaner
(damit ist die dort lebende Mehrheit gemeint) vom Europäer
abstammt, warum gibt es dann noch Europäer?“ Rückblickend
hätte ich vielleicht besser folgendermaßen argumentieren sollen:
- 119 -
„Wenn der Panda von den Bären (Familie) abstammt, warum gibt
es dann immer noch Bären?“ Der große Panda unterscheidet sich
(wie der Mensch von anderen Primatenarten) gravierend von seinen
‚Vettern’. Er ist zwar kein reiner Pflanzenfresser, ernährt sich
aber zu über 90% von Pflanzen, während Bären wie der Grizzlybär
oder Eisbär fast ausschließlich tierische Nahrung zu sich nehmen.
Pandas halten im Gegensatz keine Winterruhe und sie können
nicht zweibeinig stehen.
Jeder mit etwas gesundem Menschenverstand erkennt, wie
absurd die Aussage eines Kreationisten sein kann.
„Evolution ist eine Theorie basierend auf Zufall. Wenn du an Evolution
glaubst, willst du damit sagen, dass wir durch einen Unfall
entstanden sind?“
Nein. Global kann man die Entwicklung des Lebens auf der
Erde als zufällig entstanden betrachten, nicht aber aus wissenschaftlicher
Sicht. Zufall erklärt nämlich nicht was in der Natur
wirklich geschieht. Dafür existieren verschiedene Naturgesetze.
Wenn man beispielsweise ein Buch fallen lässt, kann man nicht
davon sprechen, dass es zufällig herunterfällt. Die Gravitation
(innerhalb der Erdatmosphäre auch Schwere genannt), eine der
vier Grundkräfte der Physik, lenkt alles in Richtung der nächstgelegenen
schwereren Masse. In diesem Beispiel fällt das Buch,
aufgrund der Anziehungskraft der Erde, anstatt aufzusteigen.
(Anmerkung: Masse ist nicht zu verwechseln mit Gewicht.
Sie ist eine Grundeigenschaft eines jeden Körpers, während
Gewicht abhängig ist von der umgebenden Schwerkraft.)
Würde man das Buch in die Luft werfen, bewegt es sich aus unserer
Perspektive chaotisch, und beschreibt zufällige Drehungen.
Dem ist aber nicht so. Aufgrund verschiedener physikalischer
Kräfte wie Reibung (Luftwiderstand) und Geschwindigkeit, welche
durch einen solchen Wurf auf das Buch einwirken, und der
daraus errechenbaren Parabel, sind der Weg und die Bewegungen
des Buches eine vorgeschriebene Größe und Notwendigkeit, kein
Zufall.
- 120 -
Die in der Evolution entstehenden Variationen aufgrund von natürlicher
Mutation sind sehr gering. So gibt es zwar kleine und große
Menschen, aber es können, zumindest in einem Zeitfenster von ein
paar hundert Jahren, keine Menschen von der geringen Größe
einer Maus oder der großen Größe einer Giraffe entstehen. Die
noch immer nicht abgeschlossene Rückbildung der Kiemen zum
Beispiel, deren Spalten im anfänglichen embryonalen Status eines
jeden Menschen noch vorhanden sind, benötigt u.a. Millionen von
Jahre.
Im Internet sind Videos so sehen, in denen Kreationisten retuschierte
Bilder von Tieren zeigen, welche ihrer Meinung nach
aufgrund der Evolution existieren müssten (Bsp.: Ente mit Krokodilskopf).
Das zeigt, dass nicht Evolution und Evolutionstheorie das Problem
sind, sondern mangelndes Verständnis, mangelnde Aufklärung
und Ignoranz.
Dieselben Personen bringen in ihrer Naivität und Unwissenheit
eine Behauptung in Umlauf, wie sie widersprüchlicher, lächerlicher
und abstruser gar nicht hätte sein können. Es geht um den so
genannten „Alptraum der Atheisten“ (The Atheist Nightmare).
Ray Comfort und Schauspieler Kirk Cameron bezeichnen die
Existenz der Banane, aufgrund ihrer Eigenschaften wie Geschmack
und Form sowie ihrer Passgenauigkeit in die menschliche
Hand, als Beweis für eine Schöpfung durch einen Gott.
Nun ja, die Banane passt in viele Spalten und Öffnungen, aber
was wäre dann mit einer Ananas? Beweist sie die Nichtschöpfung?
Besser noch, wie wäre es mit einer Kokosnuss, die man ohne
Hilfsmittel kaum aufbekommt.
Eine kleine Passage aus Douglas Adams’ (Per Anhalter durch die
Galaxis) zoologischem Werk „Die Letzten ihrer Art“ passt hier
wie die Faust auf’s Auge und ich möchte sie nicht vorenthalten.
Gedanken auf den Komodo-Inseln:
Meinem rationalen westlichen Intellekt und meiner Erziehung
zum Trotz überkam mich in diesem Augenblick das
- 121 -
Gefühl, in einer archaischen Welt zu leben, die von einem
heimtückischen, perversen Gott regiert wurde, und trübte
meinen Blick auf alles, was ich an diesem Nachmittag sah -
sogar die Kokosnüsse. Die Dorfbewohner verkauften uns
ein paar und schlugen sie für uns auf. Kokosnüsse sind nahezu
perfekt konstruiert.
Zuerst bohrt man sie an und trinkt die Milch, dann
schlägt man die Nuss mit einer Machete auf und schneidet
ein Stück Schale ab, das als Werkzeug zum Herausschneiden
des Kokosnussfleisches dient. Was einen an dem verantwortlichen
Götterwesen verwundert, ist, dass es etwas
zum menschlichen Gebrauch dermaßen perfekt geeignetes
erfindet und es dann in sieben Metern Höhe an einem astlosen
Baum aufhängt.
„Ich hab mir etwas Kniffliges einfallen lassen, mal sehen,
wie sie damit klarkommen. Oh, sieh mal einer an, sie
haben herausbekommen, wie man auf die Bäume klettert.
Hätte ich ihnen nicht zugetraut. Na fein, mal sehen, wie sie
das Ding aufkriegen, Hmm, jetzt haben sie also auch noch
spitzgekriegt, wie man Stahl härtet. Also gut, Schluss mit
der netten Tour. Wenn sie das nächste Mal auf diesen Baum
klettern wollen, wird sie unten ein Drache erwarten.“
Die Geschichte mit dem Apfel muss ihn doch mehr verärgert
haben, als ich gedacht hatte.
Ungeachtet dessen ist die Banane, wie wir sie heute kennen, eine
Schöpfung des Menschen. Sie wurde innerhalb der letzten paar
tausend Jahre kultiviert und gezüchtet, was ihr den heute bekannten
Geschmack und die derzeitige Form einbrachte. Die ursprüngliche
Wild-Banane (siehe Foto Seite 116), hat aufgrund der vielen
großen Samen im inneren nur wenig Fruchtfleisch.
Es ist äußerst traurig, dass Menschen Behauptungen aufstellen,
ohne vorher recherchiert zu haben. Noch trauriger ist allerdings die
Tatsache, dass man damit öffentlich im Fernsehen auftritt, von den
Menschen ganz zu schweigen, die so etwas dann auch noch glauben.
- 122 -
Noch eines wäre wichtig zu erwähnen. Evolution hat nichts mit
Atheismus zu tun. Wenn ein Atheist nicht ausreichend Wissen
darüber besitzt, was Evolution ist und wofür sie steht, und sich
deshalb nicht darüber äußern kann oder will, bleibt er trotzdem ein
Atheist, solange er nicht den Glauben an einen Gott oder an Götter
inne hat. Der Glaube an „Intelligentes Design“ bzw. der „Schöpfungsthese“
schließt die Existenz eines Gottes als Schöpfer ein,
wonach jemand, der daran glaubt, definitiv kein Atheist ist. Deshalb
wird die Evolution als Gegenpol zur Schöpfungsthese sehr oft
mit Atheismus in Verbindung gebracht.
Andererseits gibt es aber auch viele religiöse Menschen, welche
die Evolution inzwischen als Fakt akzeptieren. Dies widerspricht
allerdings dem „geschriebenen Worte Gottes“ (Bibel) als Glaubensgrundlage
und somit der gesamten Gottesvorstellung als solches.
Diese Leute kennzeichnen sich mit jener Auffassung selbst
als Scheinheilige und Heuchler. Eine Aussage wie: „Gott ist der
Initiator der Evolution“ ändert daran auch nichts. Es ist lediglich
der klägliche Versuch, moderne Wissenschaftserkenntnisse mit
dem eigenen Glauben in Einklang zu bringen, um weiter glauben
bzw. aus Sicht der Religionen, die Menschen weiterhin steuern
und manipulieren zu können.
- 123 -
Noch eines zum Abschluss. Wer meint, Evolution sei nur eine
Theorie, sollte wissen, dass Gravitation auch nur eine Theorie ist.
6.3 Der Tod
Der Tod ist einer der elementarsten Gründe für den Glauben an
einen Gott und für die Vorstellung vom ewigen Leben. Wie alles
andere im religiösen Glauben, so wird auch der Tod personifiziert.
Da er allgemein negativ empfunden wird, erklärt man ihn zugleich
auch noch zum Feind und versucht ihm zu entrinnen.
Was aber ist der Tod? Warum bereitet er vielen Menschen Angst?
Warum ist er immer noch ein Tabuthema in einer so aufgeklärten
und fortschrittlichen Gesellschaft?
Philosophen und Wissenschaftler beschäftigen sich nach wie
vor mit diesen Fragen, die selbstverständlich auch mich beschäftigen.
Nicht nur weil es mich irgendwann auch treffen wird, sondern
vielmehr aufgrund der Tatsache, dass der Tod aus meiner Perspektive
vermutlich etwas anderes darstellt, als beispielsweise aus Sicht
eines Gläubigen. Trotzdem muss ich anmerken, dass meine Vorstellung
vom Tod nicht unbedingt mit der allgemeinen Sichtweise
von Nichtgläubigen konform geht.
Anders als der Sterbeprozess, ist der Tod nicht Bestandteil des
Lebens, sondern beschreibt vielmehr die Abwesenheit von Leben.
Er ist jedoch Bestandteil des Lebenskreislaufs. Ohne den Tod gäbe
es nämlich gar kein Leben, denn damit ein Lebewesen leben kann,
muss ein anderes sterben.
Aus wissenschaftlicher Sicht beschreibt der Tod den Zustand
nach Beendigung des Lebens. Er beendet es aber nicht nur, sondern
vollendet es vielmehr und ist nach einem mehr oder weniger
langen Zeitraum unausweichlich für alle Lebewesen dieses Planeten.
Die sehr oft angesprochene Angst vor dem Tod ist unlogisch.
Warum sollte man sich vor etwas fürchten, von dem man weiß,
dass es unausweichlich ist? Das macht keinen Sinn. Der Selbster-
124 -
haltungstrieb als biologischer Grundinstinkt, schützt zwar in gewissem
Maße vor einem vorzeitigen Ableben, aber erreicht wird
der Zeitpunkt des Sterbens definitiv. Eine Angst vor dem Sterbeprozess,
ist hingegen eher nachvollziehbar. Wer wünscht sich
nicht, zum Lebensende friedlich ‚einzuschlafen’, anstatt sich
krankheitsbedingt zu quälen? Wer hat sich nicht schon Gedanken
gemacht, wie es wäre zu ertrinken, aus großer Höhe zu Tode zu
stürzen, zu ersticken oder bei lebendigem Leibe zu verbrennen?
Diese Gedanken, verbunden mit gemachten Erfahrungen aus dem
eigenen Umfeld, sind es schließlich, die eine Vielzahl der Phobien,
wie Wasserscheu (Hydrophobie), Höhenangst (Akrophobie), Erstickungsangst
(Pnigophobie) u.v.m, hervorrufen. Wichtig ist nur,
sein Leben nicht von solchen Ängsten dominieren zu lassen.
Was passiert mit uns nach dem Tod?
Wir verrotten. Energie geht nicht verloren, deshalb glauben
Theisten an so etwas wie eine Seele, eine Essenz des Lebens, die
weiterlebt. Grundlegend betrachtet ist dies seltsamerweise nahe an
der Wahrheit. Nur mit der Einschränkung, dass diese „Energie“
nicht in Form anderer Personen oder Lebewesen wiedergeboren
wird, oder im Himmel bzw. der Hölle landet, sondern umgewandelt
wird. Es ist nichts anderes wie ein chemischer Prozess.
Wird ein Mensch nun kremiert (eingeäschert), wandelt sich
dessen chemische Energie (Bioenergie) in Wärmeenergie, welches
ebenfalls eine Form der chemischen Energie darstellt.
Bei einer Erdbestattung liefern die Überreste biologischen Gewebes
Nahrung für Kleinstlebewesen und Bakterien, welche wiederum
Nahrung für andere Organismen darstellen. Bei einem solchen
Verwesungsprozess wird also im übertragenen Sinne die
Lebensenergie buchstäblich übertragen.
Das Wesen des Menschen an sich, also sein Bewusstsein oder
auch Seele, geht dabei verloren. Der so genannte Geist des Menschen
ist wie ein leerer Computer, der durch jahrelange Fütterung
mit Daten (durch Erziehung und Erfahrung) erst zu dem wird, was
wir Bewusstsein nennen. Einzig speziesbezogene, im Erbgut der
- 125 -
Eltern enthaltene, grundlegende Instinkte, sind bereits als "Basisbetriebsprogramm"
verfügbar.
Bestes Beispiel dafür sind so genannte Wolfskinder, welche
isoliert von der menschlichen Gesellschaft in der Wildnis von
anderen Tieren großgezogen werden. Sie entwickeln weder Sprache
noch lernen sie aufrecht zu gehen. So taktlos, wie es vielleicht
jetzt klingen mag, aber sie sind der beste Beweis dafür, dass Gottglaube
bzw. überhaupt der Glaube an mystische Wesen und Religiosität
keine angeborenen Merkmale des Menschen, sondern
Ergebnisse der elterlichen Erziehung sind.
Den Tod als Realität zu akzeptieren, ist für viele Menschen nicht
leicht. Dies ist wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum der
Mensch sich über ein transzendentes Leben nach dem Tode Gedanken
macht. Es ist aber vermutlich nur eine Fantasievorstellung,
da nie jemand aus dem ‚Reich der Toten’ zurückkam, um darüber
zu berichten. Menschen, die nach einem Herzstillstand wiederbelebt
werden oder aus einem Koma erwachen, haben den Zustand
Tod nie erreicht. So genannte Nahtoderfahrungen heißen nicht
umsonst „Nahtod“-Erfahrungen. Der biologische Tod, also der
tatsächliche Todeszustand, tritt erst ein, wenn sämtliche Organe
(inklusive des Gehirns) und Zellen keine Funktion mehr aufweisen.
Meines Erachtens ist es näher an der Realität, den Tod als ein
dauerhaftes Nichts zu sehen, als ein Leben nach dem Tod oder
eine Reinkarnation (Wiedergeburt) zu vermuten. Auch bei diesem
Thema ist die Anwendung des Sparsamkeitsprinzips „Ockham’s
Rasiermesser“ ein Muss.
Ende der 90er Jahre ließ ich mich einer Nasenoperation zur
Begradigung meiner Nasenscheidewände unterziehen, da ich Zeit
meines Lebens von regelmäßigen Grippeinfekten geplagt wurde
und kaum durch die Nase atmen konnte. Für diesen Eingriff bekam
ich eine Vollnarkose (Anästhesie). Da es für mich das erste Mal
war, hatte ich keine Vorstellung davon, wie so etwas empfunden
wird. Irgendwie stellte ich es mir vor, wie tief schlafen. Ich weiß
- 126 -
zwar nicht genau, wie lange die Operation gedauert hat, aber es
kam mir vor, als wäre ich nur wenige Sekunden ‚weg’ gewesen.
(Bei einer Vollnarkose werden durch Lähmung des zentralen Nervensystems
das Bewusstsein, das Schmerzempfinden, die Reflexe
und die Muskelspannungen kontrolliert abgeschaltet.)
Die Zeit, in der ich mich in dieser Art Bewusstlosigkeit befand,
war für mich nicht wirklich existent. Es war vielmehr ein Abschnitt,
welcher wie eine verpatzte Szene beim Film, aus meinem
Leben herausgeschnitten wurde. Alles lief währenddessen unverändert
weiter; das Leben, das Universum, die Zeit u.s.w, nur ich
nahm für einige Stunden nicht daran teil. So ungefähr stelle ich
mir den Zustand Tod vor. Lediglich mit der Einschränkung, dass
der Tod dauerhaft ist und man am Ende nicht irgendwo im Krankenhaus
(oder im Himmel) wieder aufwacht.
Für mich ist dieses Nichts eher ein sicherer, friedlicher und
beruhigender Zustand, welcher in mir eine kleine Sehnsucht entfacht.
Was wir im Leben alles erfahren müssen, sind nicht nur
schöne und befriedigende Dinge. Das Leben ist ebenso ein Leidensweg,
gepflastert mit Enttäuschung, Entbehrung und Schmerz,
wohingegen dieses Nichts an dessen Ende eine Art ‚Genugtuung’
oder ‚Belohnung’ darstellt. Ein endloses Weiterleben in einem
‚Jenseits’ oder ‚Himmel’, so schön es vielleicht auch sein möge,
wäre mir eher ein Gräuel. Das Einzige, was ein Mensch nach dem
Leben braucht, ist Frieden.
Da der Tod für einen Atheisten wie mich das Ende bedeutet,
steht das Leben, dessen Erfüllung und
das Streben nach einem Sinn, im Mittelpunkt.
Freitod und Sterbehilfe
Es sind die ständigen Erwähnungen der so genannten ‚Würde des
Menschen’, die bei mir immer eine Art bitteren Nachgeschmack
hinterlassen. Zum einen weil diese Würde sich der Mensch selbst
zugesprochen hat, um sich in der Natur von anderen Lebewesen zu
- 127 -
unterscheiden, und zum anderen, weil sie oft willkürlich als Grund
für verschiedene Maßstäbe herhalten muss. Was sich wirklich
zwischen dem Menschen und anderen Tieren unterscheidet, ist die
psychische Entscheidungsmöglichkeit verbunden mit der physischen
Handlungsfähigkeit des Menschen, sich selbst zu töten,
während eine Verwehrung ein Eingreifen in die persönliche Freiheit
des Individuums und somit ein Angriff auf jene Würde bedeutet.
In Deutschland ist als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts
der Suizidversuch, ebenso wie die Beihilfe, zumindest nicht strafbar.
Was mich aber ärgert, ist die Tatsache, dass einem Menschen,
der sterben möchte, jegliche Hilfe seitens der Gesellschaft und vor
allem seitens der Medizin, durch den Einfluss von Politik und
Religion, verwehrt wird. Leidenden Tieren gewährt man Erlösung
vom Leid, während Menschen indirekt gefoltert werden. Man
bedenke, dass Leid auch nicht nur physischer Art (Schmerzen)
sein muss. Natürlich dürfen die Auswirkungen eines Suizids auf
das Umfeld nicht außer Acht gelassen werden, aber jemand, der
sich wirklich selbst das Leben nehmen will, wird es ohnehin tun.
Wäre es nicht angebrachter, ihm die Möglichkeit zu bieten, sich
von Ärzten ‚würdevoll’ einschläfern zu lassen, anstatt sich zu
erhängen? Müssen unbedingt andere Menschen in Mitleidenschaft
gezogen werden, wie zum Beispiel ein Lokführer, der lebenslange
psychische Probleme davontragen kann, weil sich jemand vor
seinen Zug geworfen hat? Wo bleibt der Schutz der Menschenwürde
für diese Personen? Müssen Menschen, die unheilbar krank
sind, unglaubliche Leiden ertragen müssen oder unwürdig dahin
siechen, auf biegen und brechen am Leben erhalten werden, anstatt
ihnen einen würdigen Abgang zu gestatten?
Ich persönlich bin ein Befürworter der Legalisierung der Aktiven
Sterbehilfe*, welche sich aber nicht nur auf Patienten begrenzen,
sondern jedem zur Verfügung stehen sollte, der es wünscht (nach
psychologischer Beratung versteht sich). Während in Luxemburg
bereits einem Gesetz zur Legalisierung zugestimmt wurde, in den
Niederlanden und der Schweiz diese Maßnahme zwar verboten,
- 128 -
aber straffrei ist, wird hier in Deutschland noch über die so genannte
‚Menschenwürde’ debattiert.
* Aktive Sterbehilfe ist eine von Ärzten überwacht und durchgeführte
Tötung auf Verlangen, durch Verabreichung einer Überdosis
von Schmerz-, Beruhigungs- oder Narkosemittel.
- 129 -
NACHWORT
Der Mensch fürchtet das Unbekannte. Deshalb erdenkt er sich
irrationale Antworten auf Fragen, auf die er momentan keine rationalen
Antworten hat, um seine Furcht zu schmälern.
Im Vergleich zur Unfassbarkeit der Größe des Universums und
dessen Dimension von Zeit, nimmt sich der Mensch, als ein unbedeutend
winziger Teil so dermaßen wichtig, dass man das Gefühl
bekommt, er hält sich selbst für diesen Gott, den er als ach so anbetungswürdig
predigt.
Obwohl ich bei meinen Ausführungen in Bezug auf Religion
und Glauben versucht habe ernst zu bleiben, muss ich dennoch
zugeben, dass es mir ungeheuer schwer gefallen ist. Was der
Mensch manchmal für lächerliche Vorstellungen hat und was für
obskure Dinge manchmal geglaubt werden, sind mit Worten kaum
zu beschreiben. Im Alltag und Berufsleben ist er meistens in der
Lage, seine Objektivität und Rationalität einzusetzen. Aber sobald
es um Glaube und Religion geht, hakt der Verstand irgendwie aus.
Das so etwas auch noch von oberster Stelle durch den buchstäblichen
Narrenfreiheitsparagraphen (§ 166 StGB) geschützt wird,
zeigt, dass eine Trennung von Kirche und Staat in Deutschland
noch nicht angekommen ist. Aber wem wundert’s mit einer Regierungspartei,
die den Namen „Christlich“ enthält.
§ 166 StGB - Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften
und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den
Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer
Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften
(§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft
oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder
Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen
Frieden zu stören.
Soviel in punkto Meinungsfreiheit in Deutschland, wobei in diesem
Fall das Augenmerk auf „Beschimpfung“ gerichtet ist und die
Tatsache, dass so etwas ein Gesetz rechtfertigt.
- 130 -
Gewalttaten, Vandalismus o.Ä. sind selbstverständlich verachtenswert
und gehören strafrechtlich verfolgt.
Staatlicher Schutz für Institutionen, welche kollektive Massenhypnose
betreiben und dafür sogar Steuern kassieren dürfen? Ein
Gesetz zum Schutz vor Beschimpfungen gegenüber Institutionen,
welche in den letzten 2000 Jahren für den größten Anteil, was
Mord, Folter, Unterdrückung, Sklaverei, Leid und Elend angeht,
verantwortlich waren? Und was heißt eigentlich „öffentlichen
Frieden stören“. Schließlich waren es stets diese Institutionen
selbst, die den öffentlichen Frieden erst gestört haben, indem sie
Zwietracht unter den Menschen säten.
Ich habe vorab gewarnt, dass ich hier kein Blatt vor den Mund
nehmen werde. Wer sich durch den Inhalt dieses Buches in seinen
religiösen Gefühlen gekränkt sieht, sollte sich mal selbst die Frage
stellen, was schlimmer ist, die Kritik an einer fiktiven Vaterfigur
oder die sich ständig wiederholenden Androhungen von ewigen
Schmerzen in einer für wahr gehaltenen Hölle. Meine verbalen
‚Attacken’ sind nicht gegen den einzelnen Menschen persönlich
gerichtet, sondern gegen die gegenüber uns Nichtgläubigen oft
gezeigte Ignoranz, Bigotterie (Scheinheiligkeit), Doppelmoral,
Arroganz, Selbstgerechtigkeit, Heuchlerei und Vermessenheit.
Obwohl es auch unter Atheisten, Humanisten und Naturalisten
Menschen gibt, die Charakterzüge mit diesen Eigenschaften aufweisen,
sind diese Eigenschaften doch unter den Gläubigen wesentlich
weiter verbreitet. Sie sind fester Bestandteil einer jeden
Religion und bilden u.a. die Grundpfeiler für deren Macht. Sie
dienen der Manipulation, der Täuschung, der Kontrolle und vor
allem der Verbreitung von Angst.
Schließlich möchte ich noch anmerken, dass viele Erklärungen und
Meinungen hier nicht zwangsläufig den allgemeinen Denkweisen
von überzeugten Atheisten entsprechen müssen. Auch innerhalb
der Gemeinschaft der Atheisten weichen die Standpunkte und
Ansichten oft voneinander ab, was hauptsächlich daran liegt, dass
Atheismus keine Inhalte vermittelt, außer dem fehlenden Glauben
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an Gott oder Götter. Des Weiteren spielt auch der Wissensstand
des Einzelnen eine nicht unerhebliche Rolle.
Bleibt zum Schluss noch die Frage zu klären, warum sich Religions-
und Glaubensgegner so sehr mit Gott beschäftigen.
Diese Frage wurde mir schon oft gestellt und um die zugrunde
liegenden Beweggründe zu verdeutlichen, möchte ich sie gern mit
Hilfe einer Metapher beantworten.
Stell dir vor ich würde in einer Straße voller Einfamilienhäuser
leben. Ich besäße eines und ebenso meine Nachbarn. Schräg gegenüber
wohnt Herr Müller mit seiner Familie. Im Haus neben ihm
wohnt die Familie Goldstein und neben mir wohnen die Ali’s.
Alle diese Familien glauben, einen großen Ballon über ihrem
Haus zu haben, welcher an der Fernsehantenne festgebunden ist.
Die Müller’s meinen ihr Ballon wäre rot, die Goldstein’s behaupten
ihrer wäre blau und die Ali’s sagen ihrer sei grün. Jede der
Familien behauptet den größten und schönsten Ballon zu besitzen,
doch niemand kann den Ballon der anderen sehen, woraufhin sich
ein Streit entfacht, der nicht nur mich belästigt und bedroht, sondern
auch all meine anderen Nachbarn.
Dieser Streit, nachdem er bereits viele Jahre andauert, droht in
einen Krieg zu eskalieren, welcher die gesamte Straße zerstören
kann. Also tue ich mich mit anderen Nachbarn zusammen, um
diesen Streit zu schlichten.
Doch nachdem wir alles in Erfahrung bringen konnten, was es
über den Streit zu wissen gibt, um ihn zu beenden, stellen wir
plötzlich fest, dass die Gründe für diesen Streit, die Ballons, gar
nicht da sind und es auch keinen Grund gibt, zu glauben, dass sie
jemals da waren. Als wir jedoch unsere Nachbarn darauf ansprechen
und ihnen nahe legen den Streit zu beenden, bevor er unsere
Straße ruiniert, werden wir gefragt, warum wir uns als Nichtballonbesitzer
überhaupt so sehr mit Ballons beschäftigen.